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Praxisausbildung und Coaching: Studierende stärken, Zukunft gestalten
26.08.2026 Cathérine Huber und Manuela Weber sind als Praxisausbildnerinnen tätig. Im Verlauf des CAS «Praxisausbildung und Coaching in Gesundheitsberufen» haben sie ihre Rolle neu definiert: Sie setzen didaktische Methoden gezielter ein, fördern die Eigenverantwortung der Studierenden und gestalten die Praxisausbildung aktiv mit.
Das Wichtigste in Kürze
- Das CAS Praxisausbildung und Coaching in Gesundheitsberufen stärkt die Kompetenzen von Praxisausbildenden in Coaching, Didaktik und Führung.
- Manuela Weber und Cathérine Huber setzen Methoden wie Lerngespräche, QARRD-Fragetechniken, Reflexion und Intervision gezielt in der Praxisausbildung ein.
- Die Weiterbildung hat ihren Blick auf die eigene Rolle verändert: von der «Nebenaufgabe» hin zu einer bewusst eingenommenen Coaching- und Gestaltungsrolle.
Ich möchte die Arbeit der Praxisausbildnerin sichtbar machen.
Manuela Weber und Cathérine Huber, wenn Sie Ihre heutige Rolle als Praxisausbildnerin mit der Zeit vor dem CAS vergleichen, was machen Sie heute anders?
Manuela Weber: Durch die bisher besuchten Module hat sich mein Verständnis meiner Rolle als Praxisausbildnerin deutlich verändert. Ich habe Wirkungsfelder entdeckt, die mir zuvor noch nicht bewusst waren. Es hat in mir den Drang geweckt, die Arbeit als Praxisausbildnerin sichtbar zu machen und ebenfalls dem Team der Praxisausbildung ein Gesicht zu geben. Das CAS hat mir viele Möglichkeiten aufgezeigt, bestehende Abläufe zu hinterfragen oder neue einzubringen. Ich habe zum Beispiel einen Leitfaden für eine neue Teamkultur entwickelt und arbeite im Moment daran, ein Fachforum Praxisausbildung in meinem Betrieb einzuführen.
Cathérine Huber: Vor dem CAS habe ich viele Dinge intuitiv gemacht. Methoden wie Modelllernen oder das Verstärken positiver Emotionen habe ich zwar angewendet, mir war jedoch nicht bewusst, dass es sich dabei um konkrete didaktische Konzepte handelt. Heute setze ich Werkzeuge gezielt ein, um beispielsweise die Denkprozesse meiner Studierenden sichtbar zu machen und ihr Clinical Reasoning gezielt zu fördern. Dazu gehören das Lerngespräch, die QARRD-Fragetechniken kombiniert mit Taxonomiestufen sowie der Nutrition Care Process (NCP).
Auch meine Haltung hat sich verändert. Früher war die Rolle als Praxisausbildnerin für mich eher eine «Nebenaufgabe». Der Satz aus dem CAS «Praxisausbildnerin ist eine Rolle, die ich annehmen und verkörpern muss» hat mich zum Umdenken gebracht. Ich verstehe mich heute als Coach an der Seite der Studierenden. Meine Rolle besteht nicht darin, die Studierenden lediglich zu bewerten. Vielmehr begleite ich ihren Lernprozess, gebe Rückmeldungen, setze Leitplanken und biete Hilfestellungen an. Gleichzeitig rege ich sie zur Reflexion ihres Handelns an. Früher hatte ich das Gefühl, für den Lernprozess der Studierenden verantwortlich zu sein und viel liefern zu müssen. Nun ist mir bewusst, dass die Studierenden in der Eigenverantwortung gestärkt werden müssen und ihren Lernprozess selbst in die Hand nehmen müssen.
Ich verstehe mich heute als Coach an der Seite der Studierenden.
Manuela Weber, können Sie ein konkretes Beispiel aus Ihrem Berufsalltag schildern, bei dem Sie Methoden aus dem CAS direkt umgesetzt haben?
Manuela Weber: Wir haben im ersten Kursteil bereits viele Methoden kennengelernt und direkt angewandt. So konnte ich die neue Herangehensweise auch in meinem Fachteam bei einer Fortbildung einsetzen. Ein Beispiel ist ein einfaches Check-In, mit dem ich die Kolleginnen und Kollegen bewusst abhole und auf ein Thema einstimme, um vorhandenes Wissen zu aktivieren. So fühlt sich jedes Teammitglied angesprochen und willkommen, sich zum Thema zu äussern. Es braucht nicht viel, um dem Team Sicherheit zu vermitteln. Mit den neu erlernten Methoden gelang es mir, eine sehr interaktive Fortbildung mit regem Austausch zu gestalten.
Auch in der direkten Zusammenarbeit mit den Studierenden wende ich das Gelernte an. Das bewusste Einnehmen meiner Rolle als Coach, Facilitatorin oder Expertin und das Wissen um die Future Skills helfen mir, die Studierenden optimal in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Ich traue mich mehr als vor dem CAS, die Individualität der Studierenden zuzulassen und sie weniger hierarchisch, sondern mehr als Coach zu betreuen.
Ich traue mich mehr als vor dem CAS, die Individualität der Studierenden zuzulassen.
Cathérine Huber, was hat Ihnen im CAS konkret geholfen, Studierende heute noch gezielter zu begleiten, gerade auch in herausfordernden Situationen?
Cathérine Huber: Ein wichtiger Punkt ist für mich die Klärung der Erwartungen zu Beginn eines Praktikums. Sowohl die Studierenden als auch wir als Praxisausbildende haben Erwartungen an die kommenden Wochen und die Zusammenarbeit. Wenn wir diese von Anfang an klären, können wir uns besser auf den eigentlichen Lernprozess konzentrieren.
Eine konkrete Erfahrung hat mir zudem gezeigt, wie wichtig offene und transparente Kommunikation gerade in herausfordernden Situationen ist. Die gezielten Anleitungen für Reflexions- und Feedbackgespräche sowie die Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen der Kommunikation waren dabei sehr hilfreich. Ebenso wertvoll war die Intervision: Sie hilft, in schwierigen Situationen einen neuen Blick auf die Situation zu gewinnen und neue Lösungsansätze zu finden.
Auch mit der QARRD-Methode1 habe ich positive Erfahrungen gemacht. Sie hat mir geholfen zu erkennen, wo eine Studierende in ihrem verknüpften Denken steht, und die Aufgaben entsprechend anzupassen. So konnte sich eine Studierende besser auf verschiedene Gesprächsszenarien einer Beratung vorbereiten. Das anschliessende Patientengespräch verlief spürbar sicherer als bei vorherigen Versuchen.
1 QARRD (Questioning Aid for Rich, Real-time Discussion) ist ein Fragetool für Lehrende in Gesundheitsberufen (Mehr Infos).
Manuela Weber, inwiefern hat Sie das CAS dabei unterstützt, im Berufsalltag Verantwortung zu übernehmen und Entwicklungen mitzugestalten?
Manuela Weber: Ich habe aktuell keine offizielle Führungsfunktion. Die Hierarchien in unserem Betrieb werden allerdings sehr flach gelebt. So war es mir möglich, meine Ideen einzubringen und Projekte anzustossen. Die Zukunft wird zeigen, ob nachhaltige Veränderungen übernommen werden können, aber die Motivation meinerseits sowie die des gesamten Ausbildungsteams ist sehr hoch. Im CAS haben wir uns Zeit genommen, um eigene Projekte zu erarbeiten, die von den persönlichen Bedürfnissen der einzelnen Teilnehmenden ausgingen. So war es für mich einfach, mein Projekt direkt in meinem Betrieb einzubringen.
Die Verantwortung für den Lernprozess liegt bei den Studierenden. Ich unterstütze sie dabei wie eine Art Leitplanke.
Gab es ein Thema oder einen Aha-Moment im CAS, der Ihre Sicht auf das Lernen und Ausbilden besonders verändert hat?
Cathérine Huber: Der bereits erwähnte Satz, dass ich meine Rolle aktiv annehmen und verkörpern muss, war sicher ein Aha-Moment. Zum anderen war es die Coaching-Haltung, die ich versuche einzunehmen, um die Studierenden bestmöglich in ihrem Lernprozess zu unterstützen. Ich weiss, dass die Verantwortung für den Lernprozess und den Lernerfolg bei den Studierenden liegt und ich sie auf ihrem Weg wie eine Leitplanke begleite und unterstütze.
Manuela Weber: Für mich gibt es einige. Zum Beispiel ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, sich in seiner Umgebung sicher und angenommen zu fühlen, um lernfähig zu sein. Auch wurde mir klar, dass ich keine Führungsfunktion innehaben muss, um Veränderungen anzustossen. Zudem wurde mir immer deutlicher, wie wichtig eine gute intra- und interprofessionelle Zusammenarbeit im Ausbildungsteam für die Zukunft ist.
Zu den Personen
Cathérine Huber
arbeitet als Ernährungsberaterin BSc BFH am Kantonsspital Baselland (KSBL) an den Standorten Liestal und Bruderholz und ist seit Sommer 2025 zusätzlich als Praxisausbildnerin für Studierende tätig. 2022 schloss sie den Bachelor in Ernährung und Diätetik an der Berner Fachhochschule ab. Im CAS Praxisausbildung und Coaching in Gesundheitsberufen absolvierte sie 2025 das Modul «Kompetent begleiten» sowie 2026 die Module «Innovativ leiten» und das Abschlussmodul.
Manuela Weber
arbeitet als dipl. Physiotherapeutin FH im Kantonsspital Aarau in der Neurologie und Neurochirurgie und begleitet seit mehreren Jahren Studierende der BFH und der Fachhochschule Nordwestschweiz in diesem Fachbereich. Ihre berufliche Laufbahn begann mit der Ausbildung zur dipl. Physiotherapeutin HF; anschliessend arbeitete sie in der Neurorehabilitation und im Ambulatorium der Ortho-/Rheumarehabilitation. Seit 2011 ist sie im Akutspital tätig.