Angewandte Interpretationsforschung

Das Forschungsfeld bezieht seine Fragestellungen aus der Verbindung von historischer Musikforschung und professioneller musikalischer Praxis.

Dabei ist nicht mehr der Notentext der Hauptgegenstand der Forschung, sondern die jeweilige klangliche Gestalt eines Textes oder Interpretationskonzeptes. Allein aufgrund der Quellenlage liegt der Schwerpunkt im Repertoire des späten 18. bis 20. Jahrhunderts und umfasst alle Bereiche von Vokal- und Instrumentalmusik bis hin zum Musiktheater und Probenprozessen. Interpretationsforschung fragt nach den Hintergründen und Entscheidungsprozessen, die in einem konkreten historischen und lokalen Kontext eine bestimmte musikalische Gestalt hervorbringen. Diese werden nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch untersucht. Dazu wurden verschiedene experimentelle Methoden entwickelt, für die musikpraktische Expertise unerlässlich ist, wie beispielsweise das «Embodiment» oder im Bereich der historischen Musikinstrumente das vermittelnde «Interface». Typischerweise fliessen die solcherart gefundenen Antworten unmittelbar in die Praxis zurück.

Kernkompetenzen

  • Quellenkritische Grundlagenforschung zur Interpretationsdokumenten (Notendrucke, annotiertes Aufführungsmaterial, instruktive Ausgaben, Notenrollen, Tonträger usw.
  • Anwendungsorientierte Forschung zur Interpretationspraxis des späten 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts
  • Forschung zu «user interfaces» bei historischen Musikinstrumenten
  • Repertoireforschung zu Instrumenten, Editionen und anderen schriftlichen Quellen

Laufende Projekte

Tuba Ergonomie - Der vermessene Tubaspieler

Die Ergonomie des Tubaspiels ist kaum erforscht. Bekannt sind jedoch Beschwerden, verursacht durch Belastungen, die dem Leistungssport vergleichbar sind. Das Projekt vermisst und digitalisiert erstmals das System Mensch-Tuba für unterschiedliche Tubamodelle und erfasst mittels Befragung typische Belastungsmuster.

Dies soll auf zwei Wegen geschehen:

  1. Tubist*innen (Profis und Amateure) werden zu Beschwerden und ihren präventiven Strategien befragt. Zudem werden Vorschläge zu ergonomischer Haltung und zu Prävention bis hin zu Optimierungen im Instrumentenbau erhoben.
  2. Auf Basis dieser Erkenntnisse wird das Tuba-Mensch-System im Labor biomechanisch vermessen – und zwar für unterschiedlich konstruierte Tuben.

Die Erkenntnisse sollen in der Folge als Basis dienen zu Innovationen im Tubabau wie auch zu Trainingssequenzen für Tubaspieler*innen. Diese departementübergreifende Zusammenarbeit von Musik und Gesundheit zur Musiker*innengesundheit kann erweitert und auf andere Musikinstrumente übertragen werden.

Integrative Listening - Eine historische Perspektive der Gehörbildung

Ziel des Projekts ist es, der Gehörbildung, wie sie heute in Musikkonservatorien im deutschsprachigen Raum als Teildisziplin der Musiktheorie unterrichtet wird, eine historisch informierte theoretische Grundlage zu geben. Ein neuer Bezugsrahmen für dieses Fach, das mit anderen Aspekten der musikalischen Ausbildung wesentlich stärker verknüpft wäre, wird allgemein als notwendig betrachtet und eine historisch informierte Perspektive wurde in den vergangenen Jahren in anderen Teilgebieten der Musiktheorie bereits erfolgreich angewendet.

Kontakt

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf! Wir informieren Sie gern über weitere Projekte aus dem Forschungsfeld und beantworten Ihre Fragen.

Hochschule der Künste Bern HKB
Forschung
FSP Interpretation
Betriebsassistenz: Sabine Jud
Fellerstrasse 11
CH-3027 Bern