- Story
Veränderung begleiten statt Widerstände bekämpfen
22.05.2026 Widerstand, Einwände und Skepsis gehören zu Veränderungsprozessen fast automatisch dazu. Ein Absolvent des CAS «Changeprozesse als Facilitator*in begleiten» beschreibt, wie sich sein Umgang damit verändert hat und weshalb er heute weniger überzeugen will und stattdessen gezielt Raum für unterschiedliche Perspektiven schafft.
Das Wichtigste in Kürze
- Das CAS richtet sich an Führungspersonen und Fachexpert*innen, die Veränderungsprozesse in komplexen Organisationen bewusst, dialogorientiert und wirksam begleiten möchten.
- Alain Grütter, Produktmanager Grundbildung ICT bei der SBB Informatik, hat durch das CAS seinen Umgang mit Widerstand und Ablehnung neu ausgerichtet.
- Der interprofessionelle Austausch eröffnete neue Perspektiven, die weit über den eigenen beruflichen Kontext hinauswirken.
Was hat Sie dazu bewogen, das CAS «Changeprozesse als Facilitator*in begleiten» an der BFH zu absolvieren?
Alain Grütter: Ein mehrteiliges Online-Seminar zur «Inneren Präsenz» im Herbst 2022 war für mich ein wichtiger Wendepunkt. Es hat mein Interesse an Facilitation nachhaltig beflügelt. Als ich später auf das modulare CAS-Angebot der BFH stiess, das den Fokus explizit auf das Begleiten von Changeprozessen legt, war für mich klar: Das passt genau zu meinem aktuellen beruflichen und persönlichen Entwicklungsbedarf.
Zur Person
Alain Grütter ist seit dem 1. Dezember 2024 als Produktmanager Grundbildung ICT (Talent Factory) bei der SBB Informatik tätig. Parallel dazu absolvierte er von 2024 bis 2026 das CAS «Changeprozesse als Facilitator*in begleiten» an der BFH.
Zuvor war er Teamleiter der Ausbildenden Sicherungsanlagen der Standorte Biasca, Goldau und Murten. In dieser Zeit absolvierte er auch die SVEB-Ausbildung mit dem eidgenössischen Fachausweis «Ausbilder» sowie den Doppelabschluss «MAS Adult and Professional Education (AP-E)» mit dem Diplom «Erwachsenenbildner HF». Seine Laufbahn begann mit einer Lehre als Bahnbetriebsdisponent, gefolgt von Tätigkeiten als Zugverkehrsleiter, Ausbilder für Zugverkehrsleiter und Produktmanager Leittechnik im Bereich Bahnautomatisierung.
Welche Ausgangssituation hatten Sie in Ihrem Job?
Ich war in der betrieblichen Weiterbildung der Personal-, Organisations- und Kulturentwicklung der SBB tätig. In meiner Rolle als Teamleiter und Ausbilder der Zweitausbildungslehrgänge im Fachgebiet Stellwerks- und Sicherungsanlagen war ich zusammen mit dem Team für die Durchführung der Module und Kurse verantwortlich.
«Im neu formierten Team legen wir grossen Wert auf beziehungsorientiertes Kennenlernen.»
Wie wenden Sie das Gelernte heute konkret in Ihrer Rolle an? Können Sie ein Beispiel für einen begleiteten Veränderungsprozess geben?
Die Phasen der «Theorie U» habe ich nicht nur theoretisch kennengelernt, sondern im Studiengang selbst und parallel dazu in meiner beruflichen Veränderung unmittelbar erlebt. Besonders in der Phase meines internen Stellenwechsels zum 1. Dezember 2024 wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, Startphasen bewusst zu gestalten. Im neu formierten Team legen wir deshalb grossen Wert auf beziehungsorientiertes Kennenlernen und ein gestaffeltes Onboarding.
Was hat sich durch das CAS in Ihrer Arbeitsweise spürbar verändert?
Mein Blick auf Einwände und Widerstand hat sich deutlich verändert. Statt diese möglichst rasch aus dem Weg zu räumen, interessieren mich heute die persönlichen Blickwinkel meines Gegenübers viel stärker. Das Bedürfnis, meine eigene Meinung zu verteidigen oder andere zu überzeugen, ist klar in den Hintergrund getreten, zugunsten eines echten Dialogs. Ich muss heute nicht überzeugen, ich will verstehen.
«Statt Widerstände möglichst rasch aus dem Weg zu räumen, interessieren mich heute die persönlichen Blickwinkel meines Gegenübers viel stärker.»
Das CAS ist interprofessionell ausgerichtet. Welche Erfahrungen haben Sie in der Zusammenarbeit mit Teilnehmenden aus anderen Professionen gemacht und was hat Ihnen das für Ihre eigene Praxis gebracht?
Besonders bereichernd war für mich der Austausch mit Teilnehmenden aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern. Dabei wurde immer wieder sichtbar, wo es Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede gibt. Gerade bei Themen wie Fehlerkultur oder sicheren Handlungen habe ich viele Parallelen zwischen dem Bahnbetrieb und dem Gesundheitsbereich entdeckt und daraus konkrete Inspiration für meine eigene Praxis mitgenommen. Im Design-Thinking-Fachkurs entwickelten wir zudem gemeinsam einen «interprofessionellen Prototypen» und entwickelten dann ein Tandem-Gotte/Götti-Modell, das Berufsanfänger*innen dabei unterstützen soll, auch in potenziell überfordernden Situationen mental stabil zu bleiben. Diese Zusammenarbeit über Berufsgrenzen hinweg war für mich besonders wertvoll.