3 Fragen an Rahel Wanner Mohr, Elternberaterin in der ambulanten kinderpsychiatrischen Pflege

21.05.2020 Warum ist Kindesschutz gerade in der frühen Kindheit entscheidend? Das erklärt uns eine Elternberaterin mit langjähriger Erfahrung und Teilnehmerin am Fachkurs Kindesschutz für Fachkräfte der frühen Kindheit im Kurzinterview.

Frau Wanner Mohr, was hat Sie motiviert, sich zum Thema Kindesschutz in der frühen Kindheit weiterzubilden?

Rahel Wanner Mohr: Wir sind die Spezialistinnen der frühen Kindheit und in meiner Beratungspraxis erlebe ich regelmässig sehr komplexe und schwierige Familiensituationen. Kommen Kinder zur Welt, werden in allen Familien Rollen neu definiert, Raum und Geld wird benötigt, Verbindlichkeit und Verantwortung sind gefragt. Wenn jedoch Gewalterfahrungen, Traumen, Flucht, psychische Erkrankungen oder Krisen allgemein die werdende Familie belasten, gilt es jeweils genau hinzuschauen und abzuwägen – von Anfang an. Darum geht's: Wir müssen hinschauen und die Puzzleteile zusammenfügen können! Dieses Hinschauen zu verbessern war meine Motivation den Fachkurs Kindesschutz für Fachkräfte der frühen Kindheit zu absolvieren. 

Warum ist es besonders wichtig, früh die Zeichen einer Kindeswohlgefährdung zu erkennen? 

Für mich war es besonders wichtig, früh die Zeichen einer Kindeswohlgefährdung zu erkennen, weil dadurch einer pathologischen Entwicklung entgegengewirkt werden kann und vor allem weil Kinder einen absoluten Anspruch auf Schutz haben. Die auf Vertrauen basierende Beziehung zwischen Elternberaterin und Familie sehe ich als grosse Ressource, damit Eltern überhaupt über Schwierigkeiten und Überforderungen reden. Und genau hier liegt auch die Chance, den Familien dadurch möglichst früh und gezielte Hilfe anzubieten.

Früherkennung ist auch deshalb wichtig, weil Säuglinge und kleine Kinder dermassen von der Fürsorge ihrer Eltern abhängig sind und Gewalt oder Vernachlässigung innerhalb der Familie nicht nur die Entwicklung an sich, sondern auch die Eltern-Kind-Beziehung ernsthaft und nachhaltig stören kann. In meiner Arbeit bin ich täglich mit diesem Einschätzen und Erkennen konfrontiert. Da schien es mir unabdingbar, meinen Blick dafür zu schärfen.  

Was haben Sie aus der Weiterbildung konkret für Ihre Berufspraxis mitgenommen?

Sehr viel! Vom Kennenlernen der Risiko- und Schutzfaktoren, über eine feinfühlige Gesprächsführung in Krisen, bis zum Verstehen von rechtlichen Grundlagen und Schritten, wie beispielsweise die Unterscheidung zwischen Melderecht und Meldepflicht. Ich durfte von Fachkompetenzen aus verschiedenen Disziplinen und der befruchtenden Zusammenarbeit untereinander profitieren. 

Ganz spannend fand ich auch den letzten Teil des Fachkurses «Berichte verfassen»: Worauf muss ich achten? Wie formuliere ich eindeutig? Wie kann ich Subjektives von Objektivem unterscheiden? Ich kenne die Unterschiede der Institutionen besser, welche direkt und indirekt mit dem Kindesschutz zu tun haben und verstehe deren Vernetzung besser.  

Deshalb empfehle ich den Fachkurs Kindesschutz für Fachkräfte der frühen Kindheit all jenen, die im Frühbereich arbeiten und sich mehr Wissen zum Kindesschutz wünschen.

Rahel Wanner Mohr

Rahel Wanner Mohr ist Pflegefachfrau HF und hat einen CAS in entwicklungspsychologischer Beratung absolviert. Sie arbeitet als Elternberaterin bei der Elternberatung Basel (ehemals Mütter- und Väterberatung).

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Fachgebiet: Soziale Arbeit
Rubrik: Weiterbildung