• Story

Die Zukunft der Baukultur – Transdisziplinär und regenerierbar

04.02.2026 Die Berner Fachhochschule (BFH) vereint schweizweit einzigartig die wichtigsten Kompetenzen des nachhaltigen Bauens: Architektur, Bauingenieurwesen, Holztechnik und neu auch Landschaftsarchitektur. Jetzt will sie die Baukultur transformieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verfasst von Marco Cousin, erschien der Beitrag in der Verlagsbeilage «Zukunft Bauen» der NZZ am Sonntag vom 25. Januar 2026.
  • Die BFH bündelt schweizweit einzigartig die zentralen Kompetenzen des nachhaltigen Bauens und richtet ihre Ausbildung klar auf eine resiliente und regenerierbare Baukultur aus.
  • Transdisziplinäres Lernen steht im Zentrum: Studierende arbeiten früh disziplinübergreifend zusammen und entwickeln praxisnahe Lösungen für die komplexen Herausforderungen der Bauzukunft.
  • Mit modernsten Laboren, dem Technologiepark und dem künftigen Campus Biel/Bienne schafft die BFH ein Reallabor für zirkuläres, ressourcenschonendes und innovatives Bauen.

Bis 2050 herrscht auf der Alpennordseite ein Klima, wie es heute im südfranzösischen Toulouse zu finden ist. Die Schweiz muss sich damit auf deutlich mehr Hitzetage, trockenere Sommer und insgesamt weniger Niederschlag einstellen. Dies jedoch ohne eine Vegetation, Bodenstruktur oder Baukultur, die für solche Verhältnisse geschaffen wäre. Neben klimatischen Veränderungen sind mit dem seit Januar 2025 aktiven Klima- und Innovationsgesetz auch politische Massnahmen im Gebäudebereich umzusetzen. Die Herausforderungen sind komplex und erfordern ein grundsätzlich neues Denken.

Vor diesem Hintergrund steht die Berner Fachhochschule (BFH) mit Nachdruck für das Erreichen der globalen Nachhaltigkeitsziele ein. Sie setzt auf ihre langjährige Expertise im Bauen mit Holz und biobasierten Materialien sowie auf einen transdisziplinären Lehransatz über alle Studiengänge hinweg.

Mit dem neuen Bachelorstudiengang Landschaftsarchitektur stärkt sie ihre Ausrichtung auf eine resiliente, zirkuläre Baukultur im Einklang mit natürlichen Prozessen.

Bauen mit Holz
Treiben die Transformation zusammen mit Studierenden und Mitarbeitenden voran (von links nach rechts): Nelly Pilz, Mathew Phillips, Ingo Mayer, Daniel Baur, Jolanda Jenzer und Peter Staub.

Konsequent transdisziplinär

Die Baubranche ist geprägt von wachsender Komplexität und der ständigen Abwägung sozialer, ökologischer, ökonomischer und kultureller Aspekte. Zukünftige Absolvierende müssen ihre eigene fachliche Expertise immer häufiger in einen grösseren Zusammenhang stellen können. «Gewässerschutz kann eine Gebäudeplanung beeinflussen, während die Biodiversität der Schweizer Wälder die Qualität von Holz als Baumaterial prägt», erläutert Jolanda Jenzer, Leiterin des Instituts für Infrastruktur und Umwelt.

Deshalb verfolgt die BFH einen Konsequent transdisziplinären Ansatz: Fachwissen bleibt zentral, doch erst im Zusammenspiel mit bereichsübergreifenden Kompetenzen entsteht die Fähigkeit, komplexe Fragestellungen im Bauwesen wirklich zu meistern. «Die grossen Herausforderungen unserer Zeit werden wir nur gemeinsam und transdisziplinär lösen können. Im Unterschied zum rein interdisziplinären Zusammenarbeiten bedeutet dies für uns als Hochschule, dass wir uns nachhaltige Lösungen nicht im akademischen Elfenbeinturm ausdenken, sondern in Partnerschaft mit Praxis, Politik und Gesellschaft entwickeln und umsetzen», sagt Direktor Peter Staub.

Der Fokus auf transdisziplinäre Lehre ist die Konsequenz von Erkenntnissen aus Wissenschaft und Praxis gleichermassen. «Die Studierenden sollen verstehen, welches gemeinsame Ziel eine biobasierte und regenerierbare Baukultur verfolgt – und lernen, ihr Fachwissen darauf auszurichten, anstatt lediglich Normen und Richtlinien im eigenen Bereich abzuarbeiten», erläutert Daniel Baur, Studiengangsleiter des neuen Bachelors in Landschaftsarchitektur.

Auch im Architekturstudium setzt die Co‑Studiengangsleitung – bestehend aus Nelly Pilz und Matthew Phillips – von Beginn an auf den Dialog zwischen den Disziplinen. Bereits in der gemeinsamen Startwoche des ersten Semesters überschreiten die Studierenden bewusst die Grenzen ihrer Disziplinen und erleben, dass Bauprojekte nur im Team gelingen. Später können sie fachübergreifende Minors in zirkulärem und nachhaltigem Bauen sowie in integralem und digitalem Bauen wählen. Das fördert sowohl die Entwicklung als auch den Austausch der Studierenden. «Lehre ist niemals ein einseitiger Prozess: Eine transdisziplinäre Herangehensweise setzt den kollektiven Diskurs voraus. Dieser bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Anleitung, der Förderung intellektueller Freiheit und experimentellem Arbeiten», sagt Nelly Pilz.

Im fünften Bachelorsemester arbeiten Studierende aller Studiengänge gemeinsam an einem Projekt, bei dem die Praxisanwendung von Beginn an mitgedacht ist: In Zusammenarbeit mit Unternehmen entwickeln sie etwa Entwürfe sowie konstruktive Lösungen für mehrgeschossige Holzbauten oder hybride Tragwerke.

Vom Holz und der Natur lernen

Der Standort Biel ist das bedeutendste Zentrum für Holztechnik und Holzbau in der Schweiz und ist international anerkannt. Ausgebildet wird auf drei Stufen – von der Höheren Fachschule über einen auf Holztechnik spezialisierten Bachelor bis zum Masterstudiengang Wood Technology. Während der Bachelorstudiengang bereits schweizweit einzigartig ist, bietet der Masterstudiengang sogar europaweit die einzige vertiefte Ausbildung zum Thema. Die langjährige Erfahrung der BFH im Bauen mit Holz und holzbasierten Produkten bildet die Grundlage für ihre ausgewiesene Expertise in biobasierten und regenerierbaren Baustoffen. «Grundsätzlich geht es darum, ölbasierte Baustoffe durch biobasierte und nachhaltigere Produkte zu ersetzen – von Bitumen in Strassenbelägen über Dämmstoffe bis hin zu Klebstoffen im Bauwesen», erklärt Studiengangsleiter Ingo Mayer.

Holz und nachwachsende Baustoffe sind die Grundlage des zirkulären Bauens. Wie dies in Zukunft gelingen könnte, gehört zum Grundprogramm zahlreicher Studiengänge der BFH – auch zum neuen Bachelor.

Premiere: Bachelor Landschaftsarchitektur

Ab nächstem Herbst bildet die Berner Fachhochschule eine Generation von Landschaftsarchitektinnen und -architekten aus, die Stadt, Natur und Gesellschaft als ganzheitliches System verstehen und nachhaltige Stadtentwicklung kreativ gestalten. Der Fokus auf überfachliche Fragestellungen ist zentraler Bestandteil des neuen Studiengangs: Er vereint die Expertise der BFH aus den Bereichen Gestaltung, Ökologie, Wirtschaft, Technik und Soziales. «Unser systemischer Ansatz sowie die gelebte Transdisziplinarität eröffnen neue Denk und Handlungsweisen und schaffen einen Mehrwert, der weit über die Grenzen einzelner Disziplinen hinausgeht», sagt Daniel Baur.

Für die BFH ist diese Form der Lehre eine Voraussetzung der Zukunftsfähigkeit ihrer Absolventinnen und Absolventen: Wer morgen baut, muss heute lernen, in Systemen zu denken. Die BFH wird damit zum Reallabor, in dem Studierende und Dozierende in Ausbildung, Forschung und Praxis gemeinsam an einer resilienten, zirkulären Baukultur arbeiten. Damit die Studierenden aus dem Vollen schöpfen können, braucht es sowohl Infrastruktur als auch Kompetenzen in Griffweite. Hier hat die BFH einen entscheidenden Vorteil.

Im Video gibt Daniel Baur, Professor für Landschaftsarchitektur und Städtebau, persönliche Einblicke und teilt seine Vision zum Bachelor-Studiengang in Landschaftsarchitektur.

Alle Kompetenzen unter einem Dach

Neben den einzigartig gebündelten Kompetenzen des nachhaltigen Bauens, Architektur, Bauingenieurwesen, Holztechnik und Landschaftsarchitektur bietet die BFH weitere Vorteile: kurze Wege, Labore auf dem neuesten Stand der Technik und ab 2028 der neue Campus in Biel.

«Unsere kurzen Wege sind massgeblich mitverantwortlich für die Agilität unseres Kollegiums. Sie ermöglichen uns den ausgewogenen Dialog zwischen theoretischen Fragen und angewandten Lösungen», sagt Daniel Baur. Im Technologiepark werden ganze Hauswände, Brückenteile oder komplexe Holztragwerke im Massstab 1:1 getestet. Produktionsprozesse können im Pilotmassstab erprobt, Werkstoffe weiterentwickelt und Innovationen direkt in die Lehre integriert werden. Dieses Know-how verbindet die BFH mit dem Anspruch, kreislauffähige Prinzipien in Entwurf und Konstruktion zu verankern: Digitale Modelle, gemeinsame Datenräume und frühe Ökobilanzierungen sollen Rückbau, Wiederverwendung und CO2-Reduktion bereits in der Konzeptphase wirksam machen.

Neben dem Technologiepark sollen zusätzliche Investitionen das Profil der BFH stärken: Ab 2028 wird der neue Campus in unmittelbarer Bahnhofnähe bislang auf mehrere Standorte verteilte Institute und Departemente unter einem Dach vereinen. Der neue Bildungs‑ und Forschungsstandort – eine Investition von über 400 Millionen Franken – bietet moderne Infrastruktur für rund 2500 Studierende und Mitarbeitende. Damit setzt die BFH als Impulsgeberin für natürliches nachhaltiges Bauen ein starkes Zeichen für Innovation, transdisziplinäres Arbeiten und für die Transformation der Baukultur: «Wir erzielen dort Wirkung, wo es konkreten Handlungsbedarf gibt», sagt Direktor Peter Staub.

BFH Architektur, Holz und Bau - Natürlich nachhaltig bauen

Mehr erfahren