Mehr Männer in der Pflege!

Männer im Pflegeberuf sind nach wie vor eine Seltenheit. In Zeiten des gravierenden Fachkräftemangels muss dieses Potenzial ausgeschöpft werden!

Pflege ist mehr als Man(n) denkt

Fakten

In Spitälern, Kliniken sowie Alters- und Pflegeheimen der Schweiz sind Pflegefachmänner nach wie vor eine Seltenheit. Im Jahr 2016 waren gemäss Bundesamt für Statistik BFS von 100 Pflegefachpersonen in Spitälern und Spezialkliniken nur 14 Männer.

Grafik: Prozentuales Verhältnis von Frauen und Männern in der Pflege

Pflege: Der Beruf mit Zukunft

Die Nachfrage nach Pflegefachpersonen in der Schweiz ist gross. Bis ins Jahr 2025 benötigt die Schweiz zusätzlich 40'000 Pflegefachpersonen. Die Pflege ist folglich auf männlichen Nachwuchs dringend angewiesen.

Grafik: Bedarf an Pflegefachpersonen Bild vergrössern
Abbildung: Quelle GDK & OdASanté 2016, Obsan 2016

Vollzeit statt Teilzeit

Männliche Pflegefachpersonen arbeiten öfters Vollzeit, wie die Darstellung des Bundesamts für Statistik BFS aus dem Jahr 2013 zeigt. Rund die Hälfte der Pflegefachmänner arbeitet Vollzeit. Ein  Drittel arbeitet zwischen 80 und 99 Prozent. Die Mehrheit der Pflegefachfrauen arbeitet gemäss BFS 40 bis 79 Prozent.

Grafik: Arbeitspensum Pflegefachpersonen Bild vergrössern
Abbildung: BFS 2015

Beruf

Professionelle Pflege fördert und erhält Gesundheit, beugt gesundheitlichen Schäden vor und unterstützt Menschen in der Behandlung und im Umgang mit Auswirkungen von Krankheiten und deren Therapien. Dies mit dem Ziel, für betreute Menschen die bestmöglichen Behandlungs- und Betreuungsergebnisse sowie die bestmögliche Lebensqualität in allen Phasen des Lebens bis zum Tod zu erreichen.
Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel, 2008

Berufsporträt Bachelor of Science in Pflege

Pflege richtet sich an Menschen in allen Lebensphasen: an Kranke und Gesunde, an Beeinträchtigte, Angehörige, Familien, andere Gruppen und Gemeinden. Sie berücksichtigt dabei physische, psychische, soziale, spirituelle, kulturelle, alters- und geschlechtsbezogene Aspekte sowie ethische Richtlinien. Professionelle Pflege umfasst Aufgaben

  • zur Gesundheitserhaltung und -förderung sowie zur Prävention
  • bei akuten Erkrankungen
  • während der Rekonvaleszenz (Genesungszeit) und Rehabilitation (Wiedereingliederung)
  • in der Langzeitpflege (z. B. in einem Alters- und Pflegeheim)
  • in der palliativen Betreuung

Pflegefachmänner bieten ein breites Angebot an Gesundheitsdienstleistungen an. Als Pflegefachmann gehen Sie gezielt auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige ein. Gemeinsam mit anderen Fachpersonen des Gesundheits- und Sozialwesens sind Sie für die professionelle Pflege von Menschen verantwortlich.
Pflegefachmänner nehmen während ihrer Arbeit verschiedene Rollen ein. Als Pflegefachmann sind Sie:

  • Experte in Pflege 
    Als Experte in Pflege führen Sie berufsspezifische Tätigkeiten aus und sind im Gesundheitsversorgungssystem verantwortlich, die fachliche Führung in Ihrem Berufsfeld zu übernehmen und entsprechende Entscheidungen zu treffen.
  • Kommunikator 
    Als Kommunikator ermöglichen Sie vertrauensvolle Beziehungen in Ihrem Umfeld und geben Informationen gezielt weiter.
  • Teamworker 
    Als Teamworker arbeiten Sie innerhalb eines interprofessionellen Teams, d. h. auch mit Fachpersonen aus anderen Gesundheitsberufen.
  • Manager
    Als Manager übernehmen Sie die fachliche Führung, tragen zur Effektivität der Organisation bei und entwickeln Ihre eigene Berufskarriere.
  • Health Advocate (Gesundheitsaktivist)
    Als Health Advocate stützen Sie sich verantwortungsvoll auf Ihre Expertise ab und nutzen Ihre Einflussmöglichkeiten, um die Gesundheit und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten sowie der Gesellschaft als Ganzes zu fördern.
  • Lernender und Lehrender
    Als Lernender und Lehrender engagieren Sie sich für die Entwicklung, Weitergabe und Anwendung von forschungsbasiertem Wissen sowie für ein lebenlanges Lernen, basierend auf einer reflektierten Praxis.
  • Professionsangehöriger
    Als Professionsangehöriger setzen Sie sich für die Gesundheit und Lebensqualität von Personen und der Gesellschaft ein. Sie verpflichten sich, ethisch zu handeln und Sorge zur eigenen Gesundheit zu tragen.
  • Akutspital
  • Psychiatrie
  • Alters-/Pflegeheim
  • Ambulatorium, ambulante Pflege
  • Spitalexterne Pflege (z. B. Spitex)
  • Gesundheitszentrum
  • Langzeitpflege
  • Prävention
  • Rehabilitation
  • Palliation/Hospiz
  • Schulgesundheitsdienst
  • Betriebliche Gesundheitsförderung
  • Gesundheitsberatung
  • Krankenversicherung
  • Ausbildung, Forschung
  • Politik, Verbandsarbeit

Studium + Karriere

Als Pflegefachmann mit einem Fachhochschulabschluss (Bachelor of Science in Pflege) erledigen Sie aussergewöhnliche, komplexe und anspruchsvolle Pflegeaufgaben und übernehmen die fachliche Führung in der Pflegepraxis. Sie planen, dokumentieren, analysieren und verbessern den Pflegeprozess. Dabei überprüfen Sie fortlaufend die Wirksamkeit und Effizienz von Pflegemassnahmen und passen diese falls nötig an. Dadurch gewährleisten Sie eine kontinuierliche Optimierung der Pflege. Ihre vielseitigen Kenntnisse befähigen Sie zudem zur Mitarbeit in Praxisprojekten und angewandten Forschungsprojekten, in der Qualitäts- und Konzeptentwicklung sowie im Betriebsmanagment (z. B. Personalmanagement, Budgetplanung und -überprüfung).

Dauer + Aufbau des Studiums

  • Das 3-jährige Vollzeitstudium umfasst 6 Semester, daran schliesst ein 10-monatiges Zusatzmodul in der Praxis an, das der Vertiefung der neuen Berufsrolle dient. Zwei Drittel des Studiums absolvieren die Sie im Unterricht, im restlichen Drittel leisten Sie studienbegleitende Praxisarbeit in Gesundheitsinstitutionen.
  • Das 4-jährige berufsbegleitende Studium umfasst 8 Semester. Sie arbeiten zu 50 Prozent als FaGe EFZ/FaBe EFZ in einem Praxisbetrieb, und besuchen an zwei Tagen pro Woche den Unterricht. Im 5. und 7. Semester machen Sie ein Praktikum in einem anderen Fachbereich.
  • Das 2-jährige berufsbegleitende Studium für dipl. Pflegefachpersonen ist modular aufgebaut. Als Studierender dieses Studiengangs nehmen Sie an 36 Tagen pro Semester am Unterricht teil, daneben arbeiten Sie in einem Praxisbetrieb.

Abschluss

Bachelor of Science BFH in Pflege (eidgenössisch und international anerkannt)

Voraussetzungen

  • Berufsmaturität, Fachmaturität oder gymnasiale Maturität
  • bestandene Eignungsabklärung
  • Vorpraktikum im Gesundheitswesen (kein Vorpraktikum absolvieren müssen Personen mit einem Abschluss als FaGe EFZ/FaBe EFZ sowie diplomierte Pflegefachpersonen)
  • gute Kenntnisse der Unterrichtssprache

Mit dem Bachelor-Diplom haben Sie die Möglichkeit, ein weiterführendes Master-Studium zu absolvieren. Dieses bietet die Voraussetzungen für eine akademische Laufbahn. Das Master-Studium vermittelt Ihnen vertiefte Fachkenntnisse in der klinischen Pflege sowie in deren Erforschung und Entwicklung.

Dauer

  • 1.5-jähriges Vollzeitstudium
  • ca. 3-jähriges Teilzeitstudium

Abschluss

Master of Science BFH in Pflege (eidgenössisch und international anerkannt)

Voraussetzungen

  • Bachelor of Science in Pflege
  • Diplomierte Pflegefachpersonen mit abgeschlossener, dem Bachelor of Science in Pflege äquivalenter Fortbildung
  • Diplomierte Pflegefachpersonen mit einem Master of Advanced Studies im Bereich Pflege

Daniel Koch, MScN, Pflegewissenschaftler und Fachexperte Pflege Onkologie am Kantonsspital Aarau

Das Doktorandenprogramm Gesundheits- und Pflegewissenschaft ist ein internationales Kooperationsprogramm der Universität Maastricht, Niederlande, der Medizinischen Universität Graz, Österreich und der Berner Fachhochschule BFH. Es befähigt Pflegefachpersonen mit Masterabschluss zum eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten auf hohem Niveau.

Auf Nachdiplomstufe (d. h. nach Abschluss der Ausbildung) können Sie sich in verschiedenen Tätigkeitsfeldern spezialisieren. Zum Beispiel:

Certificate of Advanced Studies (CAS)
 

  • Akut- und Notfallsituationen
  • Psychiatrische Pflege
  • Clinical Research Coordinator

usw.

Master of Advanced Studies (MAS)
 

  • Spezialisierte Pflege
  • Mental Health

Auch an zahlreichen Fortbildungen und Fachkursen können Sie Ihre erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten vertiefen.

Pflegefachmänner FH führen vielschichtige Pflegeaufgaben in unterschiedlichen Gesundheitsinstitutionen (z. B. Spitälern, psychiatrischen Kliniken, Pflegeheimen) aus. Ein Abschluss in Pflege eröffnet Ihnen unbegrenzte Möglichkeiten. Die Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten sind ebenso vielfältig wie die Pflegeaufgaben. Als erfahrener Pflegefachmann FH und durch Fort- und Weiterbildungen können Sie z. B. folgende Funktionen übernehmen:

  • Abteilungs- oder Stationsleiter
  • Bildungsverantwortlicher Pflege (z. B. Fördern und Qualifizieren von Studierenden und Lernenden in der Praxis, Beraten von Abteilungen in Ausbildungsfragen)
  • Lehrperson oder Dozent (z. B. Unterrichten an Fachmittelschulen, Berufsschulen, Fachhochschulen, Gestalten von Lehrplänen)
  • Pflegeexperte (z. B. Beraten der Pflegeleitung in komplexen Pflegesituationen, Entwickeln von neuen Pflegekonzepten, Vermitteln von neuen Kenntnissen).
  • Pflegewissenschaftler (z. B. Entwickeln, Einführen, Evaluieren von Pflegesystemen in Spitälern)
  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter (z. B. im Bereich der angewandten Forschung)

Porträts


Lukas Liechtis berufliche Wurzeln liegen im Handwerk – er ist gelernter Schreiner. Der Beruf des diplomierten Rettungssanitäters HF, in welchem er eine neue Herausforderung sah, verlangt ebenfalls nach geschickten Händen. Und: «In meinem Beruf bin ich stets die Schnittstelle zwischen den Patientinnen, Patienten und den Pflegefachpersonen», erläutert der Quereinsteiger. Folglich zeichnet er ein Bild der Pflege aus dieser ganz eigenen Perspektive:

Geschichten, die unter die Haut gehen

«Die Pflegefachpersonen leisten eine anspruchsvolle Arbeit», bekommt Lukas Liechti täglich mit. Herausfordernde Situationen mit Patientinnen und Patienten, deren Angehörigen. Geschichten, die unter die Haut gehen. Die Sinnhaftigkeit der Pflege, die sich letztlich aus der Dankbarkeit der Patientinnen und Patienten ergebe, könne er gut nachempfinden.

«Hut ab»

Dass der Pflegeberuf vielfältig ist, hat Lukas Liechti im Laufe seiner Ausbildung zum Rettungssanitäter, die er 2018 abschloss, selbst miterlebt: Er absolvierte mehrwöchige Praktika in der Spitex, auf Pflegeabteilungen, auf dem Notfall, auf der Intensivpflegestation und in der Anästhesie. Das Richten und Verabreichen von Medikamenten und die Patientenhygiene zählen ebenso zum Aufgabenspektrum einer Pflegefachperson wie das Meistern komplexer Pflegeprozesse und organisatorische Herausforderungen. «Letzteres läuft hinter den Kulissen ab. Laien bekommen oft gar nicht mit, dass Pflegefachpersonen auch rapportieren, die Krankengeschichte führen sowie Handlungen tätigen, die für einen reibungslosen Ablauf im Spital nötig sind. Sie bewegen sich hierfür stets in einem interprofessionellen Umfeld und Austausch.», konkretisiert der Rettungssanitäter sein Bild der Pflege.

«Ich ziehe den Hut vor so viel Verantwortung.»

Heterogenität im Team Aus Sicht der Patientinnen und Patienten, vermutet der 26-Jährige, spiele das Geschlecht der betreuenden Pflegefachperson kaum eine Rolle. «Ich erachte eine gewisse Heterogenität in einem Pflegeteam, sei es bezüglich des Geschlechts, des Alters oder des Berufsabschlusses als gewinnbringend.»

Porträt Geri Pfammatter Bild vergrössern

Interview mit Geri Pfammatter Mollet
Dipl. Pflegefachmann/IMC

Ihr Werdegang verlief nicht gradlinig: Welche beruflichen Stationen haben Sie durchlaufen, bevor Sie Pflegefachmann wurden?

Ursprünglich habe ich Elektromonteur gelernt, ohne jedoch auf dem Beruf zu arbeiten. Stattdessen ging ich nach Rom und war drei Jahre in der Schweizergarde. Danach bin ich viel gereist, nach England und in die USA. Zurück in der Schweiz war ich im Sicherheitsdienst der UNO und habe nebenbei die Matura nachgeholt. Anschliessend habe ich den Weg zum Pflegefachmann gefunden.

Welche Argumente haben Sie vom Beruf des Pflegefachmanns überzeugt?

In der Pflege habe ich die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten. Ausserdem ist Pflegefachmann ein sicherer Beruf. Denn: Pflege wird es immer brauchen. Für den Pflegeberuf hat mich schliesslich auch die Erfahrung als Patient inspiriert. Durch einen operativen Eingriff lernte ich den Spitalalltag und die Tätigkeiten der Pflegefachpersonen kennen. Als ich erfahren habe, dass Pflegefachpersonen auch im Ausland arbeiten können, hat mich dies vollends überzeugt.

In welchem Betrieb und in welcher Funktion arbeiten Sie heute?

Ich arbeite – bereits seit 23 Jahren – Teilzeit als Pflegefachmann auf der Intermediate Care Abteilung (IMC) der Herz- und Gefässchirurgie des Inselspitals Universitätsspital Bern. Daneben bin ich noch als Yoga-Lehrer tätig.

Welche Tätigkeiten führen Sie auf der Intermediate Care Abteilung (IMC) im Inselspital aus?

Ich betreue und pflege postoperative Patientinnen und Patienten. Das sind Patientinnen und Patienten, die einen operativen Eingriff hinter sich haben und deren Körperfunktionen überwacht werden müssen. Die Patientinnen und Patienten werden entweder direkt vom Operationssaal (nach grossen Gefässeingriffen) oder von der Intensivstation (nach Herzoperationen) auf die IMC verlegt. Dabei unterstütze ich medikamentös die Funktion der wichtigsten Organe wie Herz, Lungen Nieren usw. Zu meinen Aufgaben gehört auch, die Patientinnen und Patienten in ihren täglichen Bedürfnissen zu unterstützen: Körperpflege, Ausscheidung, Essen usw. Einmal pro Woche obliegt mir die Tageskoordination des Teams.

Was ist das Spannende an Ihrer Arbeit?

Häufig betreue ich multimorbide (mehrfacherkrankte) Patientinnen und Patienten, deren Diagnosen manchmal seitenlang und sehr umfassend sind. Ich werde in meinem Berufsalltag mit verschiedensten Krankheitsbildern konfrontiert, so dass kaum Routine aufkommt. Auch der Austausch im mehrsprachigen und kulturell heterogenen Team ist abwechslungsreich.

Welche weiteren Eigenheiten Ihres Berufs schätzen Sie?

Als Pflegefachmann arbeite ich eng mit anderen Menschen zusammen – mit Patientinnen, Patienten, deren Angehörigen und meinem Team. Ich erlebte schon manche intensive Begegnung. Und unbezahlbar sind das Vertrauen und die Dankbarkeit, die ich immer wieder von Patientinnen und Patienten erfahre.

Wie ist es, als Mann inmitten vieler Frauen zu arbeiten?

Ich empfinde mein Mitwirken im Team als förderlich für den Teamgeist, für die Energie im Team. Ebenfalls nehme ich wahr, dass meine weiblichen Teamkolleginnen es schätzen, dass ein männlicher Mitarbeiter in gewissen Situationen eine andere Perspektive hineinbringt. Nach grossen chirurgischen Eingriffen entwickeln Patientinnen und Patienten häufig ein Durchgangssyndrom (Verwirrtheit, Delir...). Dabei schätzen es meine Kolleginnen, wenn ich sie unterstütze kann. Die Anwesenheit beider Geschlechter erfahre ich als Ergänzung, die in der Hektik des Pflegealltags für Entspannung sorgt.

Was teilen Sie einem potenziellen Studierenden mit, der noch mit der Anmeldung zum Bachelor-Studium Pflege zögert?

Die Aufgaben in der Pflege sind vielfältig und der Beruf bietet viel Flexibilität. Gerade für Studierende, die gerne reisen, eine Familie haben oder andere Hobbies verfolgen, ist dies kostbar. Ausserdem ermöglichen die nötigen Kompetenzen und die Erfahrung selbstständiges Arbeiten. Ich rate Interessierten, in einem Spital zu schnuppern, so dass sie sich ein Bild von den Tätigkeiten machen können. Ausserdem bietet die Pflege viele Weiterbildungen zur fachlichen und persönlichen Entwicklung.

Die Entscheidung für den Pflegeberuf fällte André Nyffeler vor zehn Jahren intuitiv. Damals wie heute will er Menschen unterstützen – dies motivierte den jungen Mann dazu, die Ausbildung zum diplomierten Pflegefachmann anzutreten.

Gute Work-Life-Balance

Flexibilität im Beruf ist für André Nyffeler wichtig. Selten hatte er ein Stellenpensum von mehr als siebzig Prozent inne – seine Hobbies, nämlich Klettern, Skitouren und Bergsteigen stellen einen wichtigen Ausgleich zur Arbeit dar und sind zeitaufwändig. Dahingehend schätzt er die Schichtarbeit, die sein Beruf mit sich bringt. «Sie ermöglicht mir einerseits eine flexible Freizeitgestaltung, die in einem Nine-to-five-Job nicht zu realisieren wäre», nennt André Nyffeler einen Vorzug seines Berufs. Andererseits übernimmt er – beispielsweise während dem Nachtdienst – Verantwortung und hat mehr Entscheidungsspielraum. Für André Nyffeler, den ehemaligen Biologielaboranten, steht fest: Er hat mit «Pflegefachmann» den richtigen Berufsweg eingeschlagen.

Lernen on the job

Angesichts der einnehmenden Freizeitbeschäftigungen ist die pflegerische Weiterbildung während den letzten Jahren, wie er selbst sagt, «auf der Strecke geblieben». Aber stillgestanden ist André Nyffeler mitnichten: Sein Fachwissen vertieft und erweitert der Pflegefachmann laufend on the job im Spital Thun. So betreut er hier etwa die Studierenden während ihrer Praktika. Letzteres birgt für ihn einen besonderen Reiz: «Durch die Studierenden bin ich immer auf dem neusten Stand der Lehre.»

Neues Modell – neue Herausforderungen

Bis Ende März 2018 arbeitete André Nyffeler auf der gemischten Chirurgie im Spital Thun. Seit April arbeitet er in einem flexiblen Modell, in dem er je nach Bedarf monatsweise auf verschiedenen Stationen, vorwiegend in chirurgischen und medizinischen Fachgebieten, tätig ist. Bei Arbeitsantritt wisse er jeweils nicht, was ihn erwarte, und aus vermeintlichen Routinearbeiten können Situationen entstehen, in denen er schnell und richtig handeln müsse. «Aufgrund solcher Augenblicke bin ich gerne Pflegefachmann.»

Wertgeschätzt und respektiert

Als Mann in einem Beruf, der im Volksmund als «Frauenberuf» bezeichnet wird, fühlt sich André Nyffeler von allen Seiten wertgeschätzt und respektiert. «Ich schätze die verschiedenen Sichtweisen und die sachlichen Diskussionen über Probleme und Herausforderungen im Team» erzählt er und ergänzt: Ein gute, sich ergänzende Zusammensetzung des Teams fördere diese.

Barkeeper oder Pflegefachmann? – Diese beiden Berufe rangierten einst zuoberst auf Christoph Golz’ Liste der Traumberufe. So unterschiedlich sie auch sind – gemeinsam ist ihnen die Arbeit mit Menschen. Ein Glück, mag man aus heutiger Sicht sagen, hat sich Christoph Golz für Letzteren entschieden. Christoph Golz, der sein Abitur an der Deutschen Schule in Japan absolvierte, blickt bereits auf zahlreiche Stationen in der Welt der Pflege zurück. Er hat sich ein grosses pflegepraktisches und -wissenschaftliches Fundament erarbeitet. 

Nah an den Patientinnen, Patienten und ihren Angehörigen

2012 schloss Christoph Golz den Bachelor of Science in Pflege an der Berner Fachhochschule BFH ab. Während des Bachelorstudiums eignete er sich in Vorlesungen und in Praxiseinsätzen – vorzugsweise in der Akutgeriatrie – sowohl theoretische Kenntnisse als auch das notwendige Pflegehandwerk an. «Der enge Austausch mit den Patientinnen, Patienten und ihren Angehörigen bestärkten mich in meiner Berufswahl», sagt Christoph Golz. Als grössten Lohn habe er jeweils ihre Dankbarkeit empfunden. Überdies erwachte bereits während des Bachelorstudiums der Gefallen an der Wissenschaft. «Ich entdeckte, wie wichtig Pflegeforschung für die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung ist.»

Eine grosse Verantwortung

Heute verbindet Christoph Golz Pflegepraxis und Pflegewissenschaft. Er begann 2015 als wissenschaftlicher Assistent in der angewandten Forschung und Entwicklung Pflege an der BFH. Seit 2017, nach Abschluss des Master-Studiums Pflege ist er dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Im Projekt «Strategie gegen den Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen» nimmt der 28-Jährige die Funktion des Projektkoordinators ein. «Ich koordiniere das ‘Competence Network Health Workforce’, bestehend aus den verschiedenen Projektpartnern, Stakeholder und inter-/nationalen Expertinnen und Experten. Ausserdem mache ich, gemeinsam mit der Projektleitung, die Öffentlichkeitsarbeit», erläutert Christoph Golz. Er trägt damit eine grosse Verantwortung, denn im Forschungsprojekt arbeiten fünf Fachhochschulen Gesundheit aus verschiedenen Sprachregionen der Schweiz zusammen. Derweil wirkt er auch bei der Datenerhebung und -analyse in verschiedenen Projekten mit – beispielsweise bei der Entwicklung von wirksamen Massnahmen zur Reduktion von Arbeitsbelastung, «wodurch ich immer noch im Kontakt mit der Praxis bin».

«Einmal mein eigenes Forschungsprojekt durchführen»

Als Pflegeforscher hat Christoph Golz vorerst seine Berufung gefunden: «Zu sehen, dass die Erkenntnisse der Pflegeforschung in der Gesundheitsversorgung vieles bewirken können, motiviert ungemein.» Nichtsdestotrotz beschäftigt er sich auch mit der Zukunft. «Dass der Pflegeberuf noch ganz viele weitere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten bietet, vermittelt mir Sicherheit», äussert er. Aus aktueller Sicht reizt es ihn besonders, eine Dissertation abzuschliessen um «einmal mein eigenes Forschungsprojekt durchführen zu können».

Benjamin David Rapphold wuchs quasi in den Pflegeberuf hinein. Seine Mutter gründete im deutschen Münster eine Drogenentzugsstation. Als er neun Jahre alt war, erhielt sie von der Privatklinik in Meiringen das Angebot, auch dort eine solche Station aufzubauen. So kam die Familie in die Schweiz. Und der junge Benjamin war immer dabei, sass mit dem Pflegepersonal am Mittagstisch. Und wusste bald: Er wollte in seinem Berufsleben mit Menschen zu tun haben, sie unterstützen und weiterbringen. Dieser Wunsch erhärtete sich während eines Praktikums in der medizinischen Notfallabteilung am Spital Thun. Seine Ausbildung zum Pflegefachmann schloss er auf dem Diplomniveau 2 (DN2) ab, was der heutigen höheren Fachschule (HF) entspricht. 

Zwischen Hochschule und Gesundheitsversorgung

Der Wissensdurst, sagt er, sei damit aber noch längst nicht gestillt gewesen. Berufsbegleitend absolvierte er während zwei Jahren das Bachelorstudium in Pflege. Das anschliessende Studium Master of Science in Pflege schloss er mit einer grossen quantitativen Studie zum Thema Medikamentenfehler ab. Seit drei Jahren arbeitet Benjamin Rapphold als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Berner Fachhochschule Gesundheit, wo er auch im Bachelorstudium unterrichtet. Zudem ist er am Spital Thun als Pflegeexperte im Bereich Pflegentwicklung und -projekte tätig. Ende 2017 hat er an der Universität Bern den berufsbegleitenden Master of Medical Education mit einer mixed-methods Pilotstudie über ein neues Prüfungssystem erfolgreich abgeschlossen.

«Pflege als zukunftsträchtiger Beruf»

Der Pflegeberuf habe sich in den vergangenen Jahren markant entwickelt, erläutert Benjamin Rapphold, die Tätigkeiten reichten inzwischen von der reinen Pflege über betriebsökonomische Aufgaben bis hin zu klinischen Körperuntersuchungen: «Kein anderer Job bietet soviel berufliches Entwicklungspotenzial, wie es einem der Pflegeberuf ermöglicht.» Mit der entsprechenden Ausbildung sei es heutzutage möglich, dass Pflegefachpersonen bei Patientinnen und Patienten eine körperliche Untersuchung, das sogenannte «Clinical Assessment», durchführen. Diese Untersuchung beinhaltet zum Beispiel das Abhören der Lunge oder das Abtasten des Bauches, was die Behandlungsqualität im Gesundheitswesen deutlich verbessert und zukunftsweisend ist.

Schon jetzt nimmt die Schweiz bezüglich «Clinical Assessment» im deutschsprachigen Raum eine Vorreiterrolle ein. Benjamin Rapphold: «Die Pflege von heute ist eine starke, anspruchsvolle und zukunftsweisende eigenständige Profession. Das Bild von der Krankenschwester, die das Essen ausgibt und den Nachttopf leert, ist längst überholt.» Auch deshalb, folgert Rapphold, würden heute mehr Männer in den Pflegeberuf einsteigen, als dies früher noch der Fall war. Um dem Anspruch der Pflegeprofession gerecht zu werden, brauche es ein wissenschaftlich fundiertes und praxisorientiertes Studium, das sich am Puls der aktuellsten Entwicklungen im Gesundheitswesen bewege. Deswegen setzt Benjamin Rapphold in seiner Lehre unter anderem Virtual und Augmented Reality sowie E-Health-Elemente ein. Auch professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Mannequins werden hinzugezogen, um möglichst realitätsnahe Simulationen aus dem Gesundheitswesen abzubilden.

Gewinner des CS Award for Best Teaching 2018

Tactile, Auditory and Visual Test for Clinical Examination

Durch die Stimulierung verschiedener Sinne mit unterschiedlichen Darstellungen wird das breite Wissen, die Fertigkeiten und die Kompetenzen von klinischen Untersuchungen in einem Prüfungs-Parcours so geprüft, wie es gelehrt und gelernt wurde: taktil, auditiv und visuell.

Remon Wymann, Bachelor of Science BFH in Pflege, Privatklinik Wyss, Münchenbuchsee

Remo Wymann arbeitet als Pflegefachmann FH BSc mit Fachverantwortung auf einer stationären Abteilung in der Privatklinik Wyss, einer Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, in Münchenbuchsee BE. Zu seiner Tätigkeit gehört die Pflege und Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen aus dem ganzen Spektrum der psychischen Störungen. Zentral und spannend sind für ihn die Beziehungsgestaltung und die Arbeit mit Bezugspersonen: «Ich bin für mehrere Patientinnen und Patienten während des ganzen Aufenthalts für den Pflegeprozess verantwortlich» sagt er. Regelmässig bespricht Remo Wymann mit den Patientinnen und Patienten ihre individuelle Situation, den Pflegebedarf und die Massnahmen, die zur Erreichung der gesetzten Ziele geplant und umgesetzt werden können. 


Positive Erlebnisse der Arbeit direkt erleben

«Professionelle Pflege erfolgt in allen Phasen des Lebens und umfasst den gesamten Menschen und sein Umfeld. Dadurch sind der Beruf, die Tätigkeitsbereiche und die Entwicklungsmöglichkeiten als Pflegefachmann sehr vielfältig» beantwortet Remo Wymann die Frage, warum er in der Pflege arbeite. Er verbringt viel Zeit mit den Patientinnen und Patienten und begleitet sie nahe in ihrer persönlichen Lebenswelt. So unterstützt er sie bei der Bewältigung von Krisen und Erkrankungen, dem Wiedererlangen ihrer Selbstständigkeit und der Verbesserung ihrer Gesundheit. Remo Wymann erlebt die positiven Ergebnisse seiner Arbeit direkt; entsprechend gross ist seine Zufriedenheit. Wenn eine Patientin oder ein Patient nach einem mehrwöchigen Klinikaufenthalt sagt, wie hilfreich die Arbeit und Präsenz des Pflegeteams für sie oder ihn gewesen sei, berührte ihn das sehr.

Berufskollegen als Vorbilder

Remo Wymann arbeitet eng mit der Abteilungsleitung zusammen. Er führt Fallbesprechungen durch und gestaltet Sitzungen, an denen neuste Erkenntnisse aus der Pflegeforschung vorgestellt werden. In seinem Team arbeiten Pflegefachmänner und Pflegefachfrauen. Die Zusammenarbeit in gemischten Teams empfindet er als vielfältig und gewinnbringend – Teil eines reinen Männerteams oder der einzige Mann in einem Frauenteam zu sein, wünscht er sich nicht. Dadurch, dass in seinem Team mehrere Pflegefachmänner arbeiten, muss er sich beruflich nicht zusätzlich bewähren oder speziell beweisen. Persönlich schätzt er es, auch männliche Berufskollegen als Vorbilder zu haben.

Beruflicher Werdegang und Weiterbildung

Nach der gymnasialen Maturität und einem Vorpraktikum in einem Alters- und Pflegeheim begann Remo Wymann 2010 ein Vollzeitstudium zum Bachelor in Pflege an der Berner Fachhochschule BFH, das er 2014 abschloss. Sein Wissen in der Psychiatriepflege vertiefte er, indem er an der BFH berufsbegleitend das CAS «Psychiatrische Pflege» absolvierte. Nun strebt er den Abschluss zum Master of Advanced Studies in «Mental Health» an.

Projekte

Männer in der Langzeitpflege

Das Forschungsprojekt Männer in der Langzeitpflege (2014 bis 2016), durchgeführt vom Institut Alter der Berner Fachhochschule BFH, untersuchte, wie Bewohnerinnen und Bewohner, Pflegende und Ausbildungsinstitutionen mit der zahlenmässigen Untervertretung von Männern in der Langzeitpflege umgehen.

Global challenges!

Der Blick rund um den Globus zeigt: Auch in anderen Staaten sind Männer selten im Pflegeberuf anzutreffen. Die University of Dundee (Schottland) hat unlängst einen Aufruf unter #mendocare auf Twitter gestartet.

Die Roboter gefeite Zone

Pflegefachpersonen gehören zu derjenigen Berufsgruppe, die zwar mit der zunehmenden Digitalisierung und dem Vormarsch von Robotern eine Unterstützung erhält, jedoch nicht um ihre Arbeitsstelle fürchten muss, wie dieser Beitrag aufzeigt.

Pflegen und Karriere machen

Eine qualitative Studie untersuchte, aus welchem Grund sich Männer in den USA für ein Studium in Pflege entschieden. Als Beweggründe für ihre Studienwahl konnten einerseits der Wunsch andere zu pflegen und zu betreuen und andererseits die guten Karrieremöglichkeiten herauskristallisiert werden.

Hier finden Sie in alphabetischer Reihenfolge diverse Links zur Berufswahl, Aus- und Weiterbildung im Bereich Pflege, zu Verbänden und Stellenmärkten.