47. Face to Face Meeting Innovationen für Querschnittgelähmte: Neue Freiheiten durch Bewegung

Erfahren Sie am 47. Face to Face Meeting, wie das Zusammenspiel von Forschung, Technologie und Bewegung Querschnittgelähmten neue Freiheiten ermöglicht.

– Hotel Sempachersee, Kantonsstrasse 46, 6207 Nottwil

Aufgrund des Coronavirus wird diese Veranstaltung verschoben.

Sich frei in Stadt und Natur bewegen, Sport treiben und die Kontrolle über den eigenen Körper haben: für Personen mit einer Querschnittlähmung keine Selbstverständlichkeit. Doch die Rehabilitationsforschung steht nicht still: Erfahren Sie am 47. Face to Face Meeting wie Neurotechnologien das Wiedererlangen von motorischen Funktionen fördern und mit welchen Herausforderungen gelähmte Fahrradfahrer beim FES-Cycling konfrontiert sind. Sie erhalten zudem einen Einblick in die Einschränkungen im Alltag und der daraus entstehenden Innovationskraft von Betroffenen. Erleben Sie, wie das Zusammenspiel von Forschung, Technologie und Bewegung Gesundheitsrisiken minimieren kann und Querschnittgelähmten neue Freiheiten ermöglicht.

Referate

2013 machte ein Unfall mich zum Tetraplegiker. Seitdem trainiere ich mit einem Ziel: So viel wie möglich zurückzugewinnen. Nach wöchentlichen Trainingseinheiten von bis zu 37 Stunden unter Einbezug von verschiedenen Übungen und Geräten, kam ich zur Erkenntnis, dass ich «intelligente» Bewegungsabläufe mit Freude verbinden muss. Das Go-Tryke war geboren: ein dreirädriges Fahrrad, das zum Gebrauch im Freien, Arme und Beine auf die Probe stellt. Das start-up GBY (Go By Yourself) ermöglichte mehreren Nutzerinnen den Gebrauch des GO-Tryke, welcher vielversprechende Ergebnisse zeigte. Es ist ein technisches und unglaublich menschliches Abenteuer, das ich mit Ihnen teilen werde.

Referatssprache: Französisch

Sébastian Tobler, Dozent Fahrzeugbau Berner Fachhochschule & CEO GBY SA

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Sébastian Tobler

Für Menschen, welche nach einer Rückenmarkverletzung eine vollständige Lähmung der unteren Gliedmassen erlitten, wurde eine Technologie entwickelt. Diese ermöglicht, ein liegendes Dreirad allein durch Muskelkraft anzutreiben: Die funktionelle elektrische Stimulation (FES). Diese Präsentation bietet einen Überblick über die neusten technologischen und wissenschaftlichen Entwicklungen im Bereich des FES-Radsports. Zudem sollen die industriellen Kooperationen unseres Teams vorgestellt werden, die das Ziel haben, FES-Geräte auf den Markt zu bringen. Zum Schluss werden die Vorbereitungen für das FES-Radrennen beim Cybathlon 2020 vorgeführt.

Referatssprache: Englisch

Prof. Dr. Kenneth James Hunt, Leiter Institut für Rehabilitation und Leistungstechnologie IRPT, Berner Fachhochschule

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Prof. Dr. Kenneth Hunt

Während der letzten 15 Jahre hat mein Forschungsteam ein mehrgleisiges Interventionsverfahren entwickelt, das die freie Kontrolle gelähmter Beine – bei Tieren und seit kurzem auch bei Menschen – wiederherstellt. Dieses Verfahren wirkt innerhalb von zwei Zeitfenstern. Unmittelbar reanimieren elektrische und chemische Stimulatoren, welche auf das lumbale Rückenmark gezielt werden, die lumbalen Ausführungszentren. Diese befinden sich unterhalb der Verletzung und koordinieren die Bewegung der Beine. Dadurch wird die willentliche Kontrolle der gelähmten Muskulatur ermöglicht. Längerfristig fördern und stärken auf Willenskraft basierende Trainingsprogramme, die durch die unmittelbaren elektrochemischen Stimulationen und modernste Unterstützungsrobotik ermöglicht werden, die Reorganisation der verbliebenen Verbindungen. Dadurch wird die willentliche Bewegung ohne Stimulus wiederhergestellt. Kürzlich haben wir diese Neurotechnologien verwendet, um die sympathischen Schaltkreise gezielt anzuvisieren und zu manipulieren. Dies ermöglichte uns die Entwicklung eines neuroprothetischen Baroreflex, der die hämodynamische Instabilität nach schweren SCI in präklinischen Modellen und Menschen präzise reguliert. In meinem Referat werde ich die technologischen und konzeptuellen Entwicklungsstufen dieses Interventionsverfahrens in präklinischen Modellen erklären. Zusätzlich zeige ich wie wir diese Methoden bei Menschen mit SCI umgesetzt haben und wie wir uns die nächsten Schritte zur klinisch durchführbaren Behandlung vorstellen.

Referatssprache: Englisch

Prof. Dr. Grégoire Courtine, Co-Director Defitech Center for Interventional Neurotherapies (NeuroRestore), École polytechnique fédérale de Lausanne EPFL

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Prof. Dr. Grégoire Courtine

Eine Querschnittlähmung bedeutet nicht nur, seine Extremitäten nicht mehr bewegen zu können, die Verletzung bringt zusätzlich ein hohes Mass an gesundheitlichen Komplikationen und Einschränkungen im täglichen Leben mit sich. Um möglichst lange in Gesundheit leben zu können, ist die Erhaltung und Verbesserung von Muskelkraft und Beweglichkeit von grosser Bedeutung. Bewegung sollte deshalb regelmässig, im richtigen Ausmass und lebenslang betrieben werden. Regelmässige körperliche Bewegung reduziert das Risiko für weitverbreitete Beschwerden und Krankheiten wie Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie Knochenschwund (Osteoporose). Eine Querschnittlähmung muss nicht zwangsläufig zu derartigen Erkrankungen führen, doch der sitzende Lebensstil erhöht die Wahrscheinlichkeit. Bewegung kann bei vielen Beschwerden zur Vorbeugung oder Heilung beitragen, wenn sie gezielt, ähnlich wie ein Medikament, eingesetzt wird. Voraussetzung für die gezielte Anwendung ist das Wissen, welche körperlichen Wirkungen durch Bewegung ausgelöst werden und warum.

Die Schweizer Paraplegiker Forschung ist bestrebt, dazu beizutragen, dass die neusten Erkenntnisse zur bestmöglichen gesundheitlichen Versorgung von Querschnittgelähmten zur Anwendung kommen. In meinem Vortrag werde ich querfeldein einen Überblick der Go-Tryke Studie für Querschnittgelähmte vorstellen.

Referatssprache: Deutsch

Dr. Sue Bertschy, Projektleiterin Go-Tryke Studie, Schweizer Paraplegiker Forschung, Nottwil

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Dr. Sue Bertschy

Es ist bekannt, dass eine optimale räumlich-zeitliche Koordination zwischen Armen und Beinen durch propriospinale Verbindungen zwischen den Bewegungsnetzwerken auf zervikaler und lumbaler Ebene erleichtert wird. Die bei jungen Erwachsenen beobachtete funktionelle Konsequenz ist, dass bei einer Bewegungsaufgabe am Ergometer, bei der Arme (aktiv) und Beine (passiv) beteiligt sind, eine erhöhte Muskelaktivität der Arme zu einer stärkeren Muskelaktivierung der passiv mobilisierten Beine führt. Zudem ist das an den passiv bewegten Muskeln der Beine aufgezeichnete Timing der elektromyographischen Aktivität (EMG) identisch mit dem Timing, das bei aktiver Mobilisierung der Beine zu beobachten ist. Ähnliche Ergebnisse wurden bei Patienten mit unvollständiger Rückenmarkverletzung gezeigt. In der QUADRACT-Studie versuchen wir, die optimalen Bedingungen für Armbewegungen zu ermitteln, die eine unwillkürliche Beteiligung der Beine begünstigen könnten. Wir untersuchten dazu bestimmte Faktoren, die in der automatischen Steuerung der Arm-Bein-Kopplung beim gleichzeitigen Kurbeln mit Händen und Füssen eine wichtige Rolle spielen könnten: die Fokussierung oder Nichtfokussierung der Aufmerksamkeit auf die Hände, die Position der Kurbeln und Pedale zueinander und schliesslich die Geschwindigkeit und Kraft der Armbewegungen. Aus praktischer Sicht könnten anhand der Studienergebnisse gezielt Übungen unter Einbeziehung von Armbewegungen entwickelt werden, um bei Menschen mit Rückenmarkverletzungen den Rehabilitationseffekt für die Beine zu maximieren.

Referatssprache: Französisch

Jérôme Barral, PhD, Senior Lecturer, Institute of Sport Sciences, University of Lausanne

Dr. Jérôme Barral
Dr. Jérôme Barral

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