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Führung neu denken oder die Haltung macht den Unterschied

09.03.2026 Wie können wir künstliche Intelligenz und andere digitale Tools nutzen? Dies fragen sich immer mehr Führungskräfte im Sozialbereich. Ein neuer Fachkurs unterstützt Projekt- und Teamleitende, digitale Vorhaben in ihrer Organisation umzusetzen. Dabei zeigt sich: Nicht die Technik entscheidet über Erfolg oder Misserfolg, sondern die Haltung und die Herangehensweise.

Das Wichtigste in Kürze

  • Damit digitale Transformation im Sozialbereich gelingt, sollten Führungspersonen die Mitarbeitenden einbinden, die richtigen Fragen stellen und Orientierung geben. 

  • Am Beispiel eines Team-Workshops zeigt sich, wie Führung durch Beteiligung, gemeinsames Lernen und geschützte Experimentierräume Unsicherheit in Motivation verwandelt. 

  • Erfolgreiche Führung in digitalen Zeiten bedeutet auf Augenhöhe Orientierung zu geben, Verantwortung zu teilen und so den Wandel gemeinsam aktiv zu gestalten. 

Der digitale Wandel – allen voran die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI) – bringt Fragen und Unsicherheiten mit sich. Unterschiedliche Wissensstände im Team, Sorgen um die Datensicherheit oder die Angst, den Anschluss zu verpassen, sind nur einige Beispiele. Gleichzeitig stehen Organisationen im Sozialwesen unter Druck, rechtzeitig auf die Entwicklung zu reagieren.

Wie ein sinnvoller Umgang mit den veränderten medialen Möglichkeiten aussehen kann, zeigt die Erfahrung einer Beratungsstelle für Menschen mit Beeinträchtigung. Neben der klassischen Beratung gehören auch Informationsveranstaltungen und eine Sensibilisierung zu ihrem Auftrag. Die Leitung der Beratungsstelle stellte sich mit ihrem Team die Frage: Soll KI die Arbeit unterstützen – und wenn ja, in welcher Form?
Im Team herrschte Unsicherheit. Manche Mitarbeitenden waren neugierig, andere skeptisch. Wieder andere verfügten bereits über erste Erfahrungen. Die Leitung spürte: Damit aus Unsicherheit kein Stillstand wird, braucht das Team Orientierung und Räume, um Neues auszuprobieren. 

Team-Workshop (Symbolbild)
Ein Workshop mit dem ganzen Team ermutigt, Neues auszuprobieren.

Workshop als Wendepunkt

Um gemeinsam Antworten zu finden, organisierte die Führungsperson einen Team-Workshop, der Wissen und Praxis miteinander verband: In einem ersten Teil wurden grundlegende Kompetenzen im Umgang mit KI vermittelt. Eine eingeladene Fachperson zeigte Chancen und Risiken aus fachlicher, rechtlicher und ethischer Perspektive auf. Anschliessend konnte das ganze Team mit KI-Tools arbeiten, verschiedene Prompt-Arten ausprobieren und die Ergebnisse diskutieren.

Für das Team war dieser Tag ein Augenöffner. Alle konnten ihre Perspektiven einbringen und wurden in die Suche nach Lösungen einbezogen. Es entstand ein gemeinsames Verständnis dafür, was sie mit KI in der Beratungsstelle erreichen möchten. Anfängliche Skepsis und Unsicherheit wandelten sich in Neugier und Orientierung. 
Für die Leitung war klar, dass der Workshop nicht nur der Wissensvermittlung dienen sollte. Er war ein erster gemeinsamer Schritt auf dem Weg zur digitalen Transformation, auf dem das Team Verantwortung mit übernimmt. Der Workshop schuf eine gemeinsame Grundlage, auf der nun nächste Schritte aufbauen, wie etwa die Erarbeitung eines Leitfadens zur Anwendung von KI.

Führung bedeutet nicht, alle Antworten zu haben, sondern die richtigen Fragen zu stellen, Orientierung zu geben und auf Augenhöhe gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

  • Dalia Schipper Co-Studiengangsleitung

Was Führung wirklich ausmacht

Digitale Vorhaben im Sozialbereich sind keine reinen IT-Projekte. Sie bringen mehr mit sich als nur technische Fragen. Sie verlangen von Führungspersonen, im Change Management eine klare Rolle einzunehmen. Eine Projektleitung oder ein Teamlead kann dafür sorgen, dass sich im Team Kompetenzen weiterentwickeln und die Offenheit – auch im Umgang mit Ängsten – gefördert wird. Die Haltung der Führungsperson entscheidet darüber, ob alle die anstehenden Veränderungen mittragen.

Aufgrund der vielen offenen Fragen, sich wandelnder Ziele, unklarer Herausforderungen und Folgeschritte bei einem Digitalisierungsprojekt ist ein klarer Rahmen der Führungskraft wichtig. Chaim Omer (zitiert nach Baumann-Habersack, 2021) hat dafür die transformative Autorität als Führungshaltung beschrieben. Sie beruht auf folgenden Qualitäten:

  • mehr Beziehungswissen als Fachwissen – Mitarbeitende werden aktiv in Lösungen einbezogen;
  • mehr Vertrauen als Kontrolle – Entwicklung entsteht aus Eigenverantwortung;
  • mehr Gleichwertigkeit als Hierarchie – Führung gelingt auf Augenhöhe;
  • mehr Transparenz als Führen im Nebel – offene Kommunikation stärkt Beteiligung und Engagement.

Führung bedeutet nicht, alle Antworten zu haben, sondern die richtigen Fragen zu stellen, Orientierung zu geben und auf Augenhöhe gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Diese Haltung zeigt sich im Alltag durch Präsenz, Selbstführung, Kooperation mit anderen Leitungspersonen, Transparenz in Entscheidungen, Wiedergutmachung nach Fehlern, Beharrlichkeit in Konflikten und Reflexion der eigenen Rolle.

Hilfreiches Werkzeug

Damit Führungspersonen wissen, wo ihre Organisation in digitalen Fragen steht und welche Schritte sinnvoll sind, wurde der DigitalCheck entwickelt. Er prüft zentrale Dimensionen wie Strategie, Kultur, Ressourcen oder Expertise.

In der Beratungsstelle für Menschen mit Beeinträchtigung zeigten sich folgende Dimensionen:

  • den Wandel steuern – KI wurde als strategisches Thema erkannt;
  • Impulse setzen – Mitarbeitende erhielten die Möglichkeit zu experimentieren;
  • Team befähigen – es entstand eine gemeinsame Wissensbasis;
  • Verantwortung übernehmen – die Leitung legt klare Rahmenbedingungen fest.

So wurde aus einer vagen Idee ein strukturierter Ent-wicklungsprozess – mit Beteiligung aller.

Ihr Nutzen als Führungsperson

Der Fachkurs «Führung neu denken – Wandel gestalten in digitalen Zeiten» vermittelt genau diese Kompetenzen. Sie lernen,

  • wie Sie Ihr Team in digitalen Projekten mitnehmen,
  • wie Sie mit dem DigitalCheck Orientierung gewinnen
  • und wie Sie durch Ihre Haltung zum entscheidenden Erfolgsfaktor werden.

Sie möchten sofort herausfinden, wo Ihre Organisation steht? digitalcheck.sozialinfo.ch

Mitautorin dieses Artikels: Sabine Muff, Produktemanagerin Digitalisierung bei Sozialinfo und BFH-Lehrbeauftragte

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