NFP76 Fürsorge und Zwang

​Unser Projekt erforscht die Auswirkungen der Fremdplatzierungen, welche vor 1981 administrativ versorgte Menschen erleiden mussten, auf ihre Kinder. Dazu gehören bspw. Bindungsabbrüche, Gewalt, Missbrauch und Stigmatisierung.

Fiche signalétique

Situation

Aus der Biographie- und Traumaforschung ist bekannt, dass Erlebnisse wie Krieg, Flucht und Gewalt nicht nur die direkt betroffenen Menschen ein Leben lang begleiten, sondern auch die nachfolgenden Generationen. Sowohl im Kontext Familie als auch auf gesellschaftlicher Ebene finden spezifische intergenerationale Umgangsweisen mit diesen Traumata statt. Im Bereich der administrativen Zwangsverordnung liegen zu diesen intergenerationalen Zusammenhängen noch kaum wissenschaftliche Erkenntnisse vor. Im Zentrum des Projekts stehen drei Fragen: ​​ Auf welche Art und Weise haben sich Folgen der administrativen Versorgung für die Zweitgeneration manifestiert? Welche transgenerationellen Bewältigungsstrategien und Ressourcen lassen sich rekonstruieren? Wie lassen sich die empirischen Ergebnisse auf die Gegenwart und Zukunft nutzbar machen? Die Erkenntnisse sind sowohl für die betroffenen Familien relevant, aber auch für die Weiterentwicklung von Fremdplatzierungsprozessen in der Gegenwart.

Approche

Wir führen biographische Interviews mit Angehörigen der Zweitgeneration und kontextualisieren sie durch bestehendes Wissen zu den direkt betroffenen Menschen. Von nach 1981 mehrheitlich in Institutionen aufgewachsenen Personen möchten wir abschliessend erfahren, in welcher Art und Weise unsere Erkenntnisse für die Gegenwart und Zukunft genutzt werden können. Unser Projekt verfolgt sowohl einen retrospektiven und rehabilitativen, als auch prospektiven und präventiven Fokus. Wir leisten einen Beitrag zum nationalen und internationalen Wissenschaftsdiskurs. Wichtig ist uns aber insbesondere, den Biographien der betroffenen Familien Gehör zu verschaffen. Zudem erarbeiten wir Erkenntnisse zu Langzeiteffekten angeordneter Platzierungen, welche sowohl in die Weiterentwicklung des Kindesschutzes und der Hilfen zur Erziehung einfliessen können.​