- News
Zirkuläre PV-Anlagen: Kann Wiederverwendung die Energiewende beschleunigen?
23.06.2026 Gemeinsam mit der Zug Alliance untersucht die BFH, ob und unter welchen technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Voraussetzungen sich in der Schweiz ein funktionierendes Ökosystem für die Wiederverwendung von Photovoltaik-(PV)-Komponenten etablieren lässt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die BFH und Zug Alliance prüfen den Aufbau eines Reuse-Ökosystems für PV-Komponenten in der Schweiz.
- Untersucht werden technische, wirtschaftliche und marktbezogene Grundlagen entlang des gesamten PV-Lebenszyklus.
- Ziel ist ein digitaler Marktmechanismus für Second-Life-PV und die Skalierung von Wiederverwendung.
Der Ausbau der Photovoltaik ist eine zentrale Voraussetzung für die Energiewende. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen: Gebäude werden umgenutzt, regulatorische Rahmenbedingungen verändern sich und Investitionsentscheidungen müssen zunehmend flexibel getroffen werden. Hinzu kommt, dass in den kommenden Jahren immer mehr PV-Anlagen das Ende ihres ersten Lebenszyklus erreichen oder im Zuge von Repowering-Projekten ersetzt werden – obwohl viele der ausgebauten Komponenten technisch weiterhin einsetzbar wären.
Bislang fehlen jedoch häufig die Voraussetzungen für eine systematische Wiederverwendung. Angebot und Nachfrage sind wenig transparent, Qualitätsanforderungen uneinheitlich und etablierte Marktmechanismen kaum vorhanden. Genau hier setzt das Projekt an. Ziel ist es, eine fundierte Entscheidungsgrundlage für den Aufbau eines wirtschaftlich tragfähigen Reuse-Ökosystems für PV-Komponenten in der Schweiz zu schaffen. Im Fokus steht dabei nicht nur die Wiederverwendung einzelner Module, sondern die ganzheitliche Betrachtung von PV-Anlagen und ihren Komponenten über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
In einem ersten Schritt werden Marktpotenziale und bestehende Lösungsansätze analysiert. Anschliessend werden Akteure entlang der Wertschöpfungskette – von Installationsunternehmen über Immobilienentwickler bis hin zu Second-Life-Anbietern – eingebunden, um Anforderungen, Zahlungsbereitschaften und potenzielle Anwendungsfälle zu identifizieren. Auf dieser Grundlage wird ein Pilotkonzept entwickelt und bewertet.
Besonders innovativ ist die Verbindung technischer, wirtschaftlicher und marktbezogener Perspektiven sowie die Nutzung realer Anwendungsfälle der Zug Alliance als Ausgangspunkt. Daraus sollen konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet und die Basis für ein strukturiertes Reuse-Ökosystem in der Schweiz geschaffen werden.
Fallen die Ergebnisse positiv aus, ist in einem Folgeprojekt die Umsetzung eines Pilotvorhabens vorgesehen. Ziel ist der Aufbau eines digital unterstützten Marktmechanismus, der Angebot und Nachfrage von wiederverwendbaren PV-Komponenten zusammenführt und so die Skalierung von Second-Life-PV in der Schweiz fördert.
Mit dem Projekt wollen die BFH und die Zug Alliance neue Wege für einen ressourcenschonenden Ausbau der Solarenergie aufzeigen und die Grundlage für zirkuläre Geschäftsmodelle in der Schweizer Solarbranche schaffen. Langfristig soll Wiederverwendung so zu einem integralen Bestandteil der Energiewende und der Solarindustrie in der Schweiz werden.
Über die Zug Alliance
Die Zug Alliance ist ein 2024 gegründeter Verein mit Sitz im Kanton Zug. Sie bündelt Kräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, um die Dekarbonisierung von Energie, Infrastruktur und Mobilität durch sektorübergreifende Zusammenarbeit (Sektorkopplung) zu beschleunigen und Leuchtturmprojekte anzustossen.
Zu den Gründungsmitgliedern zählen neben der AMAG Group die Tech Cluster Zug AG, Siemens Schweiz, die Cham Swiss Properties, Zug Estates, die Zugerland Verkehrsbetriebe sowie die WWZ – in enger Zusammenarbeit mit dem Kanton und der Stadt Zug und unterstützt von wissenschaftlichen Partnern. Geleitet wird der Verein von den Co-Geschäftsführern Philipp Wetzel (AMAG Group) und Andreas Bittig (Tech Cluster Zug/Multi Energy Zug).