SKENA UP 2013 international Students Film & Theater Festival

SKENA UP 2013 international Students Film & Theater Festival

Vom 5. - 11. Dezember fand in Prishtina / Kosovo das 10. internationale Theater- und Filmfestival für Studierende statt. Die Hochschule der Künste Bern war mit dem Studierendenprojekt «Seven Days of Ugliness» eingeladen, das zuvor schon am Theater Basel und am Zürcher Theaterspektakel gezeigt werden konnte. Dank der finanziellen Unterstützung seitens des BFH International Office und der Schweizer Botschaft in Prishtina konnte die Einladung wahrgenommen werden.

 

Flughafen Prishtina, Sonntag 8.Dezember, 08.30 Uhr! 

Wir werden von zwei freundlichen und umtriebigen Studentinnen abgeholt. Unser erstes Ziel ist das Grandhotel Prishtina mitten im Zentrum. Ein imposantes Gebäude aus den sechziger Jahren. Das Hotel hat einen eigenen Charme. Nicht zuletzt wegen der winterlichen Temperaturen erinnert die Atmosphäre im Gebäude an Stanley Kubrik’s Film The Shining. Nur die Hotelzimmer sind etwas geheizt. In der eisigen Lobby arbeiten die Rezeptionistinnen unverdrossen freundlich und zuvorkommend. Wie schaffen sie das nur?

 

Keine Zeit zum Ausruhen.

Unsere beiden Helferinnen drängen zum Aufbruch. Sie möchten uns sämtliche Spielorte und Treffpunkte des Festivals zeigen. Das hat, wie wir später bemerken, seinen guten Grund: es gibt weder einen Stadtplan noch sind die Strassen mit Namen angeschrieben.

 

Unser erster Vorstellungsbesuch am Abend.

Das Stück «Femrat», eine Abschlussproduktion der hiesigen Schauspielschule, wird uns von den Helferinnen ausdrücklich ans Herz gelegt. Es handelt von Frauenschicksalen aus vier Generationen. Drei Frauen spielen - von der Großmutter über die moderne junge Frau bis hin zum Kleinkind - sechzig Jahre gelebtes Frauenleben im Kosovo! Obwohl wir nichts verstehen - sie sprechen albanisch - ist eine kritische Auseinandersetzung mit ihrer Rolle als Frau unverkennbar. Die Aufführung bietet reichlich Stoff für Diskussionen. Das zeitgenössische, deutschsprachige Theaterverständnis unterscheidet sich stark von dem in Osteuropa praktizierten Theater. Dort ist die Theaterauffassung noch stark traditionell geprägt und richtet sich in primär nach den Schauspieltheorien des russischen Schauspielers, Regisseurs und Theoretikers Konstantin Sergejewitsch Stanislawski.

 

Die After-Partys.

Sie finden jeweils nach der letzten Vorstellung in verschiedenen Bars mit Live-Musik statt. Nebst den Film - und Theateraufführungen bilden sie das Herz des Festivals. Hier treffen sich alle, die FestivalmacherInnen, die Volunteers, die internationalen TeilnehmerInnen und die Jury. Es wird gefeiert, diskutiert und das Wichtigste: es werden Kontakte geknüpft.


Tag der Vorstellung, Montag 9.Dezember.

Um 12h richten wir mit Hilfe eines Technikers des Nationaltheaters die Bühne ein. Ein schwieriges Unterfangen, denn der uns zugeteilte Spielort ist keine Bühne sondern ein ehemaliger Ballettsaal. Dieser Raum verfügt über keine bühnentaugliche Infrastruktur: fünf alte Scheinwerfer, zu kurze, gefährliche Verlängerungskabel und einige kaputte Steckdosen liegen vor. Der Boden ist mit einem zerschlissenen Spannteppich belegt und für die Zuschauer stehen einige zusammengewürfelte Sitzgelegenheiten zur Verfügung. Diese Voraussetzungen sind für eine bühnengerechte Ausstattung, wie wir sie gewohnt sind, nahezu unbrauchbar. Die Situation erweist sich jedoch als willkommene und interessante Herausforderung. In diesem Kontext kommt dem Stück eine neue und konkrete Bedeutungsebene zu.


Lampenfieber und warten bis es endlich losgeht.

Endlich, nach einer kurzen Begrüssung des Schweizer Botschafters und einem eilig eingeschobenen Interview für das kosovarische Fernsehen, kann die Vorstellung beginnen. Der Ballettsaal ist brechend voll, die alten Scheinwerfer brennen noch und die maroden Steckdosen und Kabel halten durch - die Aufführung wird zu einem magischen Moment. Ein Ereignis, das Theaterschaffende stets herbeisehnen - das aber nur selten eintritt. Während diesem einzigartigen Moment vereinigen sich Bühnengeschehen und Zuschauer, die Hierarchie der unterschiedlichen Wirklichkeiten wird aufgelöst. Die Thematik unseres Stücks hat für dieses Publikum einen hohen Identifikationsfaktor. Die Vorstellung löst denn auch ein überwältigendes Echo aus. Nach einem langen anhaltenden Applaus kommen die Zuschauer auf uns zu, umarmen und gratulieren uns. Manche mit Tränen in den Augen. Die folgenden Tage vergehen wie im Rausch. Wir werden wie Könige behandelt.


Der letzte Tag und die Preisverleihung.

Sie findet in hochoffiziellem Rahmen im grossen Studio des Fernsehens statt. Die Oscar-Verleihung kennen wir bislang nur aus den Medien. Hier wird sie Wirklichkeit. Und - wir gewinnen den Hauptpreis «Best Theater Performance», obendrein wird Suramira Vos mit dem «Ariana Award for Best Actress» ausgezeichnet. Die Freude ist nun auf unserer Seite.


Das Fazit.

Wir hatten die Gelegenheit an einem für uns aussergewöhnlichen Festival teilzunehmen. Wir haben die herzliche Gastfreundschaft der Kosovaren erfahren dürfen. Der Austausch zwischen den Studierenden der verschiedenen Nationen, Kosovo, Serbien, Montenegro, Bosnien, Kroatien, Dänemark, Italien, USA, China, Japan, Hongkong, Taiwan und dem Iran war intensiv und sehr anregend. Die Begegnungen der jungen angehenden Theaterschaffenden waren lebendig, herausfordernd, wohlwollend und von grosser Neugierde geprägt. Es herrschte eine flirrende, energiegeladene, eine nach Verwirklichung drängende Atmosphäre. Die unkomplizierte und lebhafte Art wie junge Theater- Film und Kunstschaffende aus verschiedenen Kulturen aufeinander zu gehen, miteinander diskutieren, streiten, Pläne schmieden, hinterlässt einen bleibenden und hoffnungsvollen Eindruck. Besonders in einem kriegsversehrten Land wie Kosovo.


Im Namen aller Projektbeteiligten möchte ich mich bei den FestivalmacherInnen, den Volunteers und all jenen bedanken, die diese Begegnungen ermöglicht haben. Kunst kennt keine Grenzen, Kunst verbindet.

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Autorin

Manuela Trapp

Dozentin für Darstellung, Hochschule der Künste Bern

 

 

Projekt: Seven Days of Ugliness

Sie wollen es schaffen, wollen Ruhm und Glanz. Sie wollen zu den Besten gehören und beschliessen an der kommenden New York Fashion Week auf dem Laufsteg zu gehen. Doch es kommt anders als man denkt... Die Sehnsucht nach Erfolg ruft Monströses hervor...

 

Mit: Rahel Jankowski / Maximilian Reichert / Cecilia Steiner / Suramira Vos    
Leitung: Manuela Trapp / Kiri Haardt
Video: Hunor von Horvath



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