Klebstoffgitter für die restauratorische Verklebung von Leinwandgemälden

Klebstoffgitter bezeichnen ein innovatives Klebesystem zur schonenden Hinterklebung von Leinwandgemälden. Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, Klebstoffgitter aus Proteinleimen, Methylcellulosen sowie Acrylaten zu produzieren. Anstatt der üblicherweise flüssigen Anwendung dieser Klebstoffe werden sie als feine, flexible Netze trocken platziert und mit Feuchtigkeit oder Lösemitteln aktiviert. So ist eine homogene Haftung möglich, ohne dass Klebstoff unkontrolliert in die Leinwand eindringt. Die Entwicklung von Anwendungsstrategien und die Prüfung der Klebeigenschaften werden im Projekt verfolgt.

Steckbrief

  • Departement Hochschule der Künste Bern
  • Forschungsschwerpunkt Materialität in Kunst und Kultur
  • Forschungsfeld -
  • Förderorganisation Innosuisse, Schweizerische Agentur für Innovationsförderung
  • Laufzeit (geplant) 01.10.2018 - 31.05.2020
  • Projektverantwortung Karolina Soppa
  • Projektleitung Karolina Soppa
  • Projektmitarbeitende Mona Konietzny
  • Mitwirkende Projektpartner Wirtschaft APM Technica AG, Heerbrugg
  • Mitwirkende Projektpartner Forschungsinstitutionen inkl. BFH BFH-Zentrum Arts in Context
    Hochschule für Bildende Künste Dresden
    Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA)
  • Mitwirkende Projektpartner Organisationen Schweizerisches Nationalmuseum, Sammlungszentrum, Affoltern am Albis

Einführung

Das Trägergewebe von Leinwandgemälden kann durch mechanische Belastung und Alterungsprozesse so fragil werden, dass ein Stütztextil hinterklebt werden muss. Für die Verklebung eignen sich unter konservatorischen Aspekten nur ausgewählte, alterungsstabile Klebstoffe wie wasserlösliche Methylcellulosen, Proteinleime (Störleim) und benzinlösliche Butylmethacrylate. Werden diese aber auf herkömmliche Weise als flüssige Lösung angewendet, dringen sie  unkontrolliert in die Leinwand ein. Das bedingt Verfärbungen und Versteifungen des Gewebes sowie Schäden im gesamten Gemäldegefüge, wie beispielsweise das Ablösen der Bildschicht. Der Einsatz von Klebstoffgittern kann solche Risiken minimieren, denn die Klebstoffe werden als Feststoff appliziert und erst dann mit wenig Feuchtigkeit, Lösemittel oder bei  Bedarf milder Wärme aktiviert. Die wabenförmige Gitterstruktur bietet eine optimale geometrische Verteilung von Haftpunkten auf einer Leinwand. Daraus resultiert eine gleichmässige, diffusionsoffene und, wenn erforderlich, leichter wieder lösbare Verklebung.

Methoden

Die ausgewählten Klebstoffe werden mittels teilautomatisierter Repliziertechnologien wie Stanz- und Rakelverfahren zu drei Klebstoffgittertypen verarbeitet. Analytische sowie optische Verfahren, darunter Infrarotspektroskopie und 3D-Digitalmikroskopie, unterstützen qualitätssichernd  die Herausstellung valabler Produktionsprozesse. Als Grundlage der praxisorientierten Anwendung werden Aktivierungs-verfahren evaluiert und in Verklebungen mit Klebstoffgittern an Leinwänden getestet. Dabei sind die Klebkraft und das Eindringverhalten des Klebstoffes in die Leinwand zu quantifizieren. Hierfür stehen neben Zugfestigkeitsprüfungen optische, analytische und gravimetrische Verfahren zur Verfügung.

Ergebnisse

Das Projekt bereitet den Weg für die kommerzielle Verfügbarkeit von drei gebrauchsfertigen Klebstoffgittertypen, die sich aufgrund ihrer Kleb- und Aktivierungseigenschaften für unterschiedliche Zielanwendungen entsprechend den Anforderungen eines Kunstwerkes eignen. Aus den Prüfergeb-nissen zu Zugfestigkeit und Eindringverhalten wird ein Leitfaden entwickelt, der Konservator*innen-Restaurator*innen Anhaltspunkte zur Auswahl der Klebstoffgitter und ihrer Anwendung für den praktischen Einsatz gibt. Die minimalinvasive, nachhaltige Klebetechnik leistet damit einen wertvollen  Beitrag zur Bewahrung der materiellen Authentizität von Leinwandgemälden und hat Potenzial, sich in Zukunft gleichermassen auf andere Kunst- und Kulturobjekte unterschiedlicher Materialität übertragen zu lassen.