Methoden der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater

Steckbrief

  • Departement Hochschule der Künste Bern
  • Forschungsschwerpunkt Intermedialität
  • Forschungsfeld Kunst als Forschung
  • Laufzeit 01.03.2014 - 30.11.2017
  • Projektverantwortung Thomas Strässle
  • Projektleitung Julia Kiesler
  • Projektmitarbeitende Priska Gisler
    Wolfram Heberle
    Claudia Rastetter
  • Mitwirkende Projektpartner Forschungsinstitutionen inkl. BFH BFH-Zentrum Arts in Context.

Ausgangslage

Der Umgang mit gesprochener Sprache hat sich auf der Bühne des zeitgenössischen Theaters grundlegend verändert. Texte werden chorisch gesprochen, simultan oder monologisch statt dialogisch gestaltet und sind nicht mehr unbedingt in die Repräsentation von Handlungen und in schauspielerische Vorgänge auf der Bühne eingebunden. Die Sprache
wird als gesprochene Sprache, als Stimmklang, als Rhythmus, als Melodie wahrnehmbar gemacht – und zwar sowohl in Inszenierungen klassischer Dramen als auch in postdramatischen Theatertexten, die Kategorien wie Figur, Dialog, Handlung, Raum- und Zeitgestaltung auflösen und folglich einen veränderten Umgang der SchauspielerInnen mit dem Text erfordern. Auf der Grundlage dieser Beobachtungen untersucht das Forschungsprojekt Ansätze der Textarbeit, die nicht primär einer Figurenpsychologie oder Semiotik folgen, sondern als phänomenologisch begriffen und beschrieben werden können.

Vorgehen

Den Untersuchungsgegenstand bilden fünf Probenprozesse ausgewählter RegisseurInnen. Dabei folgt die Auswahl zwei Kriterien: Einerseits bewegen sich die jeweiligen Regisseure im Feld neuer Darstellungs- und Sprechformen; andererseits soll für jeden Inszenierungsprozess der Fokus der Untersuchung auf einer spezifischen Thematik liegen. Erkenntnisse über den veränderten Umgang mit Texten im zeitgenössischen Theater sowie über die Entstehung von Sprechweisen werden durch die teilnehmende Beobachtung dieser Probenprozesse, durch auditiv-phonetische Analysen sowie durch die Befragung der Regis­seure und SchauspielerInnen in Form von Interviews gewonnen.

Lösung

Das Forschungsprojekt bewegt sich interdisziplinär zwischen Literaturwissenschaft, Sprechwissenschaft, Theaterwissenschaft und Theaterpraxis. Es orientiert sich an der bestehenden Theaterrealität und setzt die Anforderungen, die das zeitgenössische deutschsprachige Theater im Umgang mit gesprochener Sprache an SchauspielerInnen stellt, in Bezug zur Schauspielausbildung. Die Ergebnisse des Projektes fliessen direkt in die Theaterpraxis ein: in die Lehre und Ausbildung von Schauspiel- und Regiestudierenden sowie Studierenden der Sprechwissenschaft, die als zukünftige SprechbildnerInnen an Schauspielschulen und Theatern tätig sind. Somit wird die Erweiterung bestehender Lehrinhalte möglich. Das Projekt nimmt eine performative Perspektive ein, indem es nicht mehr allein Strukturen und Werke in den Blick nimmt, sondern auch Ereignisse sowie Prozesse der Produktion und Rezeption. Es leistet hierdurch einen wesentlichen Beitrag zum sich neu konstituierenden Forschungsfeld der Probenforschung.