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Bauphysik ist nicht gleich Bauphysik

22.06.2017

Holz wird in der Schweiz als Baustoff immer beliebter. Holz ist zudem der einzige nachwachsende Baustoff und zeichnet sich in der Produktion und im Gebäude durch eine hohe Klimaverträglichkeit aus. Ebenso bietet Holz viele Vorteile, wenn es um Neubauten, Sanierungen und verdichtetes Bauen geht. Umso wichtiger ist es, dass Planer, Holzfachleute, Bauphysiker und Architektinnen Hand in Hand zusammenar-beiten um die Vorteile dieses besonderen Materials optimal zu nutzen. Damit dies gelingt, bietet die Berner Fachhochschule BFH den Weiterbildungsstudiengang CAS Bauphysik im Holzbau an.

 

In Sachen Holzbau hat sich in den letzten Jahren vieles getan. So hat der weltweit bekannte japanische Architekt Shigeru Ban das Tamedia Medienhaus geplant, welches im Jahr 2013 fertig gestellt wurde und zurzeit ist das von ihm entworfene neue Swatch-Gebäude in Biel im Bau. Doch braucht es nicht immer einen ausländischen Stararchitekten um in der Schweiz den Baustoff Holz aufzuwerten. Dank neuen Brandschutzvorschriften und der daraus resultierenden Möglichkeit, Holzgebäude bis zur Hochhausgrenze (30 m) und mit guten Konzepten sogar darüber hinaus zu bauen, geben dem Holzbau einen zusätzlichen Schub. Das Projekt Suurstoffi 22 im Kanton Zug etwa (aktuell im Bau), ist das erste Bürohochhaus in Holzbauweise in der Schweiz.

 

Damit alle vom Gleichen sprechen

Doch je beliebter Holz als Baustoff, desto wichtiger wird die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachleuten, und dass alle «die gleiche Sprache sprechen». Dazu gehören auch die grundsätzlichen Kenntnisse der Bauphysik in Bezug auf Holz. Hier setzt der Weiterbildungsstudiengang CAS Bauphysik im Holzbau der Berner Fachhochschule BFH an. Der Kurs ist in sieben Module gegliedert um die wichtigsten Elemente der Bauphysik zu vertiefen und im Gesamtkontext zu betrachten. Der Schallschutz wird zum Beispiel in einem Modul speziell behandelt. Gerade im Hinblick auf verdichtetes Bauen und das «Auslaufmodell Einfamilienhaus» müssen sich Holzbauer noch stärker mit dem Schallschutz und den Themen Innenwände und Geschossdecken auseinander setzen. Denn Mehrfamilienhäuser und mehrgeschossige Bauten unterschiedlicher Nutzung, wie Gewerbe, Büro oder Schulen haben höhere Ansprüche. Im CAS Bauphysik im Holzbau lernen die Kursteilnehmenden die verschiedenen Möglichkeiten der Schalldämmung von Holzbauteilen kennen. Sie werden gefordert, sich mit der Nutzung des Gebäudes intensiv auseinander zu setzen und die Bedürfnisse zu eruieren um den Schallschutz in die gesamtheitliche Planung miteinzubeziehen.

 

Leicht und energieeffizient

Bedeutet Holz im Bereich Schallschutz eine besondere Herausforderung so hat es in anderen Bereichen enorme Vorteile gegenüber anderen Baustoffen. Beispielsweise kann die Wärmedämmung der Gebäudehülle viel kompakter und leichter gebaut werden. Hanspeter Kolb, Studienleiter des CAS Bauphysik im Holzbau und Leiter Kompetenzbereich Holzbau der BFH, bringt es auf den Punkt: «Gegenüber dem Massivbau kann die Gebäudehülle eines Holzbaus viel leichter und platzsparender gebaut werden. Vereinfacht gesagt, können durch kompaktere Wände bei einem mehrgeschossigen Gebäude unter Umständen mehrere 100 qm2 Nutzungsfläche gewonnen werden, was wiederum im Kontext von verdichtetem Bauen ein grosser Vorteil ist.» Doch die Gebäudehülle hat nicht nur einen Einfluss auf die Nutzungsfläche, ein Holzbau ist in der Regel auch sehr viel leichter als ein konventioneller Bau, was speziell im Hinblick auf anstehende Sanierungen interessant ist. So wurden beispielsweise bei einem Projekt an der Röschstrasse in St. Gallen die drei Geschosse des Massivbaus zurückgebaut und auf demselben Fundament konnten ohne Verstärkung neu fünf Holzgeschosse aufgebaut werden. Ein weiteres spannendes Beispiel ist das Projekt Giesshübel in Zürich, wo dank Holz vier zusätzliche Geschosse auf die bestehenden zwei aufgestockt werden konnten.

 

Doch nicht nur die kompakte Gebäudehülle und das geringe Gewicht, sondern auch die hohe Energieeffizienz – Holz hat z.B. eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit – bieten grosse Vorteile, die es zu kennen gilt. Hanspeter Kolb erläutert hierzu: «In unserem Weiterbildungsstudiengang gehen wir vertieft auf die Energiebilanz der Gebäude ein, lernen die verschiedenen Energiestandards und –labels und deren Anforderungen an die Bauteile sowie die wichtigsten Systeme der Haustechnik kennen. Somit können wir Detaillösungen für verschiedene Holzbauten erarbeiten und die Schnittstellen mit anderen Fachbereichen definieren und einplanen.»

 

Das CAS Bauphysik im Holzbau behandelt nebst der Energieeffizienz und dem Schallschutz auch den sommerlichen Wärmeschutz sowie das Raumklima. Holz bietet durch seine besonderen Eigenschaften ein sehr angenehmes Raumklima. Umso wichtiger ist es, dass eine falsche Oberflächenbehandlung oder ein schlecht durchdachtes Lüftungs- und Heizsystem die natürlichen Vorteile von Holz nicht zunichtemacht. «Um das Beste aus dem Baustoff Holz heraus zu holen, ist eine breites Grundverständnis der spezifischen bauphysikalischen Themen sowie die entsprechenden Planung und Zusammenarbeit mit den jeweiligen Fachexperten enorm wichtig. Im Zertifikatskurs gehen wir gezielt auf die Praxis ein, arbeiten an Fallbeispielen und besprechen die einzelnen Themen nicht bloss einzeln, sondern fordern die gesamtheitliche Betrachtung des Holzbaus», erklärt Hanspeter Kolb.

 

Zur Medienmitteilung

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