REFPER - Reproduktive Gesundheit. Die Perspektive geflüchteter Frauen

Für Frauen mit Fluchtbiografie bestehen in der Schweiz Versorgungslücken in der perinatalen Gesundheit. In unserem Projekt setzen wir uns mit der Sichtweise der Betroffenen auseinander und befragen ihre Bedürfnisse und Erfahrungen.

Factsheet

Situation

Die Studie REFUGEE der Berner Fachhochschule hat für geflüchtete Frauen in der Schweiz diverse zentrale Zugangsbarrieren zur perinatalen Gesundheitsversorgung identifiziert. Neben dem Abbau von strukturellen Hürden stellt sich die Frage, wie man die Gesundheitsversorgung besser auf die Bedürfnisse dieser Frauen ausrichten kann. Um bedarfsgerechte Ansätze zu entwickeln, ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Sichtweise der Betroffenen angesagt. In unserer Studie REFPER wollen wir die Perspektive von geflüchteten Frauen in der Schweiz in ihren Erfahrungen im Zugang zur Familienplanung und Verhütung erheben. Im Zentrum stehen die individuellen Bedürfnisse dieser Frauen, welche durch ihren lebensbiographischen Kontext und entsprechenden Wissensressourcen geprägt sind. In einer qualitativen Studie untersuchen wir a) welche Bedeutungen geflüchtete Frauen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit zuschreiben, b) welche Bedürfnisse sie im Besonderen bezüglich Familienplanung und Verhütungsfragen haben und c) welche Erfahrungen sie diesbezüglich im schweizerischen Gesundheitssystem machen.

Course of action

Aufgrund der Erforschung einer hard-to-reach Gruppe und der sensitiven Fragestellungen rund um Familienplanung und Verhütung wurde 2021 ein mehrmonatiges Pilotprojekt durchgeführt. Dabei wurden Erfahrungen in der Datenerhebung reflektiert und die konkrete Machbarkeit der Forschung geprüft. Im Fokus standen der Zugang zum Feld und die Möglichkeiten der qualitativen Datenerhebung bei geflüchteten Frauen. Es standen Fragen der Umsetzung im Raum: Wie finden wir zur Zielgruppe? Welches Setting brauchen wir in den Interviews? Werden geflüchtete Frauen über die Themen sprechen wollen? Trotz erschwerter Bedingungen aufgrund der pandemischen Lage war es möglich, während der Pilotphase 5 Einzelinterviews durchzuführen. Die methodologischen Reflexionen und Ergebnisse liegen in einem Bericht vor und beinhalten eine positive Einschätzung der Durchführbarkeit der Forschung. Für die Hauptstudie sind 12 bis 15 semistrukturierte Interviews mit arabischsprechenden Frauen geplant. Die interkulturelle Dolmetscherin nimmt dabei eine erweiterte Rolle als Teammitarbeiterin ein. Diese Vorgehensweise erlaubt es, ihr spezifisches Wissen in den Forschungsprozess zu integrieren und sichtbar zu machen. Weiter wird auch eine Begleitgruppe von geflüchteten Frauen aus unterschiedlichen Herkunftsländern in partizipativen Workshops die Analysearbeit begleiten. Die Datenanalyse wird mit MaxQda durchgeführt und nach dem Ansatz der Thematischen Analyse (Clark & Braun) induktiv kodiert und analysiert.