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Systematische Bewertung von Gesundheitstechnologien: Von der Evidenz zur Entscheidung

26.02.2026 Prof. Dr. Katharina Blankart ist Studienleiterin des neuen CAS Value-Based Healthcare & Health Technology Assessment. Der CAS befähigt Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, Innovationen systematisch zu bewerten und fundierte Entscheidungen über deren Nutzen und Erstattung zu treffen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein neuer CAS der BFH verbindet gesundheitsökonomische Evaluationsmethoden mit praktischen Market Access-Strategien und internationalen HTA-Standards.
  • Teilnehmende lernen, den Wert von Medikamenten, Medizinprodukten und digitalen Gesundheitsanwendungen systematisch zu ermitteln und in Vergütungsentscheide zu übersetzen.
  • Katharina Blankart hat das Programm entwickelt, ein Team aus Dozent*innen aus Forschung, Praxis und dem Bundesamt für Gesundheit bringt seine Expertise ein.

Was motiviert dich, diese neue Weiterbildung anzubieten?

Katharina Blankart: Mich motiviert, dass wir im Gesundheitswesen zunehmend vor der Herausforderung stehen, neue Technologien und Lösungen für das Gesundheitssystem zu bewerten. Jeden Tag werden neue Medikamente entwickelt, digitale Gesundheitsanwendungen lanciert und innovative Versorgungsmodelle erprobt. Doch wie entscheiden wir, welche dieser Innovationen wirklich Wert für Patient*innen und das Gesundheitssystem schaffen?

Ich hoffe, dass diese Weiterbildung dazu beiträgt, dass Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen – sei es aus der Pharmaindustrie, von Krankenkassen, Behörden oder Gesundheitsberufen – mit fundiertem methodischem Wissen und kritischem Denken diese Bewertungen vornehmen können. Und letztlich Patient*innen Zugang zu wirksamen Innovationen erhalten, während gleichzeitig Ressourcen verantwortungsvoll eingesetzt werden.

Diese Weiterbildung soll Fachkräfte befähigen, Innovationen mit methodischem Fundament und kritischem Denken zu bewerten und so zur optimalen Versorgung von Patient*innen beizutragen.

  • Katharina Blankart Studienleiterin CAS Value-Based Healthcare & Health Technology Assessment

Zur Person

Prof. Dr. Katharina Blankart ist Leiterin des Instituts für Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik der BFH und forscht zu Health Technology Assessment, Innovationsanreizen im Gesundheitswesen und Value-Based Healthcare. Am Institut ist das Swiss Drug Pricing Model entstanden, das eine schnelle Bewertung von Gesundheitstechnologien im schweizerischen Kontext erlaubt. Ihre Forschung verbindet ökonomische Theorie mit praktischen Anwendungen in der Gesundheitspolitik.

Portraitbild Katharina Blankart

Welche Kompetenzen oder Kenntnisse sollen die Teilnehmenden durch diese Weiterbildung erlangen?

Der CAS vermittelt umfassend alle relevanten Aspekte der systematischen Technologiebewertung. Die Teilnehmenden vertiefen ihre methodischen Fähigkeiten in gesundheitsökonomischer Evaluation – von Kosten-Wirksamkeitsanalysen bis zu komplexen Modellierungstechniken. Sie erweitern ihr Repertoire um praktische Kompetenzen wie die Durchführung von Evidenzsynthesen und die Entwicklung von Market-Access-Strategien, die eine Technologie in das Gesundheitssystem bringen.

Aber mindestens genauso wichtig: Sie erhalten fundierte Einblicke in die gesundheits- und regulierungspolitischen Rahmenbedingungen. Sie verstehen, wie Entscheidungen über Preisfindung und Erstattung in der Schweiz und international getroffen werden, welche Werturteile dabei eine Rolle spielen und wie verschiedene Stakeholder – von Patientenorganisationen bis zu Kostenträgern – argumentieren.

Warum ist dieses Angebot besonders wertvoll für Gesundheitsfachkräfte?

Dieser CAS verbindet Value-Based Healthcare-Prinzipien mit umfassenden Health-Technology-Assessment-Methoden und qualifiziert gezielt für verschiedene Technologien – von Arzneimitteln über Medizinprodukte bis zu digitalen Gesundheitsanwendungen. Es verbindet zentrale Elemente, die bisher nur getrennt verfügbar waren: Von den Grundlagen der gesundheitsökonomischen Evaluation bis zu fortgeschrittenen Techniken lernen Teilnehmende nicht nur, Studien zu lesen, sondern selbst Analysen durchzuführen und kritisch zu hinterfragen. Durch Expert*innen aus Pharmaindustrie, Krankenkassen und Behörden wie dem BAG erhalten Teilnehmende direkten Einblick in reale Entscheidungsprozesse – vom Schweizer Aufnahme- und Preisfindungsverfahren bis zu internationalen HTA-Systemen.

Die Teilnehmenden lernen, HTA nicht nur als technische Übung zu verstehen, sondern als Instrument zur Gestaltung von Gesundheitssystemen. Sie können Innovationsanreize analysieren, Marktversagen identifizieren und Lösungen für komplexe gesundheitspolitische Herausforderungen entwickeln. Das Programm stärkt nicht nur die individuelle Kompetenz, sondern trägt auch dazu bei, dass Entscheidungen über Gesundheitstechnologien in der Schweiz auf solideren Grundlagen getroffen werden, zum Wohl der Patient*innen und der Gesellschaft.

Wer heute lernt, Gesundheitstechnologien systematisch zu bewerten, gestaltet aktiv die Zukunft der Gesundheitsversorgung mit.

  • Katharina Blankart Studienleiterin CAS Value-Based Healthcare & Health Technology Assessment

Für wen ist dieser Studiengang besonders geeignet?

Das Programm richtet sich an ein bewusst interdisziplinäres Publikum. Es ist ideal für Fachkräfte aus der Pharmaindustrie und Medizintechnik, die ihre Produkte systematisch bewerten und Market Access-Strategien entwickeln möchten. Ebenso spricht es Mitarbeitende von Krankenkassen an, die Erstattungsentscheidungen treffen, sowie Personen aus Behörden und Gesundheitspolitik, die regulatorische Rahmenbedingungen gestalten. Auch Gesundheitsberufe – von Physiotherapeut*innen über Pflegefachpersonen bis zu Ärzt*innen – profitieren enorm.

Sie lernen, wie Innovationen in ihrem Bereich bewertet werden und können aktiv zur Entwicklung neuer Versorgungsformen beitragen. Die Methodenkompetenz hilft ihnen, evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen und die Qualität ihrer Versorgung zu verbessern. Was alle Teilnehmenden verbindet, ist der Wunsch, den Wert von Gesundheitstechnologien systematisch zu verstehen und fundierte Entscheidungen zu treffen – sei es für die eigene Organisation, für Patient*innen oder für das Gesundheitssystem als Ganzes.

Was unterscheidet dieser CAS von anderen gesundheitsökonomischen Weiterbildungen?

Unser Programm ist breit aufgestellt und verbindet die wissenschaftlichen Methoden mit den institutionellen Rahmenbedingungen. Teilnehmende verstehen den gesamten Prozess von der methodischen Bewertung über die Evidenzsynthese bis zur Preisfindung und Erstattung.

Wir schauen nicht nur auf die Schweiz, sondern analysieren systematisch, wie verschiedene Länder HTA einsetzen. Gleichzeitig bleiben wir praxisnah: Wir bringen aktuelle Bewertungsansätze direkt in den Unterricht ein. Die Teilnehmenden erhalten so sowohl internationale Best Practices als auch direkt anwendbares Wissen für den Schweizer Kontext.

Als Fachhochschule sind wir keinen Unternehmensinteressen verpflichtet. Wir vermitteln unabhängig wissenschaftlich fundierte, kritische Perspektiven auf Gesundheitstechnologien.

Welche Entwicklungen im Gesundheitswesen machen diese Weiterbildung gerade jetzt relevant?

Verschiedene Trends verstärken den Bedarf an systematischer Technologiebewertung: Die Dynamik im Innovationssystem sorgt dafür, dass die Geschwindigkeit medizinischer Innovation massiv zugenommen hat. Zudem kommen neue Bereiche hinzu, beispielsweise digitale Gesundheitsanwendungen, Gentherapien, personalisierte Medizin und personenzentrierte Versorgung. Traditionelle Bewertungsmethoden stossen an ihre Grenzen. Wir brauchen Fachkräfte, die diese Technologien systematisch im Gesundheitssystem begleiten können. Mit Gesundheitsausgaben von rund 100 Milliarden Franken pro Jahr in der Schweiz steigt der Druck, Ressourcen optimal einzusetzen. Value-Based Healthcare bietet einen systematischen Rahmen, um die Qualität zu steigern und gleichzeitig die Kosten im Griff zu behalten. Wer heute lernt, Gesundheitstechnologien systematisch zu bewerten, gestaltet aktiv die Zukunft der Gesundheitsversorgung mit.

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