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Gemeinsam gegen Mobbing in der Schule

27.08.2026 Mobbing findet an jeder Schule statt. Die Schulsozialarbeit sorgt dank eines vielfältigen und gezielten Interventionsrepertoires für nachhaltige Lösungen. Wichtige Faktoren für einen Erfolg: Fachkompetenz, systemisches Denken und dass alle Beteiligten eng zusammenarbeiten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Je früher Mobbing erkannt wird, desto wirksamer können Schulsozialarbeit und Schule intervenieren und verfestigte Gruppendynamiken verhindern.

  • Eine sorgfältige Situationsanalyse hilft, Mobbing von anderen Konflikten zu unterscheiden und passende unterstützende und disziplinierende Massnahmen zu kombinieren.

  • Nachhaltige Lösungen entstehen durch die enge Zusammenarbeit von Schulsozialarbeit, Lehrpersonen, Schulleitung und Eltern - und durch eine konsequente Nachsorge, die das Klassenklima langfristig stärkt.

Eine Lehrperson, nennen wir sie Sarah Waldner, meldet sich beim Schulsozialarbeiter Paolo Conti. Die Eltern eines Kindes aus ihrer Klasse haben ihr berichtet, dass ihr Kind sich regelmässig schwertut, in die Schule zu gehen. Auch der Lehrerin ist aufgefallen, dass es wiederholt zu abwertenden Äusserungen, Augenverdrehen und ausgrenzenden Kommentaren gekommen ist, wenn mit dem Kind eine Arbeitsgruppe gebildet werden sollte.

Dank einer schulinternen Weiterbildung zum Thema Mobbing, in der neben Fachwissen auch interne Abläufe besprochen wurden, weiss Sarah Waldner, wie wichtig es ist, bei einem allfälligen Mobbingverdacht frühzeitig zu reagieren und sich an die Schulsozialarbeit zu wenden. Ihr ist ebenfalls bewusst, dass ein Mobbingopfer nicht ohne Hilfe aus dieser Situation herauskommt.

Mobbingfälle gibt es an jeder Schule. Betroffene leiden stark.
Mobbingfälle gibt es an jeder Schule. Betroffene leiden stark.

Konflikt oder Mobbing?

Paolo Conti orientiert sich am bestehenden Schulkonzept zum Umgang mit Mobbing und klärt gemeinsam mit der Lehrkraft sowie der Schulleitung die nächsten notwendigen Schritte. Zunächst ist eine Situationsanalyse erforderlich. Dazu nutzt der Schulsozialarbeiter seine diagnostische Kompetenz, um die Konfliktereignisse in ihrer Dynamik und Schwere differenziert zu bewerten und die Gruppendynamik in der Klasse zu erfassen.

Diese sorgfältige Analyse ist entscheidend, um Mobbing von anderen Konflikten zu unterscheiden, und bildet die Grundlage für die weitere Arbeit sowie die Wahl der Interventionen. Dabei wird zwischen unterstützenden Massnahmen, wie dem No-Blame-Approach oder der systemischen Kurzintervention, und disziplinarischen Massnahmen, wie konfrontierenden Gesprächen, unterschieden.

Bei komplexeren Konflikten oder Mobbing-Situationen ist in der Regel ein kombinierter Ansatz erforderlich, der beide Arten von Massnahmen miteinander verbindet.

Gruppendynamiken systemisch verstehen

Mobbing ist ein Gruppenphänomen, das sich in Phasen entwickelt. In der Testphase (Schmidt et al., 2021) wird erkundet, wer sich als «Opfer» eignet. Wird dieses Verhalten geduldet, folgt die Konsolidierungsphase: Die Rollen innerhalb der Gruppe differenzieren sich aus, und es bildet sich eine «Mauer des Schweigens» gegenüber den Erwachsenen. Dadurch verlieren die Lehrpersonen den Zugang zu den Kindern und Jugendlichen und damit auch ihren Einfluss. In der Manifestationsphase ist das Mobbing vollständig etabliert und die Gruppe rechtfertigt ihre Handlungen als legitim.

Da die Wirksamkeit von Interventionen mit der zunehmenden Verfestigung der Mobbingstrukturen sinkt, ist ein rechtzeitiges Einschreiten in der Testphase entscheidend. Eine gezielte Sensibilisierung der Lehrpersonen und Erziehungsberechtigten ist unerlässlich, um die teilweise subtilen Warnsignale zu erkennen und damit die Früherkennung zu fördern.

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Der Fachkurs macht Sie mit der Arbeitsweise einer systemischen Schulsozialarbeit vertraut. Die Lehrbeauftragten im Fachkurs sind seit Jahren in der Schulsozialarbeit tätig, zu ihnen gehören auch die Autorinnen dieses Beitrags. 

Mobbing-Intervention braucht Teamarbeit

Teamarbeit ist ein unverzichtbarer Baustein, um Mobbingfälle nachhaltig zu bearbeiten. Das Leitprinzip lautet hier: «Never walk alone.» Ohne die konstruktive Zusammenarbeit mit der Schulleitung, den Lehrpersonen und den Eltern stossen Schulsozialarbeitende schnell an ihre Grenzen.

Eine gelingende Kooperation zwischen Schule und Schulsozialarbeit setzt zudem Rollenklarheit voraus: Während Schulsozialarbeitende in ihrer Rolle als Beratende ausschliesslich unterstützend tätig sind, können Schulleitungen und Lehrpersonen sowohl unterstützende als auch disziplinarische Massnahmen ergreifen. Die Verantwortung für pädagogische Entscheidungen und schulische Massnahmen liegt bei den Lehrpersonen und der Schulleitung.

Nachhaltige Veränderung durch Nachsorge

Im dichten Schulalltag gerät die wichtige Nachsorge nach einer Intervention oft in den Hintergrund. Wenn sich die Lage beruhigt hat, lässt die Aufmerksamkeit für das Klassenklima oft nach. So besteht die Gefahr, dass die Klasse in alte, destruktive Muster zurückfällt. Um neue Mobbing-Dynamiken zu verhindern, braucht es ein multiprofessionelles Team, das auch über die akute Krise hinaus präsent bleibt und die Beziehungsarbeit langfristig priorisiert.

In unserem Beispiel könnte dies bedeuten, dass Lehrerin Sarah Waldner regelmässig das Klassenklima mit ihren Schüler*innen überprüft, mit einzelnen Schüler*innen Gespräche führt, im engen Kontakt mit Eltern bleibt und weiter am Klassenklima arbeitet. Dabei wird sie von ihrem Klassenteam, der Fachperson für Heilpädagogik, der Schulleitung und der Schulsozialarbeit unterstützt.

Wenn ein Schulteam gemeinsame Haltung vorlebt und vertritt, klare Grenzen setzt und sich gegenseitig unterstützt, erleben alle Kinder und Jugendlichen die Schule als einen sicheren Ort.

Hinweis zum Printmagazin

Dieser Artikel ist im Printmagazin des Departements Soziale Arbeit erschienen. Sie sind interessiert an regelmässigen Beiträgen über unsere Forschungsprojekte oder Lehrinhalte? Abonnieren Sie unser Printmagazin «impuls».

Autorinnen:

  • Rahel Lischer, Schulsozialarbeiterin Jegenstorf und Lehrbeauftragte BFH
  • Christine Mäder, Schulsozialarbeiterin Uetendorf und Lehrbeauftragte BFH

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