Wenn Autos im Hallenbad sinken: Im Campus Sursee üben Rettungsschwimmer den Ernstfall

22.03.2019 Im Campus Sursee werden Menschen aus gesunkenen Autos gerettet. Diese Simulation in der neuen Schwimmhalle ist schweizweit eine Neuheit. Künftig sollen noch grössere Objekte versenkt werden.

Langsam hebt der Laufkran den umgebauten gelben Fiat 500 vom Beckenrand hoch. Am Steuer sitzt Badmeisterin Hanna Eilert, auf dem Beifahrersitz hat Campus-Direktor Daniel Suter Platz genommen. Mittels Fernsteuerung wird das Auto über die Wasseroberfläche des 25 Meter langen und 12,5 Meter breiten Einschwimmbeckens gehievt und runtergelassen.

Ebenfalls elektronisch gesteuert erzeugt ein im Wasser liegender grosser Ball Wellen. Langsam beginnt sich das Autoinnere mit Wasser zu füllen, bis das Fahrzeug schliesslich komplett geflutet ist. Noch warten die Rettungsschwimmer einige Sekunden am Beckenrand. Dann tauchen sie ein ins Becken und schwimmen zum Auto. Gekonnt öffnen sie die Türe, um die beiden «Verunfallten» zu bergen.

Sechs Jahre von der Idee bis zur Umsetzung

Aus dem Auto gerettet, sagt Daniel Suter wenig später: «Das ist die erste Anlage schweizweit und wohl auch in Europa, mit der eine Wasserrettung und -bergung aus einem Fahrzeug in einem Hallenbad simuliert werden kann.» Bis die Anlage betriebsbereit war, verging allerdings einige Zeit – von der Idee bis zur Umsetzung waren es rund sechs Jahre. Am Bielersee aufgewachsen und als langjähriger Rettungsschwimmer wirkend, habe ihn dieser Gedanke nie losgelassen, erklärt Suter. Deshalb darf die Neuheit auch als sein Kind bezeichnet werden. Die Übungen des Ernstfalls erfolgen in einer Kooperation des Campus Sursee mit der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG).

Die Wassertiefe des Einschwimmbeckens beträgt fünf Meter. Für die Bergung kann der Wasserstand zweistufig um einen respektive eineinhalb Meter abgesenkt werden. Die Erzeugung von Wellen ist zehnstufig möglich – beginnend bei kleinen, durch Wind ausgelösten Wellen, bis hin zu grösseren, wie sie auf dem Meer vorkommen. «Die Übungen sollen bei möglichst realistischen Bedingungen durchgeführt werden», so Suter. Das Fahrzeug unterscheidet sich nur unwesentlich von einem normalen Auto: Der Motor ist mit Gewichten ersetzt worden und es werden keine Flüssigkeiten wie Benzin oder Öl mitgeführt. Die Spezialausführung wurde durch die DTC Dynamic Test Center AG, einem Institut der Fachhochschule Automobiltechnik des Kantons Bern, umgebaut.

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Fachgebiet: Ingenieurwesen + Technik