VSS und BFH starten wegweisendes Projekt zur Digitalisierung des Strassenbaus

26.05.2020 Nach fast zweijähriger intensiver Vorarbeit startet der Schweizerische Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) zusammen mit der BFH das wohl bedeutendste Forschungsprojekt seiner Verbandsgeschichte: Die digitale Methode «digiMABS» zur effizienten Analyse und Bewertung von Strasseninfrastrukturprojekten.

Das Projekt dient dazu, Strasseninfrastrukturprojekte automatisch, systematisch und vorausschauend auf Normkonformität zu überprüfen sowie Varianten zu entwickeln und zu vergleichen. Unterstützt wird das 900’000-Franken-Projekt durch Innosuisse, die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung. Nach dem Projekt überträgt der VSS die Methodik auch auf die Phasen Betrieb, Unterhalt und Rückbau und ermöglicht so ein Strasseninfrastruktur-Management über den ganzen Lebenszyklus.

Die Digitalisierung leistet einen massgeblichen Beitrag zur Produktivitäts- und Qualitätssteigerung in vielen Wirtschaftszweigen. In der Baubranche wird sie im Wesentlichen durch die BIM genannte Bauwerksdatenmodellierung (Building Information Modeling) vorangetrieben. Während im Hochbau der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes simuliert werden kann, ist für den Tief- und Strassenbau ein ähnlich leistungsfähiges Modell noch nicht verfügbar. Planung, Bau, Betrieb, Unterhalt und Rückbau von Strasseninfrastrukturprojekten (SIP) sind komplex. Gründe dafür sind die geometrisch anspruchsvolle Linienführung von Strassen, die Unsichtbarkeit unterirdischer Strassenschichten sowie ihre unterschiedliche Lebensdauer. Mit einem Datenmodell, das Normen zu allen Lebenszyklusphasen digital interpretiert, liessen sich SIP schnell und sicher auf Norm-konformität überprüfen. Dies vermeidet Ausführungsfehler und spart somit Kosten und Ressourcen.

Digitale Methode zur effizienten Analyse und Bewertung von Strasseninfrastrukturprojekten «digiMABS»

Ziel des Projekts ist es, eine digitale Methodik zur effizienten Analyse und Bewertung von Strasseninfrastrukturprojekten (digiMABS) zu entwickeln. Das hierfür zu entwickelnde Datenmodell muss in der Lage sein, Daten aus unterschiedlichen Quellen (Datenbank/GIS/CAD) zu integrieren. Diejenigen VSS-Normen, die zur Prüfung von SIP auf Norm-Konformität nötig sind, werden identifiziert und für die Verwendung in einem wissensbasierten System aufbereitet. Dieses System sowie die Daten werden auf einem zentralen Server zur Verfügung gestellt. digiMABS bewertet ausserdem die Qualität verschiedener SIP-Varianten.

Das Projekt erstellt das digiMABS-Modul «Planung & Bau». Nach dem Projekt überträgt der VSS die Methodik auf die Phasen Betrieb und Unterhalt sowie Rückbau. «Wir werden dieses Projekt so weiterentwickeln, dass wir die Strasseninfrastruktur über den ganzen Lebenszyklus digital managen können», erklärt Projektleiter Nicolas Bueche, Professor am Institut für Siedlungsentwicklung und Infrastruktur ISI der BFH. Sie ist zusammen mit dem Institut inPACT der Fachhochschule Genf der Forschungspartner des Innosuisse-Projekts. Auch für den VSS-Präsidenten Jean-Marc Jeanneret ist dieses Projekt wegweisend: «Mit digiMABS wird der VSS eine führende Rolle in der Digitalisierung des Strassenwesens übernehmen, denn konkrete Ansätze in diesem Bereich fehlen bisher – europaweit.»

Ab 2023 soll digiMABS für die Phasen «Planung und Bau» operativ im Einsatz und bereits drei Jahre nach Projektende refinanziert sein. Prof. Martin Stolz, Leiter des ISI an der BFH, ist überzeugt: «Die breite Abstützung des Vorhabens auf einen Wirtschaftsverband, die Privatwirtschaft, kantonale Behörden und eine neutrale F&E-Institution verdeutlichen die hohe Relevanz des Projekts und erhöhen dessen Umsetzungschancen wesentlich.»

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Fachgebiet: Verkehrsinfrastruktur, Mobilität