Annotierte Dirigierpartituren als Primärquellen für die Erforschung der Interpretationsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert – Richard Wagner und seine Nachfolger

Annotierte Dirigierpartituren als Primärquellen für die Erforschung der Interpretationsgeschichte im 19. und 20. Jh.: Richard Wagner und seine Nachfolger in der zentraleuropäischen Dirigiertradition.

Fiche signalétique

  • Département responsable Haute école des arts de Berne
  • Institut Institut Interprétation
  • Unité de recherche Interprétation et pratiques d'exécution
  • Organisation d'encouragement FNS
  • Durée 01.09.2015 - 31.08.2019
  • Responsable du projet Chris Walton
  • Direction du projet Chris Walton
  • Équipe du projet Christoph Moor
  • Partenaire Hochschule für Musik Basel
    Schweizerischer Nationalfonds SNF
    Royal Academy of Music
    Universität Bern, Institut für Musikwissenschaft

Situation

Richard Wagner veröffentlichte 1869 die erste bedeutende theoretische Abhandlung über die Kunst des Dirigierens. Seine Vorstellungen über die Interpretation der klassischen und romantischen Orchestermusik wurden von späteren Generationen als allgemeingültig erklärt. So gilt er als Ursprung einer Dirigiertradition, die von seinem eigenen Studenten Hans von Bülow über Arthur Nikisch, Felix Weingartner, Gustav Mahler und Richard Strauss bis Wilhelm Furtwängler weitergeführt wurde. Diese Tradition fand erst mit dem Aufkommen der historisch informierten Aufführungspraxis der 1960er-Jahre ein Ende, als man darauf erpicht war, auf die «authentischen» Aufführungspraktiken der Vorromantik zurückzugreifen. Aus diesem Grund ist dieses Projekt grundsätzlich auf die Zeit von 1850 bis ca. 1970 beschränkt.

Approche

Der Fokus der Untersuchungen liegt auf den Werken des klassischen bzw. romantischen Repertoires, die für Wagner selbst von besonderer Bedeutung «unbegrenzteste Fähigkeit der Musik […] zur Lösung jeder denkbaren Aufgabe» bewies. Zudem sollen die «grosse» Sinfonie C-Dur von Franz Schubert, die Sinfonie Nr. 104 von Joseph Haydn und schliesslich die drei letzten Sinfonien von Wolfgang Amadeus Mozart im Zentrum des Projekts stehen. Hauptquellen sind die Dirigierpartituren und Orchestermaterialien, die von Dirigenten zum Eigengebrauch annotiert wurden. Diese Annotationen reichen von Bogenstrichen, Dynamikzeichen, Ausdruckszeichen und Tempomodifikationen bis hin zu sprachlichen Hinweisen auf die gewünschte Interpretation.

Résultat

Ziel dieses Projekts ist es, die Geschichte der Interpretation jenes Kernorchesterrepertoires detailliert zu erforschen. Ausserdem ist von Interesse, wie die Wagner’sche Kunst des Dirigierens verstanden, missverstanden oder sogar verworfen wurde. Die Kontinuitäten und die Brüche in jener Tradition werden erörtert und erforscht.