ONLINE: Platz für Vielfalt?! Differenzlinien in der Offenen Jugendarbeit

Differenzlinien sozialer Ungleichheit ziehen sich durch alle Bereiche – auch durch die Offene Jugendarbeit. Wie können Fachpersonen die Offene Jugendarbeit gestalten, damit Verschiedenheit Platz hat und Diskriminierung vermieden wird?

20.11.2020 – Online über Microsoft-Teams

Im Alltag der Offenen Jugendarbeit zeigt sich die intersektionale Verschränkung der verschiedenen Formen des «Anders-seins» in den Adressierungen der Zielgruppen durch die Fachpersonen. Aber auch die Jugendlichen selbst sprechen und handeln differenzierend: So wird beispielsweise zwischen «anständigen» und «unanständigen» Mädchen unterschieden oder zwischen «coolen» und «uncoolen» Jungs. Diese Differenzlinien sind zugleich strukturell und situativ und führen zu Auf- und Abwertungen sowie zu Ein- und Ausschluss.

Die Tagung bringt Forschung und Praxis der Offenen Jugendarbeit über diese konkreten Differenzierungen ins Gespräch. Vorgestellt werden empirische und theoretische Arbeiten, die sich mit Differenzierungsprozessen und ihren Folgen im Jugendalter auseinandersetzen. Ergänzt wird das Programm durch Workshops mit Praktikerinnen und Praktikern aus der Offenen Jugendarbeit der Schweiz, Österreich und Deutschland.

Die Teilnahme zur Tagung bedingt eine Anmeldung.
Die Abendveranstaltung (siehe Programm) ist jedoch öffentlich und kostenlos. Ihr kann ohne Anmeldung über diesen Link beigewohnt werden.

Platz für Vielfalt?! Tagung zur Offenen Jugendarbeit

Steckbrief

  • Startdatum 20.11.2020
  • Ort Online über Microsoft-Teams
  • Anmeldefrist 15.11.2020 (verlängert)
  • Kosten Normaltarif CHF 100; DOJ-Mitglieder CHF 50; Studierende CHF 25

Weitere Informationen

Freitag, 20. November 2020

Zeit    Inhalt
ab 08.30  

Ankommen in MS-Teams

09.00–
09.15
 

Begrüssung Dachverband offene Jugendarbeit DOJ und Berner Fachhochschule BFH

09.15–10.00   

Differenzlinien in der Offenen Jugendarbeit – Einblicke in ein laufendes Forschungsprojekt 
Stefanie Duttweiler und Eveline Ammann Dula

10.00–10.30  

Pause

10.30–12.30   

Workshops 1 (mit Möglichkeit von 10 Minuten Pause zwischendurch)

   

1A Genderreflektierende Offene Jugendarbeit

   

1B Methoden zur Förderung der Akzeptanz von queeren Menschen

   

1C Chancengleichheit im Bereich Jugendkultur

    1D Respekt vor der regligiösen Vielfalt fördern: Muslim- und Judenfeindlichkeit gemeinsam überwinden
12.30–13.45    Mittagspause

13.45–14.30 

 

Gestaltung von Lernprozessen zu Diskriminierung in der Offenen Jugendarbeit, Katharina Debus

14.30–15.00   Pause
15.00–17.00  

Workshops 2 (mit Möglichkeit von 10 Minuten Pause zwischendurch)

   

2A Rassismus in der Offenen Jugendarbeit

   

2B Antidiskriminierende Ansätze von Gender im Alltag der Offenen Jugendarbeit - Spannungsfeld zwischen Anspruch und Realität

   

2C Einblicke in den aktuellen Fachdiskurs

17.00–19.00  

Pause

19.00–20.00   Rassismus ver.w.orten - rassismuskritisch denken und handeln, Rahel El-Maawi (zur Online-Teilnahme)

 

Weitere Informationen

Mehr Informationen zu den Referaten und den Workshops finden Sie unter «Inhalt».

Stefanie Duttweiler, Eveline Ammann Dula (BFH, Bern): Differenzlinien in der Offenen Jugendarbeit. Einblicke in ein laufendes Forschungsprojekt

Differenzlinien werden in der OJA situativ (ir-)relevant gemacht. Wir präsentieren Ergebnisse aus unserem Forschungs- und Weiterbildungsprojekt im Hinblick auf ‘gender’, ‘class’ und ‘race’ und thematisieren Herausforderungen sowie Gelingensbedingungen für eine reflektierende OJA, die Differenzlinien zu überwinden versucht. 

Katharina Debus (dissens Berlin):  Gestaltung von Lernprozessen zu Diskriminierung in der Offenen Jugendarbeit

Davon ausgehend, dass Menschen gute Gründe für ihr Handeln haben, arbeitet der Vortrag heraus, wie in der Offenen Jugendarbeit Lernen zu Diskriminierung und Verhaltensalternativen gestaltet werden kann.

Workshop 1A: Eveline Ammann, Aaron Rhyner, Dominik Bodmer (BFH, Projektteam GROJA): Genderreflektierende Offene Jugendarbeit

In Kleingruppen präsentieren wir die zentralen Erkenntnisse des Projektes «Genderreflektierende Offene Jugendarbeit». Mit Fallbeispielen und Fachpersonen aus dem Projekt diskutieren wir die Dimensionen «pädagogische Intervention», «Kultur des Raumes» und «Beziehungsgestaltung» und laden dazu ein, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren.

Workshop 1B:  Patrizia Sutter, Sandra Schäfer (du-bist-du): Methoden zur Förderung der Akzeptanz von queeren Menschen

In diesem interaktiven Workshop lernen die Teilnehmenden  verschiedene gruppendynamische Sensibilisierungsmethoden kennen, mit denen die Akzeptanz von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans und/oder queeren Menschen gefördert, sowie Vorurteile und Stereotypen abgebaut werden können.

Workshop 1C: Michela Pezzini und Markus Soliva (OJA, Zürich): Chancengleichheit im Bereich Jugendkultur

Wie kann in der Jugendkultur Chancengleichheit ermöglicht werden, in Bezug auf Gender, Bildungshintergrund und Herkunft? Wie schaffen wir Plattformen, wo Jugendliche Events organisieren und sich (z.B. auf der Bühne) präsentieren und so weiterentwickeln können?

Workshop 1D: Andi Geu, Ron Halbright (NCBI): Respekt vor religiöser Vielfalt fördern: Muslim- und Judenfeindlichkeit gemeinsam überwinden

Im Dialogworkshop mit gemischt muslimisch-jüdischer Leitung erleben Teilnehmende Möglichkeiten, um Vorurteile und Konfliktthemen im Zusammenhang mit Religion und (Nicht-)Religiösität konstruktiv anzusprechen und Ideen für ein Transfer in die Jugendarbeit zu entwickeln. 

Workshop 2A: Mandy Abou Shoak (freie Trainerin, Zürich): Rassismus in der Offenen Jugendarbeit 

In diesem Workshop beschäftigen wir uns mit der rassistischen Gegenwart in der Schweiz. Was ist Rassismus? Wie kommt es, dass Rassismus fortwährend wirkt? Weshalb ist es so schwierig über Rassismus zu sprechen? Was hat Rassismus mit uns allen zu tun? Wie wirkt rassistische Diskriminierung in der Jugendarbeit?

Workshop 2B: Tara Koch (FG Plattform Mädchenarbeit DOJ): Antidiskriminierende Ansätze von Gender in der Offenen Jugendarbeit - Spannungsfeld zwischen Anspruch und Realität 

Anhand von Fallbeispielen aus der Praxis und unserer Sichtweise als Plattform Mädchen*arbeit wird durch eine interaktive Methode eine Diskussion ermöglicht zum Spannungsfeld eines möglichst diskriminierungsfreien Raums und der Realität in der OJA, wo Stereotypen und Diskriminierungen reproduziert werden, und wie mit diesem umgegangen werden kann.  

Workshop 2C: Einblicke in den aktuellen Fachdiskurs mit ...

 

Sebastian Rahn (Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart): Kindheit und Jugend als Differenzlinien – Kindheits- und Jugendbilder als konstitutives Element der Offenen Kinder- und Jugendarbeit?

Die für die OKJA konstitutiven Differenzierungen bestehen primär in der Identifizierung von «Kindern» und «Jugendlichen» als Zielgruppe des Arbeitsfelds, einhergehend mit bestimmten Vorstellungen davon, welche Rahmenbedingungen ein gelungenes Aufwachsen benötigt. Diesen Kindheits- und Jugendbildern der OKJA geht der Beitrag anhand empirischer Erkenntnisse nach.

Jennifer Hübner (Alice Solomon Hochschule, Berlin): Zwischen Anspruch, Wirklichkeit und Utopie. Wie offen ist die Offene Kinder- und Jugendarbeit? Ein ethnografischer Impuls.

Offenheit zählt zu den konstitutiven Prinzipen der OJA. Die Zusammenhänge und Paradoxien dieses normativen Anspruchs und den sich Feld performierenden Praktiken und rahmende Grenzlinien sind bislang ungeklärt. Der Vortrag greift dieses Dilemma auf und präsentiert erste Ergebnisse einer Studie zur Offenheit in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Dominik Bodmer (Fachhochschule Nordwestschweiz, Muttenz): Beziehungsgestaltung in der Offenen Jugendarbeit

Die Beziehungen zwischen Jugendlichen und Professionellen sind eine Schlüsselkategorie in der Offenen Jugendarbeit. Im Referat wird der Frage nach gegangen inwiefern die Beziehungen Möglichkeiten öffnen um Differenz als Ressource zu thematisieren oder als erlebte Stigmatisierung zu reflektieren.

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Abendveranstaltung mit Rahel el-Maawi: Rassismus ver.w.orten – rassismuskritisch denken und handeln 

Was heisst es, in einer rassistischen Gesellschaft aufzuwachsen? Was bedingt es an Widerstandskraft, Resilienz und Überlebensgeist?
Wir könnten in diesem Input ausschliesslich die Seite der «anderen», der Betroffenen, betrachten. Doch damit sich etwas ändert, werden wir die Seite betrachten, die oft schweigt und auswählen kann, ob mensch sich mit Rassismus beschäftigen will. Wie verlernen wir die rassialisierte hierarchische Sichtweise. Wie ist sie in unseren Strukturen eingebettet. Wie zeigt sich diese?

 

Zielpublikum sind alle an der Offenen Jugendarbeit Interessierte.

Ziel ist der fachliche Austausch über aktuelle Herausforderungen in der Offenen Jugendarbeit.

Gefragt werden soll dabei unter anderem:

  • Welche Differenzierungen sind für Jugendliche heute relevant?
  • Wie und von wem werden Auswirkungen (nicht) thematisiert oder problematisiert?
  • Hat die Offene Jugendarbeit Platz für alle – und will sie das?
  • Welche Differenzlinien sind in den strukturellen Rahmenbedingungen der Offenen Jugendarbeit eingeschrieben?
  • Müsste Offene Jugendarbeit möglicherweise neue zielgruppenspezifische Angebote entwickeln?

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