Schweizer Firmen kaufen zunehmend im Ausland ein – und bringen sich damit in Gefahr

08.10.2019 Politische Krisen wie in Hongkong beeinträchtigen die Lieferketten von Schweizer Firmen. Der Bund finanziert jetzt ein Forschungsprojekt, das Tipps erarbeitet. Dr. Paul Ammann vom Institut für ICT-Based Management ICTM der BFH ist daran beteiligt.

Politische Krisen wie in Hongkong beeinträchtigen die Lieferketten von Schweizer Firmen. Der Bund finanziert jetzt ein Forschungsprojekt, das Tipps erarbeitet.

Der starke Franken lässt Schweizer Firmen jedoch keine Wahl: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, suchen sie sich ihre Lieferanten im Ausland - oft ohne abschätzen zu können, was auf sie zukommt. Die Lieferkette wird unübersichtlich, und die Abhängigkeiten nehmen zu. Eine Gefahr für den eigenen Betrieb.

Gemäss einer Umfrage haben 40% Prozent der Schweizer Firmen schon «oft» oder «eher oft» erlebt, dass sie wegen Lieferproblemen im Ausland mit hohen Kosten konfrontiert waren. Ein Drittel sah die Kundenzufriedenheit gefährdet. Ein Viertel musste langfristige Kostenerhöhungen in Kauf nehmen.

Die Umfrage fand im Rahmen eines Forschungsprojekts statt, das von Innosuisse, der Innovationsagentur des Bundes, finanziert wird. Mitgemacht haben 315 Firmen von Procure.ch, dem Verband für Einkauf und Supply- Management. Bemerkenswert ist auch, in welchen Ländern die Schweizer Industriefirmen die grössten Risiken wittern.

Internationale Beschaffungen würden immer anspruchsvoller, sagt Professor Ralph Lehmann von der Fachhochschule Graubünden, der das Projekt begleitet. «Die meisten Unternehmen wappnen sich zu wenig. Sie reagieren erst, wenn es ein Problem gibt.»

Schmiergeld am Zoll

«Die Unsicherheiten haben zugenommen. Grundsätzlich gilt: Je weiter weg, desto komplizierter», sagt Oliver Künzler, Einkaufschef bei Veratron. Das Ostschweizer KMU ist auf Outdoor-Instrumentierungen spezialisiert, wie sie zum Beispiel die Schifffahrt braucht. Selbst wenn man ein seriöses Risiko-Management betreibe, könne es zu bösen Überraschungen kommen.

«Wir haben einen Lieferanten, der jedes Jahr fix 200 000 $ Schmiergeld einkalkuliert, damit seine Ware schneller verzollt wird.» Es besteht somit immer auch das Risiko, dass eine Lieferung einmal hängen bleibt und sie dann mit Verspätung in der Schweiz eintrifft. Veratron bestellt die benötigte Ware deshalb lange im Voraus.

Künzler kategorisiert seine Lieferanten. Mit den wichtigsten hat er wöchentlich Kontakt, mit anderen dafür nur alle zwei, drei Jahre. Er hat schon erlebt, dass es diese dann gar nicht mehr gab.

Um seine Zulieferer-Risiken im Griff zu haben, müsse man arbeiten wie bei einer Versicherung, sagt er. Man sammle möglichst viele Daten und überwache sowie interpretiere sie laufend.

Die Zurich-Versicherung kooperiert seit kurzem mit dem deutschen Unternehmen Riskmethods. Dieses hat sich darauf spezialisiert, die Welt mittels künstlicher Intelligenz nach Ereignissen abzusuchen und Alarm zu schlagen, wenn sich etwas abzeichnet.

 

Mehr erfahren