«Das Schloss Dürande» von Othmar Schoeck – Szenarien zu einer interpretierenden Restaurierung

Das Projekt analysiert und kontextualisiert Othmar Schoecks Oper «Das Schloss Dürande» anhand ihres nationalsozialistisch geprägten Librettos, ihrer Entstehungsgeschichte sowie ihrer Rezeption in Berlin und Zürich im Jahr 1943.

Fiche signalétique

  • Département responsable Haute école des arts de Berne
  • Institut Institut Interprétation
  • Unité de recherche Intersections de la musique contemporaine
  • Organisation d'encouragement FNS
  • Durée 01.09.2013 - 31.08.2016
  • Responsable du projet Thomas Gartmann
  • Direction du projet Thomas Gartmann
  • Équipe du projet Mario Venzago
    Christian Mächler
    Simeon Thompson
    Leopold Dick
  • Partenaire Universität Bern, Institut für Germanistik
    Fonds Othmar Schoeck, Zürich
    Burte-Archiv, Maulburg/D
    Musiques Suisses
    Berner Symphonieorchester
    Universität Strasbourg
    Zentralbibliothek Zürich
    Händel-Haus
    Universal Edition, Wien
    Schweizerischer Nationalfonds SNF
    Konzert Theater Bern
    Pro Scientia et Arte
    Kultur Stadt Bern
    Amt für Kultur des Kantons Bern

Situation

1943 fand an der Staatsoper Berlin, mitten im Krieg, die Uraufführung von Othmar Schoecks Oper «Das Schloss Dürande» nach der Novelle Joseph von Eichendorffs statt. Hermann Göring kritisierte sie als «Bockmist» und setzte sie nach vier Aufführungen ab – aufgrund der literarischen Schwäche des nationalsozialistisch geprägten Librettos von Hermann Burte, womöglich aber auch wegen des in eine Katastrophe mündenden Schlusses der Oper. Auch die Zürcher Erstaufführungsserie wurde abrupt abgebrochen. Schoecks Karriere erhielt einen scharfen Knick. Seither erklang das Werk nur noch ein Mal, und zwar bloss konzertant.

Approche

Durch Analyse, Aufarbeitung des Kontextes und Rekonstruktion der ursprünglichen Werkidee möchte das Forschungsteam dieses Schlüsselwerk der Schweizer Musikgeschichte aus seinem historisch-politischen und soziokulturellen Kontext herausschälen und als Kulturgut wieder zugänglich machen. Dazu wird unter anderem auf institutionengeschichtliche und künstlerisch-produktive Methoden zurückgriffen. Zudem wird Burtes Libretto zu «Das Schloss Dürande» ästhetisch und ideologiekritisch im Kontext der nationalsozialistischen Eichendorff- und Romantikrezeotion analysiert; berücksichtigt werden insbesondere die während des Entstehungs- und Aufführungsprozesses vorgenommenen Textänderungen sowie die Werkrezeption in Berlin und Zürich. Die zweite Fallstudie widmet sich ebenfalls einer Ideologisierung, nämlich der «arisierenden» Adaption eines Händel-Librettos durch denselben Dichter. Ziel ist es, ideologisch besetzte Muster, «Werte», Phrasen und Vokabeln freizulegen. Zum einen soll geklärt werden, wie stark das Libretto zu «Das Schloss Dürande» nationalsozialistischer Ideologie verhaftet ist, bloss ein Ausdruck einer konservativen deutschnationalen Weltsicht ist oder aber in seiner übertriebenen Anbiederung an das Regime schon fast als konspirativ-antifaschistisch gedeutet werden könnte.

Résultat

Das Projekt mündet in eine germanistische Dissertation zur Librettistik, in weitere musikhistorisch-musiktheaterwissenschaftliche Studien sowie in die Aufarbeitung von Entstehungs-, Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte an der Staatsoper Berlin wie auch am Stadttheater Zürich. Der Autor Francesco Micieli erstellt zudem ein neues Libretto, das sich näher an der dichterischen Vorlage von Eichendorff orientiert, während der Dirigent Mario Venzago die Partitur überarbeitet und eine Neuaufführung der Oper vorbereitet.