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Warum Pflegefachpersonen bei Endometriose eine Schlüsselrolle spielen
22.01.2026 Endometriose ist eine häufige Erkrankung, die dennoch oft spät erkannt und nicht ganzheitlich behandelt wird. Im Interview zeigt Andrea Santamaria, wie Pflegefachpersonen durch Fachwissen, Vernetzung und eine einfühlsame Betreuung einen echten Unterschied machen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Endometriose wird häufig unterschätzt und erfordert eine frühzeitige, ganzheitliche Begleitung.
- Ein neuer Fachkurs der BFH vermittelt praxisnahes Wissen für eine koordinierte, patient*innenzentrierte Versorgung.
- Ziel ist es, Fachpersonen im Gesundheitswesen für eine kompetente und empathische Betreuung zu stärken.
Warum ist der neue Fachkurs «Endometriose» für Pflegefachpersonen besonders relevant und was motiviert Sie, darin zu unterrichten?
Andrea Santamaria: Endometriose wird trotz ihrer Häufigkeit noch immer spät erkannt, oft unterschätzt und vielfach nicht ganzheitlich behandelt. Fachpersonen im Gesundheitswesen spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Betroffene frühzeitig ernst zu nehmen, ihre Beschwerden richtig einzuordnen und ihnen eine professionelle, wertschätzende Begleitung anzubieten.
Mich persönlich motiviert, dass ich mit meinem Unterricht dazu beitragen kann, die Versorgung für Betroffene nachhaltig zu verbessern. Viele Frauen erleben lange Leidenswege – Wissen, Verständnis und Empathie können hier einen enormen Unterschied machen. Der Kurs bietet die Möglichkeit, aktuelles Fachwissen zu vermitteln und gleichzeitig das Bewusstsein für die multidimensionale Belastung durch Endometriose zu schärfen.
Viele Frauen erleben lange Leidenswege – Wissen, Verständnis und Empathie können hier einen enormen Unterschied machen.
Zur Person
Andrea Santamaria arbeitet seit fünf Jahren im gynäkologischen Ambulatorium der Frauenklinik des Inselspitals in Bern. Seit einem Jahr ist sie dort zusätzlich als Endometriose Nurse tätig. Insgesamt arbeitet sie seit über zehn Jahren in verschiedenen Institutionen der Frauenheilkunde, unter anderem in der Gynäkologie und Geburtshilfe des Lindenhofspitals sowie in der Frauenklinik des Kantonsspitals Olten.
Die Basis ihrer beruflichen Laufbahn bilden Ausbildungen zur Drogistin EFZ und zur diplomierten Pflegefachfrau HF. Ergänzend absolvierte sie eine Fachfortbildung in Frauen-Naturheilkunde bei Heide Fischer, einen Kurs in wissenschaftlichem Arbeiten und reflektierter Praxis sowie diverse Weiterbildungen in der komplementären Medizin, insbesondere im Bereich der Phytotherapie.
Welche Perspektive steht im Fachkurs im Zentrum, wenn es um die Begleitung von Betroffenen geht?
Im Fachkurs orientiere ich mich stark an den praktischen Aufgaben und Kompetenzen der Endometriose Nurse. Mir ist eine koordinierte, gut vernetzte und patient*innenzentrierte Begleitung besonders wichtig. Die Unterstützung der Betroffenen erstreckt sich dabei über den gesamten Behandlungspfad: von der ersten Beratung über Diagnostik und Therapieplanung bis hin zur Langzeitbetreuung.
Welche Kompetenzen sind im Berufsalltag dabei besonders entscheidend?
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Koordination der interprofessionellen Zusammenarbeit. Die Endometriose Nurse fungiert als verbindendes Element zwischen Gynäkologie, Chirurgie, Schmerzmedizin, Physiotherapie, Psychologie und Ernährungsberatung. Darüber hinaus vermittle ich Kompetenzen im strukturierten Symptom- und Verlaufsmonitoring sowie in der verständlichen Beratung zu operativen, hormonellen, konservativen und komplementären Therapieoptionen. Evidenzbasierte Ernährungsberatung, Schmerzmanagement und psychosoziale Unterstützung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, insbesondere bei Themen wie Fertilität, Sexualität und Alltagsbewältigung. Dies sind Themen, die in der Praxis oft zu kurz kommen. Grundlage all dessen ist eine zugewandte, empathische und validierende Kommunikation, die Vertrauen schafft und den oft langen Leidensweg der Betroffenen ernst nimmt.
Themen wie Fertilität, Sexualität und Alltagsbewältigung kommen in der Praxis oft zu kurz.
Wie gestalten Sie den Unterricht und welches Ziel steht dabei im Mittelpunkt?
Mein Unterricht ist interaktiv, praxisnah und reflexionsorientiert. Neben fachlichem Input arbeite ich mit Fallbeispielen, Gruppenarbeiten, Erfahrungsaustausch und kleinen Übungen, um die Perspektive der Betroffenen erfahrbarer zu machen.
Mein Ziel ist es, die Teilnehmenden zu befähigen, ihr Wissen direkt in der Praxis umzusetzen. Nach dem Kurs sollen sie Endometriose sicherer frühzeitig erkennen, ganzheitlich denken und in Gesprächen eine klare, respektvolle und zugewandte Haltung einnehmen können.