3 Fragen an Christian Matul, Organisationsberater und Buchautor

12.10.2020 Christian Matul unterrichtet als Lehrbeauftragter an der BFH, wie Case Management in Organisationen erfolgreich eingeführt werden kann. Welche Faktoren dabei wichtig sind, erzählt uns der Experte für die betriebliche Einführung von Case Management im Kurzinterview.

Herr Matul, Sie beraten Organisationen dabei, wie Veränderungen sinnvoll und zielführend gestaltet werden können. Was hat das mit Case Management zu tun?

Christian Matul: Case Management ist ein Konzept, das die gemeinsame Betrachtung dreier unterschiedlicher Ebenen bedingt: Grundlegend ist die Ebene der Fallführung komplexer Fälle durch einen Case Manager oder eine Case Managerin. Dafür schafft die betriebliche Ebene die entsprechenden Rahmenbedingungen. Schliesslich arrangiert der Case Manager oder die Case Managerin auf Netzwerkebene die dafür nötigen Zugänge. Mein Fokus liegt auf betrieblichen Fragen: Welche Voraussetzungen sind zu schaffen, damit die Umsetzung von Case Management auch von der Organisation entsprechend unterstützt wird? Viel zu selten wird die Wechselwirkung zwischen fachlicher und betrieblicher Ebene betrachtet. 

Was bedeutet das für die betriebliche Ebene konkret, also für die Organisation? 

Als erstes braucht es eine Bestandsaufnahme, um realistisch einzuschätzen, welchen Mehrwert Case Management bringt und wie gut das ganze Konzept oder Aspekte des Case Managements überhaupt eingeführt werden können. Es braucht eine Art Fitness-Check: Wie gut unterstützen Strategie, Struktur und die Kultur das fachliche Konzept des Case Managements? Ich plädiere dafür, zuerst über die betrieblichen Voraussetzungen nachzudenken, bevor Aufträge an die fachlichen Ebene vergeben werden und Schulungen starten. Hier gibt es eine Führungsverantwortung, die nicht delegierbar ist. Betrieblich ist das der zentrale Hebel, wenn sich Case Management auch betriebswirtschaftlich rechnen soll. Die Case Managerinnen und Manager können in der individuellen Betreuung nicht etwas ermöglichen, was betriebliche Schnittstellen oder Beziehungsdynamiken zwischen Abteilungen verunmöglichen. Es braucht ein Einfordern der damit verbundenen Führungsverantwortung: Die Fachkräfte des Case Managements sind umgekehrt gefordert, sich auf die Sprache, Denkhaltungen und Instrumente der betrieblichen Ebene einzulassen. Deshalb fokussieren wir in einem zweiten Teil des Seminars sowohl Haltungsfragen als auch konkrete Instrumente des Projektmanagements. Das ist ein zweiter notwendiger Handlungsstrang, um Case Management implementieren zu können.  

Warum ausgerechnet Projektmanagement?

Das Projektmanagement transportiert ähnlich wie eine Spedition die Veränderung. Das betrifft in erster Linie die Frage, wie der Prozess der Einführung von Case Management oder auch der Optimierung von Abläufen gestaltet werden kann. Fachkonzepte im Case Management sind das Fundament, aber es muss auch erlernt werden, wie in der Praxis strukturiert vorgegangen werden kann und gleichzeitig relevante Stakeholder mit ins Boot geholt werden. Das Projekt ist letztlich daran zu messen, ob Case Management nachhaltig in der Organisation umgesetzt und implementiert werden kann. Das ist dann der Fall, wenn das Projekt einen Organisationsentwicklungsprozess ausgelöst hat. Die Studierenden arbeiten deshalb im Unterricht an Projektanträgen aus Ihrer eigenen Praxis. Dabei werden einerseits klassische Methoden des Projektmanagements angewendet, gleichzeitig systemische Impulse gesetzt, um Dynamik, Unwägbarkeiten und Widerstände bereits in der Projektplanung aufzugreifen.

Christian Matul im Unterricht

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Fachgebiet: Soziale Arbeit
Rubrik: Weiterbildung