Platz für Vielfalt?! Differenzlinien in der Offenen Jugendarbeit

Differenzlinien sozialer Ungleichheit ziehen sich durch alle Bereiche – auch durch die Offene Jugendarbeit. Wie können Fachpersonen die Offene Jugendarbeit gestalten, damit Verschiedenheit Platz hat und Diskriminierung vermieden wird?

20.11.2020 bis 21.11.2020 – BFH, Hallerstrasse 10, Bern (Aula)

Im Alltag der Offenen Jugendarbeit zeigt sich die intersektionale Verschränkung der verschiedenen Formen des «Anders-seins» in den Adressierungen der Zielgruppen durch die Fachpersonen. Aber auch die Jugendlichen selbst sprechen und handeln differenzierend: So wird beispielsweise zwischen «anständigen» und «unanständigen» Mädchen unterschieden oder zwischen «coolen» und «uncoolen» Jungs. Diese Differenzlinien sind zugleich strukturell und situativ und führen zu Auf- und Abwertungen sowie zu Ein- und Ausschluss.

Die Tagung bringt Forschung und Praxis der Offenen Jugendarbeit über diese konkreten Differenzierungen ins Gespräch. Vorgestellt werden empirische und theoretische Arbeiten, die sich mit Differenzierungsprozessen und ihren Folgen im Jugendalter auseinandersetzen. Ergänzt wird das Programm durch Workshops mit Praktikerinnen und Praktikern aus der Offenen Jugendarbeit der Schweiz, Österreich und Deutschland.

Platz für Vielfalt?! Tagung zur Offenen Jugendarbeit

Steckbrief

  • Startdatum 20.11.2020
  • Enddatum 21.11.2020
  • Ort BFH, Hallerstrasse 10, Bern (Aula)
  • Anmeldefrist 30.10.2020
  • Kosten Normaltarif CHF 250; DOJ CHF 200; Studierenden-/Doktorandentarif CHF 150

Weitere Informationen

Freitag, 20. November 2020

Zeit    Inhalt
10.00–10.30  

Begrüssung
DOJ/BFH

10.30–11.15   

Differenzlinien in der Offenen Jugendarbeit – Einblicke in ein laufendes Forschungsprojekt 
Stefanie Duttweiler

11.15–12.00   

Gestaltung von Lernprozessen zu Diskriminierung in der Offenen Jugendarbeit
Katharina Debus 

12.00–13.30  

Pause

13.30–15.00   

Workshoprunde 1

   

1A Mehrfachdiskriminierung
FG Mädchenplattform DOJ
Tara Koch 

   

1B Vertiefungsworkshop zur Gestaltung von Lernprozessen 
Katharina Debus

 

   

1C Einblicke in den aktuellen Fachdiskurs 
Sebastian Rahn, Jennifer Hübner, Dominik Bodmer

 

15.00–15.30    Pause

15.30–17.00 

 

Workshoprunde 2

   

2A Chancengleichheit im Bereich Jugendkultur 
Michela Pezzin, Markus Soliva

   

2B Die Vision einer inklusiven Gesellschaft – eine dialektische Auseinandersetzung zwischen Anspruch und eigener Prägung am Beispiel der gendersensiblen Pädagogik
Labor Männlichkeit

   

2C Methoden zur Förderung der Akzeptanz von queeren Menschen 
Du-bist-du (u.a. Sandra Schäfer)

Im Anschluss  

Gemeinsames Abendessen

 

Samstag, 21. November 2020

Zeit    Inhalt
10.15–11.15   

Rassismus ver.w.orten - rassismuskritisch denken und handeln
Rahel el-Maawi

11.15–11.30   

Pause

11.30–12.30

 

Workshoprunde 3

   

3A Genderreflektierende Offene Jugendarbeit 
Projektteam GROJA 

   

3B Rassismus in der Offenen Jugendarbeit
Mandy Abou Shoak

   

3C Rassismus - Empowerment Workshop für BIPOC
Rahel el-Maawi

   

3D Respekt vor der religiösen Vielfalt fördern: Muslim- und Judenfeindlichkeit gemeinsam überwinden
Andi Geu, Ron Halbright 

12.30–14.00 

  Pause

14.00–15.15 

 

Fortsetzung der Workshop-Runde 3

15.15–15.45

 

Pause

15.45–17.00

 

Platz für Vielfalt?! Verschränkung von Differenzlinien 
Ideen für die Praxis und Illustriertes Fazit

Stefanie Duttweiler (BFH) und Rahel Müller (DOJ)

 

Weitere Informationen

Mehr Informationen zu den Referaten und den Workshops finden Sie unter «Inhalt».

Stefanie Duttweiler (BFH, Bern): Differenzlinien in der Offene Jugendarbeit. Einblicke in ein laufendes Forschungsprojekt

Differenzlinien werden in der OJA situativ (ir-)relevant gemacht. Wir präsentieren Ergebnisse aus unserem Forschungs- und Weiterbildungsprojekt im Hinblick auf ‘gender’, ‘class’ und ‘race’ und thematisieren Herausforderungen sowie Gelingensbedingungen für eine reflektierende OJA, die Differenzlinien zu überwinden versucht. 

Katharina Debus (dissens Berlin):  Gestaltung von Lernprozessen zu Diskriminierung in der Offenen Jugendarbeit

Davon ausgehend, dass Menschen gute Gründe für ihr Handeln haben, arbeitet der Vortrag heraus, wie in der Offenen Jugendarbeit Lernen zu Diskriminierung und Verhaltensalternativen gestaltet werden kann.

Tara Koch: Mehrfachdiskriminierung in der OJA 

Anhand von Fallbeispielen diskutieren wir interaktiv mit den Teilnehmenden das Spannungsfeld zwischen dem Anspruch auf einen möglichst diskriminierungsfreien Raum und der Realität in der OJA, wo Stereotypen und Diskriminierungen reproduziert werden, und wie mit diesem umgegangen werden kann. 

Katharina Debus (dissens Berlin): Vertiefungsworkshop zur Gestaltung von Lernprozessen 

Der Workshop bietet die Gelegenheit, die im auftauchenden Fragen und Anregungen im Hinblick auf die Gestaltung von Lernprozessen vertieft zu diskutieren.

Sebastian Rahn (Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart): Kindheit und Jugend als Differenzlinien – Kindheits- und Jugendbilder als konstitutives Element der Offenen Kinder- und Jugendarbeit?

Die für die OKJA konstitutiven Differenzierungen bestehen primär in der Identifizierung von «Kindern» und «Jugendlichen» als Zielgruppe des Arbeitsfelds, einhergehend mit bestimmten Vorstellungen davon, welche Rahmenbedingungen ein gelungenes Aufwachsen benötigt. Diesen Kindheits- und Jugendbildern der OKJA geht der Beitrag anhand empirischer Erkenntnisse nach.

Jennifer Hübner (Alice Solomon Hochschule, Berlin): Zwischen Anspruch, Wirklichkeit und Utopie. Wie offen ist die Offene Kinder- und Jugendarbeit? Ein ethnografischer Impuls.

Offenheit zählt zu den konstitutiven Prinzipen der OJA. Die Zusammenhänge und Paradoxien dieses normativen Anspruchs und den sich Feld performierenden Praktiken und rahmende Grenzlinien sind bislang ungeklärt. Der Vortrag greift dieses Dilemma auf und präsentiert erste Ergebnisse einer Studie zur Offenheit in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Dominik Bodmer (Fachhochschule Nordwestschweiz, Muttenz): Beziehungsgestaltung in der Offenen Jugendarbeit

Die Beziehungen zwischen Jugendlichen und Professionellen sind eine Schlüsselkategorie in der Offenen Jugendarbeit. Im Referat wird der Frage nach gegangen inwiefern die Beziehungen Möglichkeiten öffnen um Differenz als Ressource zu thematisieren oder als erlebte Stigmatisierung zu reflektieren.

Michela Pezzini und Markus Soliva (OJA, Zürich): Chancengleichheit im Bereich Jugendkultur

Wie kann in der Jugendkultur Chancengleichheit ermöglicht werden, in Bezug auf Gender, Bildungshintergrund und Herkunft? Wie schaffen wir Plattformen, wo Jugendliche Events organisieren und sich (z.B. auf der Bühne) präsentieren und so weiterentwickeln können?

Marco Baumgartner & Fabian Büechi (labor Männlichkeit): Die Vision einer inklusiven Gesellschaft – eine dialektische Auseinandersetzung zwischen Anspruch und eigener Prägung am Beispiel der gendersensiblen Pädagogik

Wir beleuchten Chancen und Risiken von Doing/ Undoing Gender durch Ausprobieren und nutzen Eigen- und Fremdwahrnehmung für die Erweiterung des eigenen Geschlechterrollenrepertoirs. Dabei werden wir uns der Spannung von Anspruch und eigener Prägung bewusst.

Rahel el-Maawi: Rassismus ver.w.orten – rassismuskritisch denken und handeln 

Was heisst es, in einer rassistischen Gesellschaft aufzuwachsen? Was bedingt es an Widerstandskraft, Resilienz und Überlebensgeist?
Wir könnten in diesem Input ausschliesslich die Seite der «anderen», der Betroffenen, betrachten. Doch damit sich etwas ändert, werden wir die Seite betrachten, die oft schweigt und auswählen kann, ob mensch sich mit Rassismus beschäftigen will. Wie verlernen wir die rassialisierte hierarchische Sichtweise. Wie ist sie in unseren Strukturen eingebettet. Wie zeigt sich diese?

Eveline Ammann, Aaron Rhyner, Dominik Bodmer (BFH, Projektteam GROJA): Genderreflektierende Offene Jugendarbeit

In Kleingruppen präsentieren wir die zentralen Erkenntnisse des Projektes «Genderreflektierende Offene Jugendarbeit»: mit Fallbeispielen und Fachpersonen aus dem Projekt diskutieren wir die Dimensionen «pädagogische Intervention», «Kultur des Raumes» und «Beziehungsgestaltung» und laden dazu ein, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren.

Mandy Abou Shoak (freie Trainerin, Zürich): Rassismus in der Offenen Jugendarbeit 

In diesem Workshop beschäftigen wir uns mit der rassistischen Gegenwart in der Schweiz. Was ist Rassismus? Wie kommt es, dass Rassismus fortwährend wirkt? Weshalb ist es so schwierig über Rassismus zu sprechen? Was hat Rassismus mit uns allen zu tun? Wie wirkt rassistische Diskriminierung in der Jugendarbeit?

Andi Geu, Ron Halbright (NCBI): Respekt vor religiöser Vielfalt fördern: Muslim- und Judenfeindlichkeit gemeinsam überwinden

Im Dialogworkshop mit gemischt muslimisch-jüdischer Leitung erleben Teilnehmende Möglichkeiten, um Vorurteile und Konfliktthemen im Zusammenhang mit Religion und (Nicht-)Religiösität konstruktiv anzusprechen und Ideen für ein Transfer in die Jugendarbeit zu entwickeln. 

Rahel el-Maawi: Empowerment Workshop für BIPOC: «Unser Schweigen schützt uns nicht – wider dem Schlucken alltagsrassistischer Erlebnisse – für kollektives Handeln» 

In Anlehnung an den Aufruf von Audre Lorde zu Sprache und aktivem Handeln nehmen wir uns Raum, gemeinsam mehr über Rassismus zu reden. Mit welchen rassistischen Strukturen setzen wir uns in der OJA auseinander – wie beeinflussen diese unser Handeln und welche rassismuskritische Jugendarbeitskultur treffen schwarze Jugendliche of Color bei uns an?
Dieser Workshop ist  offen für People of Color und Personen die Rassismuserfahrungen machen. Die Selbstdefinition gilt.

Zielpublikum sind alle an der Offenen Jugendarbeit Interessierte.

Ziel ist der fachliche Austausch über aktuelle Herausforderungen in der Offenen Jugendarbeit.

Gefragt werden soll dabei unter anderem:

  • Welche Differenzierungen sind für Jugendliche heute relevant?
  • Wie und von wem werden Auswirkungen (nicht) thematisiert oder problematisiert?
  • Hat die Offene Jugendarbeit Platz für alle – und will sie das?
  • Welche Differenzlinien sind in den strukturellen Rahmenbedingungen der Offenen Jugendarbeit eingeschrieben?
  • Müsste Offene Jugendarbeit möglicherweise neue zielgruppenspezifische Angebote entwickeln?

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