Wälder als Hoffnungsträger

05.03.2026 Der Krieg hat die ukrainischen Wälder schwer getroffen. Eine internationale Studie unter der Leitung der BFH-HAFL zeigt, wie sich die Natur erholen kann – und warum Wälder für die Zukunft des Landes entscheidend sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund ein Drittel der ukrainischen Wälder ist durch Krieg, Brände und Verminung stark geschädigt, während Holz gleichzeitig dringend für Wiederaufbau und Energie gebraucht wird.

  • Eine internationale Studie unter Leitung der BFH‑HAFL zeigt, wie sich Wälder trotz schwieriger Bedingungen nachhaltig erholen können.

  • Erfolgreicher Wiederaufbau gelingt nur durch die Kombination aus nachhaltiger Holznutzung, naturnaher Aufforstung und transparenter Steuerung.

Die Ukraine verfügt über 10,4 Millionen Hektar Wald – das sind fast 16 Prozent der Landesfläche. Der Krieg hat diese Wälder massiv belastet: Rund ein Drittel der Waldflächen sind betroffen, viele Gebiete sind vermint und Brände haben seit Kriegsbeginn zusätzlich Schaden angerichtet. Gleichzeitig steigt der Druck auf den Forstsektor: Holz wird für den Wiederaufbau und für Energie dringend benötigt, doch fehlt es vielerorts an Fachkräften sowie an Ressourcen wie Maschinen oder IT-Systemen. 

Die zentrale Frage lautet: Wie können die Wälder unter diesen Bedingungen schnell und nachhaltig wieder aufgebaut werden? Genau hier setzt die aktuelle Studie an.

Beschädigter Baum in einem ukrainischen Wald – sichtbare Spuren des Krieges. (Foto: Serhii Korovayny, WWF Ukraine)
Sichtbare Spuren des Krieges (Foto: Serhii Korovayny, WWF Ukraine)

Hoffnung Wald

«Wälder sind mehr als Holzlieferanten. Sie schützen vor Überschwemmungen und Erosion, speichern CO₂ und bieten Lebensraum. Damit sie diese Funktionen erfüllen können, müssen wir ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele zusammendenken», sagt Dr. Mariana Melnykovych von der BFH-HAFL. Erholen sich die Wälder, stärkt das auch die Erholung des Landes. Die Studie zeigt konkrete Wege, wie der Wiederaufbau funktionieren kann.

Wälder sind mehr als Holzlieferanten. Sie schützen vor Überschwemmungen und Erosion, speichern CO₂ und bieten Lebensraum.

  • Dr. Mariana Melnykovych Senior Researcher

Die Studie kommt zum Schluss, dass die Kombination von drei Ansätzen zu einem nachhaltigen Wiederaufbau führt: 

  1. Holz gezielt und verantwortungsvoll nutzen – für den Wiederaufbau und für Energie. Entscheidend ist, dass dies nachhaltig geschieht, damit Schutzfunktionen des Waldes erhalten bleiben. 
  2. Naturnah aufforsten – mit digitalen Werkzeugen und lokalen Gemeinschaften. Zum Beispiel durch Satellitendaten, um Schäden zu erfassen und geeignete Baumarten zu wählen, kombiniert mit aktiver Mitarbeit der Bevölkerung.
  3. Gute Steuerung und Transparenz stärken – klare Zuständigkeiten, offene Daten, moderne Kontrollsysteme und die Einbindung der Bevölkerung sorgen dafür, dass Massnahmen langfristig wirken. 

«Nur auf einen Weg zu setzen, reicht nicht aus. Erst die Verbindung der drei Ansätze schafft Resilienz – für Natur, Wirtschaft und Gesellschaft», betont Melnykovych.

Forschung, die wirkt

Die Studie kombiniert Literatur- und Politikanalysen, Satellitendaten, amtliche Statistiken sowie Interviews mit ukrainischen Fachleuten. Sie entstand aus mehrjährigen Kooperationen mit ukrainischen Partnern: «Die Studie ist ein Beispiel dafür, wie kontinuierliche Zusammenarbeit zu wirksamer Forschung führt – mit Empfehlungen, die für die Politik relevant sind», sagt Melnykovych. «Unsere Ansätze sind praxisnah und lassen sich auch auf andere Länder übertragen.»

Ein Drittel der ukrainischen Wälder ist durch Krieg, Brände und Verminung geschädigt.
Ein Drittel der ukrainischen Wälder ist durch den Krieg geschädigt. (Foto: Serhii Korovayny, WWF Ukraine)

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