AHB-Awards Nachhaltige Entwicklung

01.11.2019 Genossenschaftliches Wohnen, temporäre Nutzung von Gebäuden und Industriebrachen sowie neue Ideen für die Trinkwasserversorgung: Anlässlich des Berner Nachhaltigkeitstags hat das Departement Architektur, Holz und Bau der Berner Fachhochschule (BFH-AHB) Studierendenprojekte mit den AHB-Awards Nachhaltige Entwicklung prämiert.

Die Awards wurden pro Fachbereich in der Architektur, der Holztechnik und dem Bauingenieurwesen verliehen. Ausgezeichnet wurden Entwurfs- und Semesterarbeiten der Bachelorstudiengänge, die zwischen dem 2. und 5. Semester entstanden sind.

Unsere Studierenden auf die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung zu sensibilisieren, ist uns ein wichtiges Anliegen. Deshalb freute es uns, bereits zum dritten Mal Studierendenarbeiten auszuzeichnen, die besonderen Bezug auf nachhaltige Themen nehmen.

Herzlichen Dank an den Sponsor der AHB-Awards Nachhaltige Entwicklung: Losinger Marazzi

Preisübergabe AHB-Nachhaltigkeitsaward
v.l.n.r.: Adrien Maximilien Ebel (Student, Gewinner Siegerpreis Holz), Nicolas Gander (Student, Gewinner Anerkennungspreis Holz), Philipp Nietlispach (Student, Gewinner Anerkennungspreis Bau), Luna Böni (Studentin, Gewinnerin Siegerpreis Architektur), Christian Grossmann (Student, Gewinner Anerkennungspreis Holz), David Mastrogiacomo (Vertreter des Sponsores Losinger-Marazzi)

AHB-Award Nachhaltige Entwicklung, Architektur

Würdigung


Programmatisch ist der Titel des Projektes von Luna Böni: Leben, das heisst ihr grosses Interesse für die Bewohner, und der Hof, als gemeinschaftlich erlebbarer Aussenraum.

Und alles hat mit Nachhaltigkeit zu tun:
Da ist zuerst der Entscheid, den Eckbau stehen zu lassen. Er ist wertvoll als Gebäude (Ressourcen) und als historische Spur für den Ort. Gestärkt wird er durch eine schmale Fussgängerverbindung zwischen Hunyadigässlein und der Lyssachstrasse.

Auch bemerkenswert ist der Umgang mit dem Coop. Er wird im Erdgeschoss unterbracht, um den Aushub und die Unterterrainbauten (Graue Energie) möglichst klein zu halten.

Wir wissen, dass Grossverteiler gerne das Erdgeschoss flächig besetzen, aber keinen Beitrag zu den Fassaden und damit an den Strassenraum leisten wollen. Deshalb wird in diesem Projekt der Coop sehr klug mit anderen Nutzungen umringt, die Fassaden mit Fenstern ausbilden.

Die Arbeit liefert somit einen sehr schönen subtilen städtebaulichen Beitrag. Der gewerbliche Sockel wird genutzt, um darauf eine eigene Wohnsiedlung zu errichten. Die Zeilen in Ost-Westrichtung ermöglichen attraktives Wohnen. Die Grösse des Sockels wird durch die Zeilen darauf in einen adäquaten Massstab gebracht.

Für das Wohnen wird ein schlüssiges Aussenraumkonzept gefunden: Die Zeilen gruppieren sich um den Hof der Begegnung und Erschliessung. Dazwischen liegt der ruhige Hof als Betrachtungsort/Abstandsfläche. Die Bespielung des Hunyadigässleins mit Velos ist einfach, nützlich und effektvoll.

Die Wohnungen auf dem Sockel liegen in einer eigenen Welt, die hohe Qualitäten bietet. Diese Welt soll möglichst vielen ermöglicht werden. Deswegen ist der sparsame Umgang mit Flächen wichtig, sowohl was die Erschliessungen betrifft, wie auch der Wohnungen selbst. Die Grundrisse haben bewusst sehr knappe Flächen. Passend dazu ist die Wohnungstypologie: Duplex kombiniert mit Geschosswohnungen im 2. Obergeschoss. Sehr schön sind die Grundrisse und Schnitte der Wohnungen in Hinwendung zum gemeinsamen Hof entworfen worden.

Dieses Projekt besticht durch seine Ernsthaftigkeit für Burgdorf einen qualitätsvollen und massstabsgerechten Beitrag zum genossenschaftlichen Wohnen an dieser zentralen Stelle zu leisten. Nachhaltigkeit wird hier auf eine integrale Weise umgesetzt.

AHB-Award Nachhaltige Entwicklung, Holz

Würdigung
 

Dans ce travail le candidat a développé des solutions modulaires en bois pour une halle en utilisation transitoire à Bienne. Les solutions développées doivent permettre un grand panel d’activités et une grande flexibilité d'utilisation.

Le jury a été convaincu par la thématique du travail car elle s’ancre dans une démarche de développement durable dans le cadre d’une planification urbaine locale. Le fait de promouvoir une modification interne de bâtiments et de permettre des utilisations transitoires est l’une des clefs principales pour réduire la production de matériaux de construction et ainsi de baisser l’impact environnemental des villes. Le projet apporte une forte durabilité sociale grâce à la promotion d’un lieu de rencontre et culturel. Enfin l’utilisation du bois comme matériaux biosourcé et favorisant la baisse des émissions de CO2 du domaine de la construction est un atout éminent. L’argumentation du candidat nous a parfaitement convaincu pour l’obtention de ce prix.

Würdigung
 

In der jurierten Arbeit stellen die beiden Kandidaten eine alternative Lösung für federnde Sportböden vor. Diese beruht auf Holzfedern, die vorgefertigt in einem einfacheren und kräfteschonenderen Arbeitsgang verlegt werden können als übliche Systeme.

Hinsichtlich der Nachhaltigkeit konnte die Arbeit in mehrfacher Hinsicht überzeugen. Der nachwachsende Rohstoff Holz wird wertschöpfend und gezielt mit hohem Vorfertigungsgrad in einem spezialisierten Kontext eingesetzt und kann dort Lösungen aus nicht nachwachsenden Rohstoffen ersetzen. Die Vorfertigung erlaubt die Optimierung der Arbeitsabläufe vor Ort und verbessert die Arbeitsbedingungen des Einbaupersonals, indem körperlich belastende Arbeitsgänge in die Vorfertigung verlagert werden, wo geeignete Hilfsmittel eingesetzt werden können. Ergänzend können in der Vorfertigung Personen mit Handicaps eingesetzt werden. Aus wirtschaftlicher Sicht bieten die Holzfedern das Potenzial, die Bauzeit zu verkürzen und die Planungssicherheit zu erhöhen.

Die stimmige Argumentation hinsichtlich sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit konnte die Jury überzeugen, die Autoren der Arbeit mit dem Anerkennungspreis auszuzeichnen.

AHB-Award Nachhaltige Entwicklung, Bauingenieurwesen

Würdigung
 

Florian Kaufmann hat in seiner Projektarbeit ein Konzept erarbeitet, wie in Trockenperioden die Trinkwasserversorgung qualitativ und quantitativ sichergestellt werden kann. Aufgrund des Klimawandels werden längere Perioden mit geringem Niederschlag wahrscheinlicher. Bei längerer Niederschlagsarmut sinken die Pegelstände im Grundwasser dramatisch ab und es wird mehr Wasser aus den Aquiferen gewonnen, als dass sich neu bilden kann. In diesem Punkt setzt das Konzept an. Die flussaufwärts liegenden Grundwasserleiter werden mit gereinigtem Abwasser aus den Abwasserreinigungsanlagen künstlich angereichert.

Die Nachhaltigkeit des Projekts besteht darin, dass der natürliche Kreislauf des Wassers bereits früher wieder geschlossen wird. Die natürliche Neubildung von Wasser wird durch künstliche Versickerung unterstützt. Dadurch wird dem Absinken der Grundwasserspiegel entgegengewirkt. Stabile Grundwasserspiegellagen entlang der Flüsse fördern und stabilisieren deren Abflüsse, da zwischen Fluss- und Grundwasser eine Interaktion stattfindet. Kaltes Grundwasser wirkt im Sommer auch temperaturreduzierend, was den Flusslebewesen, insbesondere den Fischen, zu Gute kommt.

Wir gratulieren dem Gewinner des NE-Awards herzlichst für diesen Ansatz zur Nachhaltigkeit und ermutigen ihn, in der Zukunft diese nachhaltige Vision in allen Bereichen seines Lebens zu implementieren.

Würdigung
 

Philipp Nietlispach hat in seiner Projektarbeit einen Ersatz für eine bestehende, noch junge aber bereits schadhafte Fussgängerbrücke bei Utzenstorf über die Emme geplant. Die Witterung hatte der bestehenden innert 11 Jahren nach Bauabschluss arg zugesetzt. Nietlispach ist es gelungen aus Stahl und Beton einen filigranen und leichten Bau zu konstruieren, bei dem er die eingesetzten Baustoffe ausreizt. Trotz der hohen Ausnutzung der Materialien schätzt er die Dauerhaftigkeit um einiges höher ein als die der bestehenden Brücke. Nietlispach setzt im Rahmen der aktuellen Normen recyclierten Beton ein und weist darauf hin, dass Stahl jederzeit eingeschmolzen und als gleichwertiger Stoff wiederverwendet werden kann. Der Bauablauf sowie die Vorarbeiten sind so konzipiert, dass die Baustelle zu keiner Zeit die Emme tangiert.

Wir gratulieren Philipp Nietlispach zu seiner Konzipierung einer Infrastrukturanlage, bei der er es verstanden hat, den Rohstoffverbrauch minimal zu halten, die Siedlungsqualität zu fördern, sowie ein feines Design zu entwickeln, welches sich durch seine Leichtigkeit bestens in die Umgebung einpasst.

Fachgebiet: Forst, Wald + Holz, Architektur + Bauingenieurwesen
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