Corona wird die Ungleichheit verschärfen

06.05.2020 Anfangs verringerte sich die Vermögensungleichheit während der Corona-Pandemie aufgrund der Börseneinbrüche. Doch diese Veränderung beachtet nur die Vermögen. Viel wichtiger ist der Blick auf die Einkommen.

Zwischenzeitlich hat zwar eine Verringerung der Vermögensungleichheit stattgefunden, wie Forscher der BFH und der Uni Bern feststellen. Von den Börseneinbrüchen waren primär die Vermögen Wohlhabender betroffen. Dieser Effekt war aber vergleichsweise klein. Kleiner sogar als jener der Finanzkrise von 2008. Mittlerweile haben sich die Aktienkurse aber bereits wieder etwas erholt. Allerdings greift der Blick auf die Vermögen zu kurz. Entscheidender sind die Einkommensausfälle. Denn von Corona und den damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen sind Menschen mit tiefen und sehr wenig Einkommen sehr viel stärker betroffen. 

Wer ist betroffen?

Besonders hart getroffen sind Menschen in der Gastronomie, der Event- und der Kulturbranche, in welchen viele Menschen mit unregelmässigen Einkommen tätig sind. Sie geraten nun durch die Krise in Bedrängnis. Auch für Obdachlose, die auf den öffentlichen Raum angewiesen sind, sind die Einschränkungen und der Stress durch die Krise besonders hart.

Tatsächlich hat sich in den ersten beiden Wochen nach dem Lockdown die Zahl der Menschen, die nicht mehr weiter wussten und sich an die Sozialhilfe wandten, vervierfacht. Besonders stark betroffen sind Menschen, die im Stundenlohn gearbeitet haben oder die selbständig sind. Sie sind offensichtlich schlechter abgesichert. Auch sozial isolierte Menschen und solche mit gesundheitlichen Einschränkungen, die vorher «irgendwie» durchkamen, geraten nun eher in Not. Auch sie gehören zu den stark betroffenen Gruppen.

Wichtig ist niederschwellige Unterstützung

Der Bundesrat hat zwar auf die ersten negativen Auswirkungen der Coronakrise reagiert. Es ist aber zu bezweifeln, dass das wirtschaftliche Leben nach der Lockerung sofort wieder anspringt. Es ist fraglich, ab wann die Menschen wieder unbeschwert ins Kino, Restaurant oder an eine Grossveranstaltung gehen. Bis es eine Impfung gibt, bleibt eine Restunsicherheit. Das wiederspiegelt auch die Konsumentenstimmung, die einen historischen Tiefpunkt erreicht hat. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist angespannt. Gegenüber dem Vorjahresmonat nahm die Arbeitslosigkeit bereits um 46'115 Personen zu (+43%). Laut dem COVID-19 Social Monitor fürchten 9 Prozent der Beschäftigten, ihre Stelle zu verlieren.

Die Gefahr ist gross, dass durch den sich anbahnenden wirtschaftlichen Abschwung die Armut in der Schweiz zunimmt. Es wird wichtig sein, genau zu verfolgen, wie sich die Situation entwickelt. Es muss sichergestellt sein, dass Menschen, die in finanzielle Notlage geraten, niederschwellig Unterstützung erhalten.

Fachgebiet: Soziale Arbeit
Rubrik: Forschung