Wartezeiten

Wartezeiten in Organisationen und künstlerische Intervention

Steckbrief

  • Departement Hochschule der Künste Bern
  • Forschungsschwerpunkt Kommunikationsdesign
  • Forschungsfeld
  • Förderorganisation Schweizerischer Nationalfonds, CORE
  • Laufzeit 01.05.2011 - 30.04.2013
  • Projektverantwortung Arne Scheuermann
  • Projektleitung Harald Klingemann
  • Projektmitarbeitende Kurt Läderach (Inselspital Bern)
    Minou Afzali
    Annekäthi Bischoff
    Vero Kern (veroprofumo)
    Eric Schmutz (Copa & Sordes)
    Simon Stähli
    Michel Winterberg
  • Mitwirkende Projektpartner Forschungsinstitutionen inkl. BFH gfs-zürich, Markt- & Sozialforschung
  • Mitwirkende Projektpartner öffentliche Hand Stadt Bern - Einwohnerdienste, Migration
    Fremdenpolizei, EMF
  • Mitwirkende Projektpartner Organisationen Inselspital Bern

Ausgangslage

Soziale Zeit und mechanische Uhrzeit sind unterschiedliche Konzepte, die uns allen aus dem Alltag vertraut sind, ohne dass wir darüber nachdenken. «Die Zeit» vergeht im Spital langsam, in den Ferien mit Windeseile. obgleich ein zunehmender Beschleunigungsdruck in der Gesellschaft konstatiert wird, leben wir gleichzeitig auch in einer Zeitverschwendungsgesellschaft, welche erhebliche volkswirtschaftliche Kosten verursacht. Aus einer interdisziplinären Perspektive greift das Projekt das Thema Wartemanagement in organisationen auf. Es ist damit an der Schnittstelle zum New Public Management angesiedelt, ein Konzept, das auch die Berücksichtigung der Konsumentenperspektive fordert. Gleichwohl werden allenfalls Anstrengungen unternommen, objektive Wartezeiten zu verkürzen und Wartende zu informieren, obgleich subjektives Zeiterleben und Armbanduhrzeit nur sehr bedingt zusammenhängen.

Vorgehen

Sozialwissenschaftliche Untersuchungen in Wartesituationen sind in der Regel auf wenige kontrollierbare Parameter ausgerichtet und verzichten auf experimentelle Raumtransformationen. Das interdisziplinäre Projekt geht neue Wege und untersucht den Einfluss von künstlerischen Interventionen in Warteräumen, die alle Sinne ansprechen, auf das Warteerleben der Kunden und des Personals. In einem Behörden- und einem Spitalkontext werden nach einer einwöchigen simultanen Baselinemessung der unveränderten Räumlichkeiten die jeweiligen Wartezonen anschliessend je eine Woche so umgestaltet, dass ein «hand-lungseinladendes» Raumklima entsteht, beziehungsweise ein «beobachtungsorientiertes» Raumklima realisiert wird. Beim ersten Interventionstyp kommen als Primärinterventionen spielerische Angebote zum Einsatz (Interaktive Luftblasensäule, iPad-Spiele und interaktive Warteschatten), welche kohärent unterstützt werden durch entsprechende Wandtextilverkleidungen, Bestuhlungen und Duftkulissen als Sekundärinterventionen. Beim zweiten Interventionstyp dienen Videostillleben und Stoffverkleidungen als Primärinterventionen.

Daten zur Wirkungsmessung werden bei den Wartenden über persönliche Kurzinterviews, medizinische Stressparameter und strukturierte Beobachtung erhoben. Diese quantitativen Daten finden Ergänzung durch qualitative Beobachtungen der Gesamtraumsituation und ausführliche Anschlussinterviews. Die Wertungen des Schalter- bzw. Empfangspersonals werden über tägliche Kurzbefragungen und rückblickende Gruppendiskussionen einbezogen. Schliesslich werden Geräuschpegel und Raumtemperaturdaten erfasst.

Lösung

Das Projekt befindet sich im März 2012 in der Vorbereitungsphase der Feldarbeit. In der Folge wird es um die weitere Analyse, die Einlösung des interdisziplinären Anspruchs und die Ausschöpfung des Potentials des Mixed-Method-Ansatzes gehen. Die Rezeption der Raumumgestaltung aus künstlerischer Sicht, sozialwissenschaftliche Perspektiven und Erfahrungen der Praxispartner werden in einer abschliessenden Konsensusveranstaltung zusammengeführt und erlauben die Überprüfung der Übertragbarkeit.