Erfahrungen geflüchteter Gründer*innen bringen wertvolle Erkenntnisse für den Umgang mit Krisen

15.09.2021 Unsere Dozentin Prof. Dr. Caroline Straub vom Institut New Work hat zusammen mit Kolleg*innen der deutschen und französischen ESCP Business School sowie der Universität Süddänemark untersucht, wie sich Fluchterfahrungen auf die Gründung von Unternehmen auswirken. Die Studie ist im Journal of Business Venturing veröffentlicht worden.

Die Forscher*innen haben 18 syrische Geflüchtete von November 2016 bis Februar 2020 begleitet, die in ihrem Gastland (Schweiz, Frankreich oder Deutschland) ein Unternehmen gründen wollten. In qualitativen Interviews stellten sie fest, dass ihre Gründungsprozesse sehr unterschiedlich verliefen. Die Befragung zeigte zudem, dass ihre Erfahrungen mit Flucht, Neuankunft und Geschäftsgründung auch entscheidende Faktoren für Unternehmen sein können, um effektiv durch Krisen zu manövrieren.

Krisen sind mit einer Unterbrechung des Bestehenden und damit mit grosser Unsicherheit verbunden. Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird. Üblicherweise geht man davon aus, dass Erfahrung bei der Entwicklung von Geschäftsideen wichtig ist. In Krisenzeiten birgt dies aber auch Gefahren, denn Erfahrungen repräsentieren die alte Welt, die nicht mehr existiert.

Dies zeigte sich auch im Gründungsprozess von Geflüchteten: Diejenigen, die ihre neue Situation im Gastland als lediglich vorübergehend betrachteten, versuchten die Vergangenheit in die Gegenwart zu rekonstruieren bzw. bauten ihre Gründungsidee auf bewährtem Wissen und Erfahrungen auf, was schlussendlich für viele zum Scheitern führte. Hingegen entwickelten diejenigen nachhaltigere Geschäftsmodelle, die ihre Situation im Gastland als Chance betrachteten. Der Grund: Sie legten altes Wissen und Erfahrungen ab, und erwarben neues und relevantes Wissen und Netzwerke im Gastland.

Die Forscher*innen schlussfolgern daraus, dass der Umgang mit Krisen entscheidend ist. Wenn sich eine Krise als vorübergehend herausstellt und die alte Welt zurückkehren wird, ist auch eine vorübergehende Betrachtung sinnvoll. Aber Krisen hinterlassen in der Regel ihre Spuren. Daher ist die vorübergehende Betrachtung in vielen Fällen ein Hindernis, um auf die kommende Zukunft zu reagieren. Wichtig sei es Krisen als Chance zu verstehen, die neue Welten schaffen. Hierbei sei vor allem wichtig, Altes loszulassen und auf neuem Wissen und Vorstellungen aufzubauen. Die Autor*innen empfehlen dieses Umlernen generell allen Unternehmen für den Umgang mit zukünftigen Krisen.

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Die Autorin Caroline Straub wird an der Konferenz TRANSFORM 2021 an der Paneldiskussion zum Thema Gigwork teilnehmen.