Dynamisches mosaikartiges Planungsinstrument für siedlungsnahe Wälder (DYMOW)

Das vom WHFF gemeinsam mit dem Kanton Freiburg finanzierte Projekt entwickelt ein dynamisches und mosaikartiges Planungsinstrument, das eine zukunftsfähige und ausgewogene Bewirtschaftung multifunktionaler, siedlungsnaher Wälder ermöglicht.

Factsheet

Situation

Die Wälder der Schweiz erfüllen zahlreiche Funktionen und Leistungen. Gesetzlich ist eine nachhaltige, multifunktionale Bewirtschaftung vorgeschrieben, für deren Umsetzung die Kantone verantwortlich sind. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass nicht alle Waldfunktionen und -leistungen überall und im gleichen Ausmass erfüllt werden können. Insbesondere in siedlungsnahen Gebieten entstehen häufig Zielkonflikte zwischen Nutzung, Schutz, Biodiversität und Erholung. Dadurch können einzelne Funktionen und Leistungen eingeschränkt werden, was langfristig sogar die nachhaltige Erhaltung des Waldes gefährdet. Zudem unterscheiden sich die räumlichen und zeitlichen Ansprüche der verschiedenen Akteure, die zum Teil unterschiedlichen saisonalen Mustern folgen. Auch sind nicht alle Funktionen und Leistungen zu jeder Zeit gleich wichtig. Der Schweizer Wald kann daher als mosaikartige Landschaft verstanden werden, in der Funktionen und Leistungen räumlich und zeitlich variieren. Um Zielkonflikte zu reduzieren, die Walderhaltung zu sichern und den vielfältigen Bedürfnissen gerecht zu werden, ist ein flexibles, dynamisches Planungsinstrument erforderlich. Ein erster Entwurf eines solchen Instruments wurde im Auftrag des Bundes entwickelt. In Zusammenarbeit mit dem Kanton Freiburg soll das vorliegende Projekt wissenschaftlich weiterentwickelt, praktisch erprobt und für weitere Kantone angepasst werden, um die nachhaltige Bereitstellung aller Waldfunktionen und -leistungen langfristig zu sichern.

Course of action

Das Projekt gliedert sich in fünf Arbeitspakete (AP). In AP 1 wird der Ist-Zustand des Untersuchungsgebiets (Waldmassiv Verdilloud, Kanton Freiburg) mithilfe räumlicher Daten zur Holznutzung, zur Erholungsnutzung und zur Biodiversität erfasst. Dies dient dazu, potenzielle Konfliktbereiche zwischen den verschiedenen Waldfunktionen und -leistungen zu identifizieren. Das Ergebnis ist ein Kartenset, das die Bedeutung der einzelnen Funktionen und Leistungen sowie konfliktträchtige Überlagerungen darstellt. Auf dieser Grundlage werden im zweiten AP räumliche und zeitliche Varianten der Waldplanung entwickelt. Zudem werden Szenarien zur Besucherlenkung und zur Anpassung der Zugänglichkeit geprüft und deren Auswirkungen auf Lebensräume bewertet. Die Varianten dienen als Entscheidungsgrundlage für die Praxis. In AP 3 erfolgt die gemeinsame Auswahl geeigneter Massnahmen. In einem Co-Creation-Prozess mit den relevanten Akteuren werden die Varianten bewertet. Als Ergebnisse entstehen eine Priorisierungskarte und ein Massnahmenkatalog. In AP 4 wird eine Variante aus Arbeitspaket 3 ausgewählt, und die Massnahmen werden im Untersuchungsperimeter umgesetzt und mittels Vorher-Nachher-Analysen evaluiert. Neben Befragungen zur Besucherzufriedenheit werden auch die Veränderungen der Besucherströme analysiert. In AP 5 werden die Ergebnisse zusammengefasst, praxisorientierte Handlungsempfehlungen erarbeitet und der Wissenstransfer sowie die Übertragbarkeit auf andere Regionen sichergestellt.

Result

Das Ergebnis dieses Projekts ist ein innovatives, dynamisches und mosaikartiges Planungsinstrument zur nachhaltigen Bewirtschaftung von siedlungsnahen Wäldern. Es ist sowohl zeitlich als auch räumlich flexibel anpassbar und basiert auf der Kombination von GIS-Analysen und Feldmessungen. Im Zentrum steht die Entwicklung und Umsetzung lokal angepasster, attraktiver Flächen sowie von Besucherlenkungsmassnahmen, die auf die Bedürfnisse der verschiedenen Nutzergruppen abgestimmt sind. Gleichzeitig wird die Zufriedenheit der relevanten Waldakteure systematisch berücksichtigt. Das Instrument wird exemplarisch anhand eines konkreten Fallbeispiels im Kanton Freiburg erprobt und durch die Inputs der Begleitgruppe, bestehend aus unterschiedlichen Akteuren im Waldbereich, für die Anwendung in weiteren Kantonen validiert und präzisiert.

This project contributes to the following SDGs

  • 11: Sustainable cities and communities
  • 15: Life on land