3 Fragen an Claudio Domenig, künftiger Dozent für Kindes- und Erwachsenenschutz an der BFH

24.06.2020 «Es geht darum, hinzuschauen, das Schwierige auszuhalten – und die Ressourcen zu sehen», sagt Claudio Domenig, der im August Dozent für Kindes- und Erwachsenenschutz an der BFH wird. Zuvor war er Vizepräsident der KESB Mittelland Süd. Wir fragen ihn, wie Kompetenzen im Kindes- und Erwachsenenschutz in Weiterbildung und Praxis erworben und erweitert werden können.

Claudio Domenig, welche Kompetenzen erachten Sie für den Kindes- und Erwachsenenschutz für besonders wichtig?

Claudio Domenig: Es gibt ein ganzes Bündel an Kompetenzen, die ich für dieses anspruchsvolle Aufgabengebiet als wichtig erachte. Sie beziehen sich auf die zentralen Fragen: Wie finden wir das richtige Mass zwischen Schutz und Selbstbestimmung? Wie wahren wir die Würde der Betroffenen? Wie erreichen wir Kooperation in einem Zwangskontext? Am wichtigsten sind für mich letztlich jene Qualitäten, welche die Menschlichkeit dieser Arbeit ausmachen. Es geht um eine empathische, wohlwollende Haltung, um Anerkennung und Respekt gegenüber dem Individuum und seiner Lebenswelt, um Mut zur Ehrlichkeit, um Selbstreflexion und auch um eine gewisse Demut. Es geht darum, hinzuschauen, das Schwierige auszuhalten – und die Ressourcen zu sehen. Diese Haltung ist nach meinem Verständnis die Kernkompetenz. 

Wie erwirbt man diese Haltung? 

Sie kommt von innen und deshalb wird sie nicht erworben, sondern entwickelt. Die Wege, um eine solche Haltung zu entwickeln, sind verschieden, wohl so verschieden wie die Menschen. Neben der richtigen Haltung braucht es die richtigen Instrumente, um diese Haltung in der Praxis anzuwenden. Hier geht es namentlich um analytische, methodische, kommunikative Kompetenzen. Für die Entwicklung von Haltungen und den Erwerb von Kompetenzen ist die Praxis genauso wichtig wie die Theorie, es braucht die Erfahrung genauso wie die Reflexion.  

Wie kann das Wissen aus Weiterbildungen am effektivsten in der Praxis nutzbar gemacht werden und welche Rolle spielt die Praxis für die Weiterbildung?

Der Transfer spielt eine zentrale Rolle – in beide Richtungen. Fachwissen entsteht im Zusammenwirken von Wissenschaft und Praxis und kann auch nur im gegenseitigen Austausch reflektiert, vertieft und erweitert werden. Weiterbildungen bilden ein Gefäss für dieses Zusammenwirken, wenn sie die Anliegen der Praxis aufnehmen und der Praxis neue Sichtweisen, neue Inputs, neue Bezugsrahmen zurückgeben. Die Praxis ist ihrerseits bedeutsam, weil sie ihre Fragestellungen und den Erfahrungsschatz einbringt. Weiterbildungen bieten somit Möglichkeiten des gemeinsamen Hinterfragens, des voneinander Lernens zwischen allen Beteiligten. 

 

Das vollständige Interview mit Claudio Domenig finden Sie in der Weiterbildungsbeilage der nächsten Ausgabe des impuls. Haben Sie unser Magazin noch nicht abonniert? Dann geht es hier zum Aboservice.

Claudio Domenig im Gespräch

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Fachgebiet: Soziale Arbeit
Rubrik: Weiterbildung