Austauschsemester in Frankreich

Olivia Gygax studiert Betriebsökonomie und hat sich 2015 entschlossen, ein Semester an der Université de Montpellier in Frankreich zu verbringen. Das International Relations Office hat ihr sechs Fragen über ihr Leben und ihren Aufenthalt gestellt. 

​Erzählen Sie uns ein wenig über Ihren Werdegang.
Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte ich von 2007-2009 die Handelsschule in La Neuveville mit dem BMS-Abschluss. Um die Berufsmatura zu erlangen, mussten wir ein Praktikum absolvieren. Mein Praktikum absolvierte ich in Lausanne, um mein mündliches Französisch zu verbessern. Danach machte ich meine ersten Arbeitserfahrungen bei einer Versicherung, bei welcher ich 4 Jahre arbeitete. Ende 2012 entschloss ich mich zu einem Sprachaufenthalt in Australien. Zurück in der Schweiz entschied ich mich, das berufsbegleitende Studium der Betriebsökonomie an der BFH zu beginnen. Im September 2013 reduzierte ich deshalb mein Arbeitspensum auf 60% und begann zu studieren. Für mich war früh klar, dass ich das vielfältige Angebot des International Office der BFH nutzen würde, denn dies ermöglicht es, das 4-jährige Studium etwas zu verkürzen. Im 5. Semester war es dann soweit und ich begann mein Auslandsemester in Montpellier. Im Dezember 2015 kam ich zurück in die Schweiz und begann im Februar 2016 meine neue Arbeitsstelle beim Kanton Bern. Momentan befinde ich mich im 7. Semester und somit schon im Endspurt meines Studiums.

 

Wie war es, Teil einer französischen Hochschule zu sein?
Es war ziemlich anders, als ich es mir von der BFH gewohnt war. In der Schweiz studiere ich berufsbegleitend und deshalb hat die Arbeit immer einen wichtigen Stellenwert neben dem Studium. In Frankreich konnte ich zum ersten Mal in das Leben einer Vollzeit-Uni-Studentin eintauchen. Aus diesem Grund hatte ich recht viel Freizeit und konnte das Studentenleben in Montpellier in vollen Zügen geniessen.
Ich habe in einem Studentenwohnheim ganz in der Nähe von der Universität gewohnt. Zuerst befürchtete ich, dass es in den Studentenwohnheimen stets laut und ungemütlich sein könnte. Beides hat sich als Irrtum erwiesen, denn – zumindest in meinem Haus – war es angenehm ruhig.

 

Warum haben Sie sich entschlossen, ein Semester in Frankreich zu verbringen?
Für mich war von Anfang an klar, dass ich mein Auslandsemester in Europa verbringen möchte, weil ich die relativ kurze Zeit (knapp 4 Monate) in vollen Zügen geniessen wollte und ein Land bzw. eine Region näher kennenlernen wollte. Mein Entscheid, dass ich nach Frankreich gehen möchte, fiel ebenfalls sehr schnell. Meine ganze Familie ist begeistert von Frankreich und dementsprechend war ich schon als Kind oft dort in den Ferien. Mit dem Auslandsemester in Montpellier sah ich die Gelegenheit, einmal für eine längere Zeit in Frankreich leben zu können. Daneben war mir auch die Sprache wichtig, denn ich wollte mein mündliches Französisch wieder etwas aufbessern.
Für Montpellier entschied ich mich, weil ich diese Stadt sowie die Region Languedoc-Roussillon noch nicht kannte, weil Montpellier nahe am Meer liegt und weil ich von vielen Leuten bereits gehört hatte, dass es eine sehr schöne, charmante und junge Stadt sei (die vielen Studenten beleben die Stadt).

 

Was haben Sie typischerweise neben Ihrem Studium unternommen?
Ich hatte relativ viel Freizeit, weil nicht alle Kurse zur gleichen Zeit angefangen haben. Da Montpellier eine Universitätsstadt ist, kann es einem aber fast nicht langweilig werden. ESN (European Student Network) ist extrem aktiv und organisiert jede Woche verschiedenste Aktivitäten, und das nicht nur an den Wochenenden. Ich habe an mehrere Ausflügen und Aktivitäten teilgenommen, z.B. an einer Stadtführung durch Montpellier, einem französischen Kochabend und einem Ausflug nach Marseille und Aix-en-Provence.
Gleich zu Beginn habe mich für das vielfältige Sportprogramm an der Universität angemeldet und habe viel Sport betrieben. Daneben war ich viel in Montpellier unterwegs, die Stadt ist sehr schön und die vielen Cafés und Restaurants laden zum Schlemmen und Verweilen ein. Und natürlich ging ich auch oft ans Meer. Montpellier selbst liegt zwar nicht direkt am Meer, mit dem Auto, Bus oder sogar mit dem Fahrrad ist man aber innerhalb von 20 Min bzw. 1 Stunde am Strand.


Geben Sie uns fünf Dinge an, die Sie über Frankreich mögen.

  • Die Landschaft und das Meer
  • Die französische Esskultur (ich glaube, fast jeder Franzose isst am Mittag ein 3-Gang-Menü) und der Wein
  • Die Sprache
  • Die Geschichte und die historischen Bauten, die man anschauen kann
  • Die malerischen Dörfer und Städte


 
Haben Sie Tipps für Studierende, die auch gerne ein Auslandsemester in Frankreich verbringen möchten?
Je nach Region, in welcher man studieren möchte, muss man sich jeweils etwas gedulden, bis man alles Organisatorische erledigt hat. Besonders in Montpellier (Südfrankreich) ist das Tempo anders als in der Schweiz. Am Anfang muss man sich etwas daran gewöhnen, aber mit der Zeit ist das durchaus entspannend und diese Leichtigkeit vermisst man dann wiederum zuhause.
Wenn man in Frankreich Sport treiben will, braucht man zwingend ein medizinisches Attest, welches bestätigt, dass man bei guter Gesundheit ist. Hat man dieses nicht, kann man sich bei keinem Sportclub oder Unisport anmelden. Ich würde Studierenden, welche ein Auslandsemester in Frankreich machen, empfehlen, ein solches bereits in der Schweiz einzuholen. Einerseits, weil man dann in Frankreich nicht zum Arzt gehen muss und andererseits weil man dieses in der Schweiz wohl günstiger erhält (in den Universitäten kann man meistens gratis zum Arzt, jedoch sind diese zu Semesterbeginn stark ausgebucht, Wartezeiten von 1-2 Monaten sind die Regel).
Ich würde allen empfehlen, möglichst viele Module auf Französisch zu belegen. Das Englisch der französischen Dozenten war oftmals schwer verständlich und meiner Meinung nach konnten sie dadurch die Lerninhalte weniger gut vermitteln. Viele meiner Mitstudenten hatten ein mittelmässiges Französischniveau und alle konnten die französischen Module gut abschliessen.
Zu guter Letzt kann ich Frankreich und insbesondere Montpellier allen weiterempfehlen, die sich überlegen, ein Auslandsemester zu absolvieren. Montpellier ist eine tolle Stadt und allgemein bietet die Region rund um Montpellier extrem viel.

 

 

Seite drucken

Autorin

Jolanda Kieliger           
Projektmitarbeiterin IRO
E-Mail

efqm
efqm