Praxis statt Vorlesung: Studierende der Automobil- und Fahrzeugtechnik nehmen Fahrt auf

27.03.2025 In der Woche vom 16. - 20. März 2026 nahmen die Studierenden des zweiten und dritten Studienjahrs des Fachbereichs Automobil- und Fahrzeugtechnik in drei parallel stattfindenden Programmen richtig Fahrt auf. Anstelle der üblichen Vorlesungen lag der Fokus auf praktische Arbeiten: präzise Messungen, praktische Fahrversuche, praxisnahe Projektarbeiten und prototypisches Design.

Zwischen Messwerten und Realität: Daten und Erkenntnisse der Messwoche

In vier Messübungen erhielten die Studierenden einen umfassenden Einblick in zentrale Bereiche moderner Fahrzeugtechnik. Dabei sammelten sie wertvolle Erfahrung im Planen, Durchführen und Auswerten komplexer Messungen und lernten, wie moderne technische Systeme funktionieren und realitätsnah beurteilt werden.

Im mobilen Reifenversuchslabor (MoReLab) untersuchten sie, wie sich verschiedene Reifendrücke auf Haftwert und Rollwiderstand auswirken und erfuhren dabei, wie sensibel die Balance zwischen Energieeffizienz und Fahrstabilität ist. Beim Chip‑Tuning eines Mercedes Vito analysierten sie Leistungs- und Drehmomentsteigerungen sowie die Auswirkungen auf Emissionen und Beschleunigung. Mit einem Genesis GV60 wurden zentrale Fahrerassistenzsysteme wie Spurhalteassistent, Notbremsassistent, ESP und ABS in definierten Manövern auf der hauseigenen Teststrecke getestet, um deren Verhalten unter realen Bedingungen präzise zu erfassen. Zudem untersuchten die Studierenden die Auflaufbremse eines Anhängers und analysierten deren Verhalten bei verschiedenen Bremsmanövern.

Projektwoche: Ein Jahrhundert Automobiltechnik in Biel

Im Jahr 2030 feiert der Studiengang Automobil- und Fahrzeugtechnik sein 100-jähriges Bestehen. Die Wurzeln reichen zurück zur einstigen Ingenieurschule Biel, die mit ihren zukunftsweisenden Projekten internationale Aufmerksamkeit erlangte – darunter der Sieg an der World Solar Challenge 1990 in Australien, einem der anspruchsvollsten Solarmobilrennen der Welt. Ebenso entstanden in dieser Zeit innovative Projekte wie das mobile Reifentestlabor «MoReLab», welches bis heute im Einsatz steht.

Damit stand das Thema der diesjährigen Praxiswoche fest – ein ausgereiftes Konzept für ein solargetriebenes Leichtfahrzeug, welches die Kompetenzen der angehenden Ingenieure und Ingenieurinnen mit aktueller Technik verbinden soll. Ziel ist, das Leuchtturmprojekt pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum fertigzustellen.

Während fünf intensiver Tage arbeiteten die Studierenden in Gruppen an unterschiedlichen Lösungsansätzen für das Jubiläumsfahrzeug. Es wurde diskutiert, recherchiert, präsentiert, prototypisiert, verfeinert und manchmal auch wieder verworfen – ganz so, wie es der kreative Prozess anspruchsvoller Entwicklungsprojekte mit sich bringt. Mit fachlicher Unterstützung der Dozierenden gelang es allen Gruppen, ihre finalen Konzepte am Freitagvormittag vorzustellen. Die Vielfalt und Qualität der Ergebnisse zeugen vom Engagement und der Innovationskraft der zukünftigen Ingenieurinnen und Ingenieure – und geben einen vielversprechenden Ausblick auf das Jubiläumsprojekt 2030.

Design trifft Handwerk: Der Weg vom ersten Strich zum Prototyp-Modell

In diesem Studiengang wurden Papier und Bleistift noch nicht durch KI und digitale Sketching-Tools ersetzt – hier kommt es auf handwerkliches Können und echte Kreativität an. Davon waren auch die Studierenden überzeugt, die sich für dieses Modul entschieden haben. Die Aufgabe bis zum Ende der Woche: ein leichtes, modulares Fahrzeug mit drei oder vier Rädern für den Transport von Gütern, Personen oder beidem aus Spezialschaum und Holz entwerfen. Dafür eigneten sich die Studierenden die Grundlagen des «Sketching» an und verwandelten ihre Ideen Schritt für Schritt in ein greifbares Modell.

Unterstützt wurden sie von Andrew McGeachy, Freelance Designer und Illustrator/Künstler. Der Automobilingenieur entdeckte schon früh seine Leidenschaft für Fahrzeuge und kombinierte sie mit seinem zeichnerischen Talent. Er arbeitete als Designer für renommierte Hersteller wie Volkswagen, Jaguar oder Pilatus Aircraft – Erfahrung, von der die Studierenden direkt profitieren können.

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