Solistendiplomkonzert Musik Klassik

Abschlusskonzert für den Master Specialized Music Performance Solist*in, die höchste Stufe der Schweizer Musikausbildung. Das Sinfonie Orchester Biel Solothurn wird von seinem Chefdirigenten Kaspar Zehnder geleitet. Die Solist*innen sind Valentin Cotton (Klavier), Olivera Ticevic (Sopran) und Alessandro Sica (Violoncello). Aufgeführt werden Werke von Maurice Ravel, Györgi Ligeti und Henri Dutilleux.

22.06.2019, 19.30 Uhr – Kongresshaus Biel

Teaser Solistendiplomkonzert

«Nicht die Haltung: ‹Das ist ja schon gesagt worden – was gibt’s denn Neues?› ist die richtige. Sondern: ‹Es ist bloß erst gesagt worden, jetzt kommt die Arbeit, es bis in seine Konsequenzen zu verstehen.›»

Anfang des 20. Jahrhunderts führten die Brüder Wittgenstein in solchen Worten Auseinandersetzungen darüber, was es bedeutet, Künstler*in zu sein. Ludwig, der Philosoph, und Paul, der herausragende Pianist, für den Maurice Ravel eines seiner Klavierkonzerte schrieb, fordern dabei Wahrhaftigkeit und Ernsthaftigkeit – auch wenn man es sich dadurch mit seiner Umwelt nicht immer leicht macht: «Naturgesetze kennen keine Ausnahmen, Kunsttheorien bestehen vor allem aus Ausnahmen». 
Drei Ausnahmekünstler*innen, die ihr Leben der Musik gewidmet haben, werden Sie in diesem Konzert mit drei Meisterwerken des 20. Jahrhunderts, ihren musikalischen Sprachspielen und ihren spielerischen Musiksprachen herausfordern. So ungewöhnlich die Stücke von Maurice Ravel, Henri Dutilleux und Györgi Ligeti erscheinen mögen, eines ist gewiss: Sie gehören nicht einfach in die Kategorie «was gibt’s Neues» sondern sind vielmehr Lebensaufgaben, denen sich Valentin Cotton, Alessandro Sica und Olivera Tičević, konsequent gewidmet haben. Dass sie damit ihr Studium in der höchsten musikalischen Ausbildungsstufe der Schweiz an der Hochschule der Künste Bern abschliessen, dass sie bei diesem Abenteuer vom Sinfonie Orchester Biel Solothurn und Kaspar Zehnder konsequent furchtlos und liebevoll begleitet werden und dass wir dieses Konzert im Palais des Congrès erleben können, ist in jedem Fall – im Falle des heiligen Ernstes so wie im Fall des gelösten Spieles – ein Grund zum Feiern.

Valentin Cotton, Klavier
Student der Klasse von Tomasz Herbut

Maurice Ravel (1875–1937)
Konzert G-Dur für Klavier und Orchester (1929/30)
Allegramente – Adagio assai – Presto

«Ravel ist ein faszinierender Komponist. Obwohl ich es erst kürzlich in mein Repertoire aufgenommen habe, fesselt mich sein Konzert in G-Dur seit meiner Jugend. Dieses Konzert ist nicht getrennt von seinem Schwesterwerk, das er für die linke Hand komponiert hat, zu betrachten. Ersteres ist funkelnd, fröhlich, aber empfindsam, während das zweite dunkel und intimer ist. Das Klavierkonzert in G-Dur komponierte Ravel in seinem letzten Lebensabschnitt. Für mich ist es eine grossartige Zusammenfassung seiner künstlerischen Genialität und seines kompositorischen Schaffens. In den drei Sätzen hören wir verschiedene Einflüsse, sowohl Jazz – damals die neue Musik der Zeit – als auch iberische Anklänge, aber stets mit Zurückhaltung und französischer Eleganz. Was mich zutiefst berührt, ist, wie uns Maurice Ravel zwischen all diesen euphorisierenden Champagnerbläschen mit dem zweiten Satz – dem Herzstück des Konzerts – in eine Stimmung hineingleiten lässt, in der die Zeit stehenzubleiben scheint. Wir haben den Eindruck, die Ravel’sche Intimität in all ihrer Magie zu durchdringen. Dieses Konzert wird für mich sehr gut durch ein Zitat des Ravelschülers Vlado Perlemuters über den Komponisten verbildlicht: ‹weder zu viel noch zu wenig›.»

Alessandro Sica, Violoncello
Student der Klasse von Antonio Meneses

Henri Dutilleux (1916–2013)
Tout un monde lointain, Konzert für Violoncello und Orchester (1970)
Énigme – Regard – Houles – Miroirs – Hymne

«Als ich das erste Mal Tout un monde lontain von Henri Dutilleux hörte, spürte ich eine starke Anziehungskraft, die von diesem Stück ausging. Ich habe die Musik jedoch nicht sofort verstanden und ich fühlte mich etwas konfus. Doch genau diese Konfusion zog mich magisch an; ich fing an, das Stück wiederholt zu hören und entdeckte mehr und mehr, wie fabelhaft konstruiert und dabei zugleich geheimnisvoll diese «ferne Welt» ist. Mit meinem Cello wollte ich mich selbst auf die Reise ins Unbekannte begeben. Da das Cellokonzert von Dutilleux nicht oft gespielt wird, kann ich mir keinen besseren Anlass als diesen vorstellen!»

Olivera Tičević, Soprano
Studentin der Klasse von Christian Hilz

György Ligeti (1923–2006)
Aus: Le Grand Macabre (1974–1977)
Text: Michel De Ghelderode – Mysteries of the Macabre, 3 Arien, eingerichtet für Sopran und Kammerorchester von Elgar Howarth (1991)

«Ich war inspiriert von den vielfältigen klanglichen Mischungen, die Ligeti in seinem Stück anwendet. Es ist eine grosse Herausforderung, Ligetis musikalische Sprache in ihrer stilistischen und harmonischen Komplexität zu erfassen. Auch Rhythmik und melodische Linien sind in einer spezifischen Orchestertextur unglaublich dicht angeordnet. Weil ich mit zeitgenössischer klassischer Musik viele verschiedene Erfahrungen gemacht habe, erachte ich dieses Werk als einen notwenigen Bestandteil meines Repertoires, es hat mir eine neue Ästhetik offenbart.»

Steckbrief

  • Startdatum 22.06.2019, 19.30 Uhr
  • Ort Kongresshaus Biel