Die Kunst der Sorge

Das Leben von Menschen im vulnerablen Alter ist oft überschattet von Angst, Verletzlichkeit und der Angewiesenheit auf Andere. Hier sind Sorgeleistende besonders gefordert, Betroffene nicht zum Objekt von Behandlung und Versorgung zu machen, sondern sie in ihrem Menschsein zu befähigen.

Der Fachkurs:

  • richtet sich an Personen, die sich in der Sorgearbeit mit alten, verletzlichen Menschen und deren Angehörigen engagieren.
  • orientiert sich an einem Sorgeverständnis, das in ethisch bedeutsamen Herausforderungen versucht Fähigkeiten zu schaffen und Demütigung zu vermeiden.
  • betrachtet anhand eines lebensweltorientierten Ansatzes körperliche und geistig-psychische Fähigkeiten sowie soziale und lebensräumliche Ressourcen.
  • untersucht psychische Verletzlichkeit in der letzten Lebensphase und Faktoren einer hohen Lebensqualität.
  • bietet Formen der Selbstreflexion, um Beziehungsdynamiken und die Interaktionen mit Betroffenen und Bezugspersonen zu klären.
  • stellt die Strategie von Vertrauensnetzwerken vor, welche in der Sorgearbeit Zugänge zu den Lebenswelten älterer Menschen eröffnen.
Patina

Steckbrief

  • Titel/Abschluss Fachkursbestätigung
  • Dauer 6 Kurstage
  • Unterrichtstage Diverse
  • Anmeldefrist 15.12.2019
  • Anzahl ECTS Keine
  • Kosten CHF 2'200
  • Unterrichtssprache Deutsch
  • Studienort Bern
  • Departement Soziale Arbeit
  • Nächste Durchführung Januar bis März 2020
  • Broschüre

Weiterbildungsprogramm 2018 | 2019 Institut Alter

Inhalt + Aufbau

Portrait

Mit dem demografischen Wandel und dem medizinischen Fortschritt wird auch die Sorgearbeit im fragilen Alter länger und anspruchsvoller. Zeit-, Personal- und Finanzknappheiten führen leider oft dazu, dass sorgebedürftige alte Menschen in Ihrem Menschsein nicht geachtet werden. Sorgearbeit ist in dem Sinne Kunst, dass sie nicht standardisiert machbar ist. Sie erfordert eine sensible Haltung, die offen ist für die Feinheiten und Überraschungen menschlicher Verletzlichkeit. Auf dieser Grundlage können Freiheiten geschaffen, Fähigkeiten entwickelt und Demütigung vermieden werden.

Ausbildungsziel

  • Sie sind sich der ethischen Herausforderungen in Ihrer Sorgearbeit mit verletzlichen alten Menschen und ihren Bezugspersonen bewusst.
  • Sie können Rahmenbedingungen für eine Sorgekultur schaffen, welche es ermöglicht, Fähigkeiten und Freiheiten zu entwickeln und Demütigung zu vermeiden.
  • Sie sind hellhörig für die verschiedenen Quellen der Trauer im Alter und können das Gefühl der Dankbarkeit und der Würde als psychologische Faktoren für Wohlbefinden und Lebensqualität im verletzlichen Alter fördern.
  • Sie können mit Betroffenen persönliche Bedeutungsaspekte im Leben und die Frage nach einem selbstbestimmten Sterben ansprechen.
  • Sie können Vertrauensnetzwerke aufbauen, welche den Menschen Zugang zu Befähigungsangeboten in den Bereichen der Selbstbestimmung und Selbständigkeit ermöglichen.
  • Lebensweltorientierung in der Sorgearbeit
    Was braucht es, damit sich ein unterstützungsbedürftiger Mensch daheim fühlt, sei es in den eigenen vier Wänden oder in einer Altersinstitution?
  • Ethische Prämissen in der Sorgearbeit
    Von welchen Menschenbildern und Altersbildern lassen wir uns im Austausch mit älteren Menschen leiten, gerade wenn sich bei ihnen ein höheres Mass an Verletzlichkeit zeigt?
  • Psychische Verletzlichkeit – ein lebenslanges Thema
    Was sind die spezifischen Herausforderungen? Wie lassen sich die grossen individuellen Unterschiede bei deren Bewältigung erklären?
  • Sorgearbeit in der letzten Lebensphase
    Was kann dazu beitragen, dass Betroffene die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen mobilisieren können, autonom bleiben und sich sozial verbunden fühlen?
  • Die Kunst der Sorge als interaktiver Prozess
    Mit welchen gemeinsam entwickelten Formen kollektiver Selbstreflexion kann Sorgearbeit mit verletzlichen Menschen gewährleistet werden, so dass sie diese in ihrem Menschsein stärkt und nicht zum Objekt von Behandlung und Versorgung macht?
  • Fachliche und lebensweltliche Netzwerke überbrücken
    Wie können Vertrauenspersonen von sorgebedürftigen alten Menschen über eine Netzwerkstrategie mit Institutionen und Fachpersonen der Altersarbeit verbunden und so Zugänge zu den Lebenswelten der Betroffenen ermöglicht werden?

Unsere Lern- und Arbeitsformen betonen Praxisorientierung, Reflexion und die Integration von Fachwissen aus unterschiedlichen Disziplinen und Erfahrungszusammenhängen. Das Kontaktstudium wird ergänzt durch   praxisrelevante Übungen und Anwendungsaufgaben sowie den fachlichen Austausch in Gruppen.

Der Kompetenznachweis wird nur von den Teilnehmenden geleistet, welche einen CAS-Abschluss anstreben. Er besteht im Erstellen eines 6-8-seitigen Transferberichts (Theorie-Praxis-Transfer; Reflexion) zu den Inhalten des Fachkurses. Der Aufwand beträgt 60 Arbeitsstunden.

Titel + Abschluss

Dozentinnen und Dozenten

Änderungen vorbehalten

Bildungsleitlinien

Wir legen in unseren Weiterbildungsangeboten Wert auf den Austausch zwischen Professionen und Disziplinen, einen aktuellen Forschungsbezug und eine förderungsorientierte Bildungskultur. 

Altersrelevante Themen  

Im Institut Alter werden in bestehenden und neuen Handlungsfeldern Akzente gesetzt. Im Fokus der Weiterbildungen stehen Fragen der Lebensgestaltung im Alter, die sowohl aus der Perspektive des Individuums als auch aus der weiteren gesellschaftlichen und politischen Optik bearbeitet werden. Die Begriffe Alter und Altern beinhalten eine hohe Diversität der entsprechenden Lebensspanne. Altersrelevante Themen haben Bedeutung auch für andere Lebensphasen und -herausforderungen.

Weiterbildung an der Fachhochschule

Die Angebote des Instituts Alter haben eine interdisziplinäre und interprofessionelle Ausrichtung. Entsprechend richten sie sich auch an Zielgruppen unterschiedlicher beruflicher Herkunft. Es geht in der Hochschul-Weiterbildung um die Vermittlung vertiefender Fachkenntnisse, um das Erschliessen von grösseren Verständniszusammenhängen sowie die mehrperspektivische Bearbeitung von Themen mit hoher Praxisrelevanz.

Weiterbildung und Forschung

Im Institut Alter sind die Leistungsbereiche Weiterbildung und Forschung aufeinander bezogen; ein kontinuierlicher Austausch ermöglicht die Weiterentwicklung beider Bereiche. Im Rahmen von empirisch ausgerichteten Modul- oder Masterarbeiten profitieren die Weiterbildungsstudierenden vom Knowhow der angewandten gerontologischen Forschung, regen ihrerseits mit ihren Praxisthemen aber auch die Forschung an und tragen so in vielfältiger Weise zu den Forschungsaktivitäten und zum Forschungsfundus des Instituts Alter bei.

Weiterbildung im Kontext der grösseren Wissensgemeinschaft

Das Institut Alter der Berner Fachhochschule pflegt ein breites Netzwerk zu schweizerischen und internationalen Hochschulen, welche im Altersbereich eine bedeutsame Forschungs- und Bildungstradition haben sowie vergleichbare oder ergänzende Projekte bearbeiten. Durch den gezielten Einsatz von namhaften Dozierenden unterschiedlicher gerontologischer Traditionen und Ansätze, erhalten die Studierenden Zugang zu breitem und nachhaltig abgestützten Expertenwissen im Themenfeld Alter.

Bildung für die Praxis mit der Praxis

Um Lösungen für die aktuellen und zukünftigen gesellschaftlichen Probleme zu finden, braucht es Fachwissen einerseits sowie die Fähigkeit zur geeigneten Implementierung dieses Wissens in der Praxis andererseits. Das Institut Alter kann auf ein umfangreiches und bewährtes Netzwerk von Dozierenden zurückgreifen, welche den Anforderungen wissenschaftlicher und zugleich auch praktischer Expertise entsprechen. Sie bieten Gewähr dafür, dass das vermittelte Wissen in den Kontext der Berufs- und Lebenspraxis transferiert werden kann. 

Bildungskultur

Das Weiterbildungsstudium geschieht in einer förderungs- und unterstützungsorientierten Bildungskultur. Die Studienleitung steht begleitend und beratend zur Verfügung, so dass die Studierenden ihren individuellen Bildungsanliegen nachgehen können. Unter den Studierenden wird eine Zusammenarbeitskultur gefördert, die gemeinsame und individuelle Reflexion sowie die entsprechenden Such- und Findungsprozesse zulässt und unterstützt. Die Reflexion gerontologischer Themen und Inhalte geschieht bezogen auf das Handlungsfeld, aber ebenso auch auf das Altersbild und die eigene Person.

Voraussetzungen + Zulassung

Personen im Sozial-, Gesundheits-, Bildungs- und Beratungswesen sowie an Personen in der Freiwilligenarbeit, die mit unterstützungs-/pflegebedürftigen betagten Menschen und ihren Bezugspersonen (insbesondere Angehörigen) im ambulanten, intermediären oder stationären Bereich arbeiten oder zukünftig arbeiten möchten. Pflegende/betreuende Angehörige, die sich fundiert mit der Thematik auseinandersetzen und in diesem Arbeitsbereich engagieren möchten.

Bitte beachten Sie unsere Zulassungsbedingungen.


Berufliche Voraussetzungen

Erfahrungen in der Betreuungsarbeit mit alten Menschen und ein Praxisfeld in der ambulanten, stationären oder intermediären Altersarbeit oder im privaten Bereich während der ganzen Kursdauer.

Organisation + Anmeldung

14./15. Januar 2020
5./6. Februar 2020
26./27. März 2020

Jeweils 8.45 – 16.45 Uhr

15.12.2019

Studienort + Infrastruktur