SchafAlp – Erster Prototyp für mobile Hirtenunterkunft realisiert

24.07.2019 Schafe fressen Büsche und verhindern so das Zuwachsen von Alpweiden. Da die Tiere in Wanderherden unterwegs sind, müssen auch die Hirten mobil sein. Aber es fehlen mobile Hirtenunterkünfte, weshalb Pro Natura, Agridea, der Schweizerische Schafzuchtverband sowie der WWF das «Unterkunftsprogramm SchafAlp» lancierten. Studierende des Bachelor Holztechnik entwickelten dafür einen Prototyp für eine mobile Standardhirtenunterkunft, der nun auf der Guggialp installiert wurde.

​Es fehlt an mobilen Unterkünften auf den Schafalpen

Die Gruppe SchafAlp, bestehend aus den vier Partnern Pro Natura, Agridea, Schweizerischer Schafzuchtverband und WWF, gab im Jahre 2015 die Studie «SchafAlp Schafsömmerung und Unterkünfte» beim Büro Alpe in Auftrag. Ziel war, die Unterkunftssituation für Hirtinnen und Hirten zu evaluieren. Die 2016 abgeschlossene Studie zeigte, dass der Bedarf an angemessenen Unterkünften auf Schafalpen in den nächsten Jahren steigen wird. Als Ursache gilt vor allem die agrarpolitische Förderung von Schafalpweiden mit ständiger Behirtung sowie die zunehmende Bedrohung durch Grossraubtiere. Zudem befinden sind ein Teil der bestehenden Unterkünfte in einem mangelhaften Zustand.

«Unterkunftsprogramm SchafAlp» soll Abhilfe schaffen

Die Gruppe «SchafAlp» lancierte deshalb das «Unterkunftsprogramm SchafAlp». Das Programm richtet sich an Trägerschaften von Schafalpen, an Bund und Kantone und Stiftungen sowie NGOs. Das Programm gibt Vorgaben bezüglich Bedarfsnachweis, Finanzierung, Abräumpflicht und Mindeststandard der Hirtenunterkunft. Zum Mindeststandard einer Hirtenhütte gehören ein angemessener Schlaf- und Kochplatz, ein Trocknungsraum, Trinkwasserzugang und eine Toilette. Zudem soll sie heizbar und sturmsicher sein und einem Sommerschnee widerstehen.  

Holztechnik-Studierende entwickeln Prototyp für mobile Hirtenunterkunft

Vor diesem Hintergrund entwickelten Studierende des Bachelor Holztechnik im Rahmen einer Projektarbeit einen Standard-Prototyp für eine mobile, praxistaugliche und umweltfreundliche Hirtenunterkunft. Unter anderem wurden mehrere Fragmente im Massstab 1:1 gebaut, statische Teile auf Tragsicherheit und Gebrauchstauglichkeit berechnet und getestet sowie ein Virtual-Reality-Modell und ein BIM-Modell (Bauphysik, Materialisierung und Konstruktion) erzeugt. 

Installation eines ersten Prototyps auf der Guggialp im Lötschental

Auch auf der Guggialp im Lötschental fehlte es an einer geeigneten Unterkunft für die Schafhirten, weshalb nun ein erster Prototyp einer Schäferhütte auf der Alp installiert wurde. Diese besteht aus einem Wohn- und Lagermodul, ist sechs Quadratmeter gross und wiegt weniger als 900 Kilogramm. So kann die Unterkunft bei Bedarf mit dem Helikopter versetzt werden. Im Innern hat es genug Platz für ein Stockbett, einen Herd sowie einen beheizbaren Trockenschrank. Da Schafhirten vielerorts in Baustellencontainern oder alten Wohnwagen hausen, gehen die Projektverantwortlichen davon aus, dass auch weitere Alpgenossenschaften an der mobilen Schäferhütte interessiert sein werden.

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