Ästhetische Praktiken nach Bologna

Architektur, Design und Kunst als epistemische Kulturen ‘in the making’

Steckbrief

  • Departement Hochschule der Künste Bern
  • Forschungsschwerpunkt Intermedialität
  • Forschungsfeld Kunstvermittlung
  • Förderorganisation Schweizerischer Nationalfonds, SNF
  • Laufzeit 01.05.2015 - 31.05.2016
  • Projektverantwortung Dietmar Eberle (ETH Zürich)
  • Projektleitung Priska Gisler
  • Projektmitarbeitende Monika Kurath (ETH Zürich)
    Elke Bippus (ZHdK)
    Monica Gspar (ZHdK)
    Jörg Huber
    Drilona Shehu
    Aline Seyfang-Maas
  • Mitwirkende Projektpartner Forschungsinstitutionen inkl. BFH ETH ZH: Eidgenössische Technische Hochschule
    ZHdK: Zürcher Hochschule der Künste

Die Untersuchung fokussiert die Herausbildung epistemischer Kulturen in Architektur, Design und Kunst. Sie fragt einerseits nach den ästhetischen Praktiken, verstanden als sprachliche und nicht-sprachliche Fähigkeiten, die Welt zu gestalten, die diesen Fächern zugrunde liegen. Andererseits sucht sie zu ergründen, welche Eigenheiten die Ausbildung dieser ästhetischen Praktiken genuin auszeichnen und wie sich diese – aufgrund verstärkter Forschungsansprüche und allfälliger Neuakzentuierungen im Hochschulsystem – verändert haben. Dem Verständnis der Ausbildung und Einübung ästhetischer Praktiken wird mittels einer ethnographischen Studie in den Fächern Architektur, Design und Kunst nachgegangen, und nach ihrem epistemologischen Potenzial in Zeiten verstärkter Akademisierungs- und Forschungsansprüche gefragt.

Ausgangslage

Ästhetische Praktiken, verstanden als sprachlich und nicht-sprachlich verfasste Fähigkeiten, die Welt zu gestalten und erfahrbar zu machen (Caduff et al. 2010), sind zentral für die Ausübung gestalterisch-künstlerischer Berufe und Tätigkeiten. Architektur, Design und Kunst werden in diesem Forschungsprojekt als Beispiele für Fächer in den Fokus genommen, für die die Ausbildung und Einübung ästhetischer Praktiken zu den Kernkompetenzen gehören. Inwiefern das Erlernen einer eigenen Entwurfspraxis, die Entwicklung eines künstlerischen Selbstverständnisses oder die Herausbildung einer eigenständigen Designhandschrift von den Diskursen über Forschungsansprüche, theoretische Konzepte oder Methodenkenntnisse heutzutage geprägt sind, wurde bisher nicht untersucht. Das Projekt zielt darauf ab, genauer und detaillierter zu verstehen, wie Hochschulen verschiedenen Zuschnitts die entsprechenden Fähigkeiten zu konturieren, zu trainieren und damit hervorzubringen suchen. Gefragt wird zudem, welche Grundlagen in Bezug auf ästhetische Praktiken in den genannten Fächern – angesichts gesellschaftlicher und politischer Tendenzen zu einer Akademisierung – herausgebildet werden.

Vorgehen

Die Bologna-Reform bzw. die dahinterliegenden Prozesse einer verstärkten Ökonomisierung, Medialisierung und Politisierung von Wissenschaft (Weingart 2001), auch als «new governance of science» (Maasen & Weingart 2006) bezeichnet, haben zu einer tiefgreifenden Reform des tertiären Bildungsbereiches in der Schweiz und weiteren europäi­schen Staaten geführt. Neben der Harmonisierung von Bildungsstufen (BA, MA und PhD) auf universitärer Ebene waren auch Ausbildungen an Fachhochschulen – und damit Fächer wie beispielsweise Architektur, Design und Kunst – betroffen. Aufgrund des öffentlichen Leistungsauftrags, zu dem auch die Forschung gehört, wurden diese Fächer vor die paradoxe Herausforderung gestellt, sich ohne langjährige genuine Forschungserfahrung als akademische Disziplinen zu institutionalisieren und eigene forschende Praktiken zu entwickeln. Die damit verbundene Forschungsorientierung, die wir hier als Akademisierung bezeichnen – bzw. in Anlehnung an Foucault (1978) als Forschungsdispositiv – und die Implikationen, die diese für die Einübung und Ausführung der ästhetischen Praktiken im Bereich künstlerisch-gestaltender Fächer bedeuten, sind Gegen­stand des Forschungsprojekts.

Lösung

Vor diesem Hintergrund wendet sich das geplante Projekt den Konsequenzen des Forschungsdispositivs bei der Ausbildung ästhetischer Praktiken an Schweizer Hochschulen in den Bereichen Architektur, Design und bildender Kunst zu. Ausgehend von Karin Knorr Cetinas (1999) Konzept der epistemischen Kulturen und mittels eines ethnographischen Vorgehens wird in diesem dreijährigen vergleichenden Projekt untersucht, ob und wie durch das Forschungsdispositiv neue disziplinspezifsche und variable Wissensproduktionsformen hervorgebracht werden.