Kulturstaub-Atlas

Das Projekt dient der Valorisierung des Staubs im Kunst- und Kulturbereich und versucht, sowohl sein ästhetisches Potential als auch seinen kulturellen und naturwissenschaftlich relevanten Informationsgehalt zu erfassen.

Factsheet

  • Lead department Bern University of the Arts
  • Institute Institute Materiality in Art and Culture 
  • Research unit Material analyses
    Teaching material competence in training and further education
  • Funding organisation Others
  • Duration 01.03.2011 - 31.03.2016
  • Project management Andreas Buder
  • Head of project Andreas Buder
  • Keywords Staub, Mikroskopie

Situation

Der sprichwörtlichen Staubschicht in, auf und um Kunst und Kulturgut wohnt wohl mehr Information inne, als nur die einer scheinbaren Vernachlässigung des verstaubten oder schlecht vor Staub geschützten Objektes. Das Projekt will deswegen dem faktischen, semantischen, ästhetischen und auch poetischen Gehalt des Kulturstaubs nachgehen. Hauptfrage ist: Wie lässt sich der Informationsgehalt, den Staub an oder um Kulturgut hat, adäquat dokumentieren, beproben und analysieren, z. B. in Hinsicht auf die Staubproduktion des Kulturbetriebes selbst (Ausstellungen, Installationen, Performances, etc.) sowie als Beleg der Wechselwirkung mit seiner Umgebung?

Course of action

Eine kurze Literaturübersicht weist schon deutlich auf eine vergleichsweise frühe Beschäftigung mit dem Thema Staub hin. Wie bei anderen (Natur-)Phänomenen auch, geht dieses Interesse mit den Möglichkeiten und der Entwicklung der Mikroskopie einher. Die sehr weitgreifende Thematik wird jedoch vorgestellt, eingegrenzt und präzisiert durch Begriffsdefinitionen in etymologischer, kulturgeschichtlicher sowie naturwissenschaftlich-technischer Hinsicht einerseits und durch Exkurse in die Bereiche Kunsttechnologie und Bildende Kunst (Stäube und Pulver als Künstlermaterial) sowie Konservierungsethik andererseits. Exemplarisch sollen Kulturstäube entnommen und durch unterschiedliche, moderne mikroskopische Verfahren charakterisiert werden. Dabei kann die Entwicklung geeigneter Gerätschaften erforderlich sein, wie auch versucht werden soll, allenfalls bestehende Staubstratigraphien zu erfassen. Dazu soll eine für Kulturgut angemessene Beschreibungs- und Identifikationssystematik für Staubproben erstellt werden. Durch Korrelation der Befunde mit der dokumentierten oder der extrapolierbaren Objektgeschichte sollen dessen potentielle Bedeutungen ermittelt und auch ästhetisch ansprechend in Text und Bild dokumentiert werden.

Result

Resultat des Projektes soll ein «Kulturstaubatlas» sein, der beim weiteren Umgang mit Kulturstäuben nutzbar ist. Einer einführenden Darstellung, die Staub als wesentliches kulturhistorisches Element in verschiedenen Textbeiträgen würdigt, folgt in Form einer exemplarischen Sammlung ein auch formal auf Kulturgut zugeschnittener «Kulturstaubatlas»-Teil, der die Informationsmöglichkeiten und ästhetischen Qualitäten von Staub anhand geeigneter Medien (z. B. 3D-Mikrographien) zusammenstellt. Auf dieser Basis soll an ausgewählten Fallstudien (vom kulturell bedeutsamen Buch zum historischen Musikinstrument, vom Sammlungsdepot zur Staubablagerung auf Architekturteilen etc.) der Versuch einer Valorisierung von Kulturstaub unternommen werden, z. B. indem das bislang weitgehend ungenutzte Informations- und auch ästhetische Potential von Staubschichten an Kulturgut nachvollziehbar dargestellt wird und auch neue Argumentationsansätze und -grundlagen bieten kann für die Konservierung-Restaurierung oder für eine allfällige Erhaltung von Staubschichten.