Komponieren aus dem Stegreif

Das Forschungsprojekt untersucht, wie improvisatorische Fertigkeiten in der pianistischen Ausbildung des 19. Jahrhunderts mit Fokus auf dem deutschsprachigen Raum vermittelt bzw. erlernt wurden.

Fiche signalétique

  • Départements participants Haute école des arts de Berne
  • Institut(s) Institut Interprétation
  • Unité(s) de recherche Théorie musicale
  • Organisation d'encouragement FNS
  • Durée (prévue) 01.02.2026 - 31.01.2030
  • Direction du projet Stephan Zirwes
  • Équipe du projet Giovanni Michelini
    Georg Thoma
    Prof. Dr. Immanuel Ott
    Birger Petersen
  • Mots-clés Improvisation, Klavier, Klavierschule, Vermittlung, Musiktheorie, Lehrbuch, 19. Jahrhundert, Wieck, Schumann

Situation

Was heute vor allem mit Jazz verbunden wird, war einst fester Bestandteil der gesamten Musikpraxis: die Improvisation. Im frühen 19. Jahrhundert begeisterten Pianist*innen ihr Publikum nicht nur mit komponierten Werken, sondern auch mit aus dem Moment heraus erfundenen Improvisationen – oft spontan, manchmal sogar auf Zuruf aus dem Publikum. Das Klavier, damals das beliebteste Instrument, war mit seinem grossen Tonumfang und seinem klanglichen Reichtum ideal für diese Form des musikalischen Ausdrucks.

Approche

Das Forschungsprojekt widmet sich der Frage, wie diese Kunst des Improvisierens am Klavier im frühen 19. Jahrhundert erlernt und gelehrt wurde. Es analysiert historische Lehrbücher sowie komponierte Fantasien, Etüden und Präludien, um zu verstehen, wie technische und kreative Fähigkeiten vermittelt wurden – und wie Improvisation, Komposition und Interpretation miteinander verbunden waren. Neben einer Basisstudie, in der das umfangreiche Quellenmaterial analysiert wird, fokussiert sich das Projekt auf zwei Fallstudien: Die erste untersucht Clara Wieck, eine der bedeutendsten Pianistinnen ihrer Zeit, und ihren Vater und Lehrer Friedrich Wieck. Sie zeigt, wie Improvisation, Übepraxis und Unterricht zusammenhingen. Die zweite Studie widmet sich Robert Schumann, ebenfalls ein Schüler Wiecks, und beleuchtet das Wechselspiel zwischen Improvisation und Komposition in seinem Werk.

Résultat

Das Projekt rekonstruiert die Vermittlung improvisatorischer Fertigkeiten, schliesst eine Forschungslücke und liefert zugleich Impulse für die heutige Musikpraxis. In einer Zeit perfektionierter Studioaufnahmen kann improvisierte Musik – inspiriert von der Konzertkultur des 19. Jahrhunderts – neue Lebendigkeit und Spontaneität auf die Bühne bringen.

Ce projet contribue aux objectifs de développement durable suivants

  • 4: Accès à une éducation de qualité
  • 5: Égalité entre les sexes