Sozialhilfe in Schweizer Städten 2019: Leichter Rückgang der Fallzahlen

27.10.2020 Im Durchschnitt von 14 untersuchten Städten sank die Zahl der Sozialhilfefälle 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 1.2 Prozent. Auch die Sozialhilfequote blieb in 11 der 14 Städten stabil oder sank. Dieser Trend zur Fallabnahme wird sich 2020 voraussichtlich nicht fortsetzen, da sich die Arbeitsmarktindikatoren aufgrund der Coronapandemie verschlechterten.

Die Städteinitiative Sozialpolitik führt seit 20 Jahren einen Städtevergleich zur Sozialhilfe durch. Aktuell sind 14 Städte beteiligt, die sich voneinander wesentlich unterscheiden. Ebenso unterschiedlich sind die Entwicklungen in der Sozialhilfe, da das Armutsrisiko abhängig ist von der Wirtschaftsstruktur, der Bevölkerungszusammensetzung und der Verfügbarkeit von anderen, der Sozialhilfe vorgelagerten Sozialleistungen (z.B. Wohnhilfe, Familienunterstützung). Im Durchschnitt der 14 Städte sanken die Sozialhilfefälle um 1.2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sinkende Fallzahlen haben zumeist jene Städte, die bisher ein hohes Sozialhilferisiko aufwiesen (Basel, Biel, Lausanne, Winterthur). Tendenziell steigende Zahlen verzeichnen Städte mit traditionell tieferen Sozialhilfequoten (Uster, Schaffhausen).

Rasche Ablösung bei vielen – sehr lange Dauer bei wenigen

Die Sozialhilfe ist als vorübergehende Unterstützung in Notsituationen konzipiert. Das ist sie nach wie vor in vielen Fällen: Rund 13 % aller Fälle erhält nur eine einmalige Zahlung; rund ein Drittel benötigt Unterstützung für bis zu 6 Monaten. Nach 14 Monaten kann die Hälfte aller neuen Fälle abgeschlossen werden. Erstmals konnte nachgewiesen werden; dass die durchschnittliche Bezugsdauer für den grössten Teil der Sozialhilfebeziehenden nicht zugenommen hat. Aber es gibt einen kleinen Teil von Bezügerinnen und Bezügern, der sehr viel länger auf Sozialhilfe angewiesen ist als früher. Diese Fälle erhöhen die durchschnittliche Bezugsdauer, die Fallzahlen und die Kosten – weil sie nicht nur wenige Monate, sondern mehrere Jahre lang Sozialhilfe benötigen. Dazu zählen Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, ohne Berufsbildung, mit Migrationshintergrund in Asien oder Afrika oder mit Kinderbetreuungspflichten. Die Sozialhilfe übernimmt in diesen Fällen die langfristige Existenzsicherung − eine Aufgabe, für die sie ursprünglich nicht gedacht war.

Städte sind die wesentlichen Akteure der Sozialhilfe

Die Kennzahlen zur Sozialhilfe in Schweizer Städten, erarbeitet von der Berner Fachhochschule und der Städteinitiative Sozialpolitik, dokumentieren aktuelle Entwicklungen von 14 Städten auf der Basis von Daten des Bundesamtes für Statistik BFS. In den untersuchten 14 Städten lebt rund ein Viertel aller Sozialhilfebeziehenden der Schweiz.

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Sozialhilfebezug wird oft nach kurzer Zeit beendet

Auch wenn der Blick in die Statistiken dies vermuten lässt: Menschen sind heutzutage nicht generell länger auf Sozialhilfe angewiesen. Wie aktuelle Auswertungen zeigen, verfestigen sich die Armutslagen bei einem vergleichsweise kleinen Teil der Sozialhilfebeziehenden.

Sozialhilfe in den Städten 2019: Leichter Rückgang der Fallzahlen

  • 14 Städte: Im aktuellen Kennzahlenbericht Sozialhilfe, der auf Auswertungen der schweizerischen Sozialhilfestatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) basiert, sind 14 Städte vertreten: Basel, Bern, Biel, Chur, Lausanne, Luzern, St. Gallen, Schaffhausen, Schlieren, Uster, Wädenswil, Winterthur, Zug und Zürich. In diesen 14 Städten lebt rund ein Viertel aller Sozialhilfebeziehenden der Schweiz.
  • Leichter Rückgang der Fallzahlen: Die Zahl der Sozialhilfefälle ist um 1.2 Prozent gesunken.
  • Sinkende Quoten: Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Sozialhilfequoten in 9 Städten (stabil: 2 Städte; steigend: 3 Städte). Die Sozialhilfequote misst das Verhältnis zwischen der Anzahl Sozialhilfebeziehenden und der Gesamtbevölkerung.
  • Rasche Ablösung: Nach sechs Monaten Bezugsdauer ist bereits mehr als ein Drittel nicht mehr auf Sozialhilfe angewiesen.
  • Bezugsdauer bei den meisten stabil: Für den grössten Teil der Sozialhilfefälle hat die Bezugsdauer nicht zugenommen. Aber für einen kleinen Teil ist die Sozialhilfe zu einer langfristigen Existenzsicherung geworden.
  • Merkmale bei längerem Sozialhilfebezug: Kinderbetreuungspflichten (insbesondere bei Alleinerziehenden und Paaren mit mehr als zwei Kindern), Nationalität (afrikanisches oder asiatisches Land), keine berufliche Ausbildung, Altersgruppe 46 bis 55 Jahre.

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Fachgebiet: Soziale Arbeit
Rubrik: Forschung, Soziale Arbeit