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Lücken in der Gesundheitsversorgung schwangerer Asylbewerberinnen

02.08.2017

Schwangere asylsuchende Frauen werden in der Schweiz unzureichend versorgt. Dies zeigt eine Studie der Berner Fachhochschule, die erstmals die sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung von Frauen in Schweizer Asylunterkünften untersucht hat.

 

Gewalterfahrungen und Entbehrungen auf der Flucht, verbunden mit den gesundheitlichen Herausforderungen einer Schwangerschaft, machen schwangere Frauen und Mütter zu einer besonders verletzlichen Gruppe der Asylsuchenden. Ihre spezifischen Bedürfnisse werden in der hiesigen Gesundheitsversorgung vernachlässigt, lautet die Quintessenz einer Studie der Forschungsabteilung Geburtshilfe der Berner Fachhochschule BFH.

 

Schwangere Asylbewerberinnen erhalten die wesentlichen medizinischen Leistungen im Zuge der perinatalen Versorgung – psychosoziale Unterstützung ist ihnen aufgrund fehlender Finanzierung von Dolmetscherdiensten aber verwehrt. Für Frauen mit traumatisierenden Erfahrungen ist dies gravierend. Nichtärztliche Gesundheitsfachpersonen sind kaum in die Versorgung eingebunden. Weiter ist in Asylunterkünften nur der Zugang zu Kondomen sichergestellt. Die Tatsache, dass Asylbewerberinnen keine Finanzierungshilfen für frauenspezifische Verhütungsmittel erhalten, der Schwangerschaftsabbruch dagegen von der Krankenkasse finanziert wird, werten die Forschenden als Zeichen für eine verfehlte Verhütungspolitik.

 

Einen Lichtblick bildet das innovative Modell der integrierten Gesundheitsversorgung des Kantons Waadt. Schwangere Asylbewerberinnen und Mütter werden von in Netzwerken tätigen Gesundheitsfachpersonen in Fragen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit kontinuierlich begleitet. Weiter empfiehlt die Forschungsabteilung Geburtshilfe die Finanzierung von Dolmetscherdiensten und den kostenlosen Zugang zu selbstbestimmten Verhütungsmitteln.

 

Die BFH untersuchte, mit finanzieller Unterstützung vom Bundesamt für Gesundheit (BAG), acht Asylunterkünfte der Kantone Bern, Waadt und Tessin. Zum Zeitpunkt der Untersuchung lebten dort 151 Frauen im geburtsfähigen Alter von 18 bis 48 Jahren; vor allem aus Eritrea, Äthiopien, Irak, Afghanistan und Syrien.

 

Zur Medienmitteilung

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