Francesco Pollini und die frühe italienische Klaviertradition

Die frühe italienische Klavierschule steht in direktem Zusammenhang mit der klassischen Wiener Klaviertradition, wobei der Mozart-Schüler Francesco Pollini (1762–1846) das zentrale Bindeglied darstellt. Ein Überblick über Pollinis Werk ermöglicht es, seine Persönlichkeit im Kontext der beruflichen Strategien eines Musikers seiner Zeit zu positionieren: als Pädagoge, Komponist und Interpret. Die Rezeptionsgeschichte der frühen italienischen Klaviermusik wird dabei ebenso beleuchtet wie die Instrumente der Zeit und ihr Einfluss auf die örtliche Klaviertechnik.

Steckbrief

  • Departement Hochschule der Künste Bern
  • Forschungsschwerpunkt Interpretation
  • Forschungsfeld Angewandte Interpretationsforschung
  • Laufzeit (geplant) 01.03.2019 - 28.02.2022
  • Projektverantwortung Claudio Bacciagaluppi
  • Projektleitung Claudio Bacciagaluppi
  • Projektmitarbeitende Sara Andreacchio (Doktorandin GSA)
    Anselm Gerhard (Doktoratsbetreuer UniBe)
    Leonardo Miucci
  • Mitwirkende Projektpartner Forschungsinstitutionen inkl. BFH GSA: Graduate School of the Arts
    UniBe: Universität Bern
    Conservatorio di Musica «Giuseppe Verdi», Mailand
    Università degli Studi, Mailand
    Slovenska akademija znanosti in umetnosti, Ljubljana

Einführung

Einführung

In Italien gab es bereits im späten 18. Jahrhundert eine frühe Klavierschule, welche in direktem Zusammenhang mit der klassischen Wiener Klavierschule stand. In diesem Kontext spielte Francesco Pollini (1762–1846) eine vorrangige Rolle. Er wurde in Ljubljana geboren und war der einzige italienische Pianist seiner Zeit, der in den 1780er-Jahren bei Mozart in Wien studierte. Um 1792 zog er nach Mailand, wo er sich dauerhaft niederliess und – trotz wohlhabendem familiärem Hintergrund – als Lehrer und Komponist tätig war. Er schrieb eine einflussreiche Klaviermethode und eine Vielzahl von Klavierwerken, Kammer- und Vokalmusik.

Methoden

Ein Überblick über Pollinis Werk ermöglicht es, seine Persönlichkeit im Kontext der beruflichen Strategien eines Musikers seiner Zeit zu positionieren: als Pädagoge, Komponist und Interpret. Dazu wird die Rezeptionsgeschichte der frühen italienischen Klaviermusik erforscht, die in Italien lange vom zeitgenössischen Opernschaffen überschattet wurde. Weitere Forschungen gelten wichtigen biographischen Aspekten des Komponisten; angesichts der kürzlichen Entdeckung des Namens von Pollinis Ehefrau ist offensichtlich, dass in den bedeutenden Wiener Jahre von Pollinis Leben (1784–1792) noch viel zu entdecken bleibt. Organologische Untersuchungen spüren von Wien nach Mailand importierte Instrumente auf, die die musikalische Sprache von Pollini und seinen Zeitgenossen inspirierten. In einer Dissertation wird schliesslich die Klaviertechnik von Pollini analysiert, mit besonderem Schwerpunkt auf sein Opus 26, einen Zyklus von sechs Klaviersonaten, die unmittelbar nach der Veröffentlichung seiner Klaviermethode (1812) erschienen. Diese Forschung ist von grösster Bedeutung, da Pollini diese Sonaten explizit auf der Grundlage der in seiner Abhandlung erläuterten theoretischen Prinzipien komponiert hat. Kontextualisiert werden sie durch die Untersuchung zeitgenössischer italienischer Klaviersonaten (u.a. von Antonio Rolla, Bonifazio Asioli und Francesco Basili), die den Blick auf das Mailänder Musikleben der damaligen Zeit weiten.

Ergebnisse

Die Untersuchungen ermöglichen die konkrete Beschreibung der ästhetischen und pianistischen Vorstellungen, denen Pollinis Kompositionsprozess unterliegt. Ein Online-Themenkatalog von Pollinis Werken dient als Grundlage für weitere musikpraktische und wissenschaftliche Entdeckung des Komponisten. Geplant ist zudem eine kritische Ausgabe der drei bisher unveröffentlichten Sonaten aus op. 26 und als Weltpremiere eine Aufnahme der gesamten Sammlung.