- Story
Köpfe der Forschung: Yannick Wey
09.02.2026 Yannick Wey ist promovierter Musikforscher am Institut Interpretation. Wir haben mit ihm über Blasmusik, das Jodeln als immaterielles Kulturerbe und sein Instrument, die Trompete gesprochen.
Yannick Wey absolvierte einen Master in Musik an der Zürcher Hochschule der Künste mit Schwerpunkt Trompete. Später promovierte er an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck. Nach langjähriger Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Forschungsdozent an der Hochschule Luzern kam er 2023 als Senior Researcher ans Institut Interpretation der HKB. Seit 2025 koordiniert er dort das Forschungsfeld «Musik und Kulturerbe» und forscht im SNF-Projekt «Das Hundwil-Konvolut».
Yannick Wey, die Trompete spielt eine zentrale Rolle in deinem Leben. Wie kam’s?
Das habe ich geerbt. Mein Vater war Trompetenlehrer und so kam ich ganz früh zu diesem Instrument, von dem ich zuhause umgeben war. Das Tolle an der Trompete ist, dass sie in den verschiedensten Musikgenres, Epochen und Kulturen eine Rolle spielt und einem so praktisch überallhin folgen kann. Wenn man das Glück hatte, früh Trompete zu lernen, kann man sich breit integrieren und Anschluss finden – was natürlich auch für andere Instrumente gilt.
«Das Tolle an der Trompete ist, dass sie in den verschiedensten Musikgenres, Epochen und Kulturen eine Rolle spielt und einem so praktisch überallhin folgen kann.»
Du beschäftigst dich aktuell im SNF-Projekt «Das Hundwil Konvolut» mit Musikgesellschaften der Blasmusik während des 19. Jahrhunderts. Inwiefern hatte die Bodensee-Region hier eine Vorreiter-Rolle inne?
Damals trafen sich technologische und politische Umwälzungen sowie musikalische Neuentwicklungen. Wir denken oft, unsere Zeit sei diesbezüglich schnelllebig – verglichen mit dem frühen 19. Jahrhundert läuft es aber heute geradezu gemütlich. Am Bodensee waren das zu dieser Zeit neue Staatenbildungen und internationale Beziehungen, die Revolution der Mobilität durch die Dampfschifffahrt und später die Eisenbahn. Musikalisch kam der neue Sound der Blasmusiken in den Hafenstädten rund um den See auf, die moderne Instrumente und Repertoires für eine breites Publikum spielten.
2024 führte dich deine Forschungsarbeit bis nach Brasilien und Washington. Erzähl uns mehr darüber.
Ich hatte einerseits die Gelegenheit, mich als Gastforscher in Belém do Pára mit indigener und afrobrasilianischer Musik zu beschäftigen. Dabei konnte ich vor allem viel von den brasilianischen Kolleg*innen lernen über ihre Ansätze und Methoden der Musikforschung zu gesellschaftlich relevanten Themen. Auch dort holte mich die Trompete wieder ein, als ich zum Mitspielen in eine lokale Band eingeladen wurde.
Seit 2024 unterrichte ich andererseits in Leavenworth/WA Alphorn am grössten Alphornfestival der USA – eine Tätigkeit, die aus der Forschung zu Geschichte und Musik des Alphorns hervorging. Die Alphorn-Community in Nordamerika ist relativ klein, aber sehr innovativ und enthusiastisch, das Interesse an Forschung zu alpinen Musiktraditionen gross.
Schweizer Jodeln wurde im Dezember 2025 von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe der Menschheit anerkannt. Du forschst seit Jahren zu Volksmusik in der Schweiz und hast auch deine Dissertation in diesem Feld verfasst. Welchen Einfluss, denkst du, hat dieser Entscheid nun auf deine Arbeit?
Das wird sich in den kommenden Jahren erst zeigen. Die Einschreibung ist eine grosse Anerkennung für die Pflege des Kulturerbes, für die sich insbesondere der Eidgenössische Jodlerverband sei über hundert Jahren engagiert. Gleichzeitig kann darin ein Auftrag gelesen werden, die lebendigen Traditionen in die Zukunft zu tragen. Mein Fokus liegt zurzeit auf dem Sichern und Zugänglichmachen von alten Tonaufnahmen, die dokumentieren, wie früher abseits von Tonstudios gejodelt und Alphorn gespielt wurde. Hierbei geht es vorrangig um Tonträger-Unikate, die vom Zerfall oder Verlorengehen bedroht sind.