- Story
Perinatale psychische Belastungen früh erkennen und gemeinsam handeln
12.10.2026 Claudia Kuratli begleitet als Hebamme Frauen und Familien in einer besonders sensiblen Lebensphase. Mit dem SAS Perinatale psychische Gesundheit der BFH hat sie ihr Wissen zu psychischen Erkrankungen rund um Schwangerschaft und Geburt vertieft und die interprofessionelle Zusammenarbeit gestärkt.
Das Wichtigste in Kürze
- Vertieftes Wissen über perinatale psychische Gesundheit stärkt die Sicherheit im Berufsalltag.
- Frühzeitiges Erkennen von psychischen Belastungen ermöglicht eine gezielte Unterstützung von Frauen und ihren Familien.
- Die Weiterbildung fördert die Vernetzung und damit die interprofessionelle Zusammenarbeit und erleichtert so die koordinierte Versorgung von Familien.
Gab es in Ihrem Berufsalltag eine Situation, in der Ihnen bewusst wurde, wie wichtig fundiertes Wissen über perinatale psychische Erkrankungen ist?
Claudia Kuratli: Als Hebamme in eigener fachlicher Verantwortung begleite ich Frauen und Familien in einer vulnerablen Phase ihres Lebens. Neben der Unterstützung von physiologischen körperlichen Prozessen ist es ebenso wichtig, Abweichungen im Bereich der perinatalen psychischen Gesundheit zu erkennen und bei Bedarf weitere Fachpersonen einzubeziehen. Gemeinsam ermöglichen wir der Familie so den optimalen Start in die veränderte Situation.
Eine Frau, bei der eine Depression diagnostiziert wurde und die einen Kindsverlust erlitten hatte, hat sich während einer erneuten Schwangerschaft für eine engmaschige Betreuung bei mir gemeldet. Parallel dazu suchte sie regelmässig ihre Psychologin auf. Die Schwangerschaft erforderte eine sehr zeitintensive und fachlich herausfordernde Begleitung. Dabei konnte ich auf meine Erfahrung, auf das im Kurs vermittelte Fachwissen und auf meine Vernetzung zurückgreifen. Nach Abschluss der Betreuung äusserte die Frau, dass sie zuversichtlich und gestärkt in die Zukunft mit ihrer Familie blicke.
Gemeinsam ermöglichen wir der Familie den optimalen Start in die neue Lebenssituation.
Zur Person
Claudia Kuratli arbeitet seit 2003 als Hebamme in eigener fachlicher Verantwortung und begleitet Frauen und Familien während Schwangerschaft und Wochenbett. Zuvor war sie unter anderem als Hebamme im KSSW Wolhusen sowie in der Klinik St. Anna in Luzern tätig. Sie absolvierte verschiedene Weiterbildungen, unter anderem zur professionellen Begleitung nach Kindsverlust sowie 2025 das SAS Perinatale psychische Gesundheit an der Berner Fachhochschule. Seit 2016 ist Claudia Kuratli Mutter von Zwillingen.
Was hat sich durch das SAS konkret in Ihrer Arbeit mit Frauen und Familien verändert?
Das Erwerben und Vertiefen von Fachwissen zu psychischen Erkrankungen in der Perinatalzeit gibt mir im Berufsalltag mehr Sicherheit. Ich trete viel selbstbewusster auf und kann den Familien gezielt weitere Fachpersonen und Fachstellen empfehlen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit gibt mir das Gefühl, mit allen Beteiligten auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Das SAS thematisiert auch die koordinierte und integrierte Versorgung. Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem Ihnen das Gelernte dabei geholfen hat, verschiedene Fachpersonen oder Dienste besser einzubeziehen?
Ich begleitete eine Frau, die grosse Unsicherheiten und Ängste hatte. Dies zeigte sich bereits während der Schwangerschaft und setzte sich im Wochenbett zu Hause fort. Ich konnte die Frau und ihren Partner gezielt darauf ansprechen, ihnen erklären, was häufig vorkommt und auf die in ihrem Fall auffälligen Abweichungen von der Physiologie hinweisen. Mit dem Einverständnis der Frau kontaktierte ich ihre Gynäkologin, um eine weitere interdisziplinäre Betreuung zu gewährleisten. Die Gynäkologin hat sich sehr für die Kontaktaufnahme und den fachlichen Austausch bedankt. Gemeinsam haben wir Möglichkeiten einer weiterführenden fachlichen Begleitung bzw. Behandlung organisiert. Dank der guten interdisziplinären Zusammenarbeit konnte ich die Betreuung der Familie beruhigt abschliessen.
Ich trete durch die erworbenen Fachkenntnisse viel selbstbewusster auf und kann auf Augenhöhe mit anderen Fachpersonen kommunizieren.
Warum würden Sie die Weiterbildung anderen Gesundheitsfachpersonen empfehlen?
Hebammen beobachten eine deutliche Zunahme von Frauen, die während der Perinatalzeit von psychischen Erkrankungen betroffen sind. Dadurch entstehen komplexere Betreuungssituationen, die ein hohes Mass an Fachwissen sowie eine interdisziplinäre und interprofessionelle Vernetzung erfordern. Nur so kann ein hoher Qualitätsstandard in Betreuungsberufen rund um die Mutter- bzw. Elternschaft gewährleistet werden. Das SAS vermittelt erweitertes Wissen zu perinatalen psychischen Erkrankungen, zu deren Erkennung und Behandlung sowie zu verschiedenen Versorgungsangeboten. Darüber hinaus werden auch juristische Aspekte und medizinische Sonderfälle thematisiert. Fundiertes Wissen und professionelle Zusammenarbeit stärken unseren Berufsstand und gewährleisten eine zufriedenstellende Pflegesituation.