Atypisch-prekäre Beschäftigung und lose Anbindung an den Arbeitsmarkt
Das Projekt untersucht die atypisch-prekäre Beschäftigung und lose Arbeitsmarktanbindung in der Schweiz. Analysiert werden Prävalenz, Trends, Übergänge und Risikogruppen anhand nationaler Arbeitsmarktdaten zwischen 2010 und 2023.
Steckbrief
- Beteiligte Departemente Soziale Arbeit
- Institut(e) Institut Soziale Sicherheit und Sozialpolitik
- Förderorganisation Andere
- Laufzeit (geplant) 15.07.2024 - 31.03.2025
- Projektleitung Prof. Dr. Oliver Hümbelin
- Projektmitarbeitende Dr. Maurizio Strazzeri
- Partner Bundesamt für Sozialversicherungen
- Schlüsselwörter Atypisch-prekär, Arbeitsmarkt, Armut, Erwerbslosigkeit, Monitoring
Ausgangslage
In der Schweiz ist atypisch-prekäre Beschäftigung ein relevantes, aber wenig erforschtes Phänomen. Befristete und unsichere Arbeitsverhältnisse, tiefe Löhne sowie fehlende soziale Absicherung betreffen insbesondere junge Menschen, Frauen und Personen mit tiefem Bildungsniveau. Gleichzeitig wächst die Gruppe der Erwerbslosen und der sogenannten stillen Reserve, also Personen, die arbeiten könnten, aber nicht aktiv suchen. Trotz der hohen gesellschaftlichen Relevanz liegen bislang nur wenige systematische Analysen vor, die Prävalenzen, zeitliche Trends und Übergänge zwischen verschiedenen Arbeitsmarktstatus abbilden. Für Politik und Praxis fehlt damit eine fundierte Datengrundlage, um Risiken zu erkennen und gezielte Unterstützungsmaßnahmen zu entwickeln.
Vorgehen
Das Projekt stützt sich auf Daten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) und der Erhebung über die Einkommen und Lebensbedingungen (SILC) von 2010 bis 2023. Atypisch-prekäre Beschäftigung wird über Kriterien wie Vertragsform, Unterbeschäftigung, unentgeltliche Mehrarbeit und Lohnniveau operationalisiert. Zusätzlich werden lose Arbeitsmarktanbindungen wie Langzeiterwerbslosigkeit und stille Reserve erfasst. Mit Zeitreihenanalysen werden Entwicklungen nach Branchen, Geschlecht und Haushaltsformen untersucht. Übergänge zwischen Arbeitsmarktstatus werden über Transitionsmatrizen analysiert, wodurch Persistenz und Mobilität sichtbar werden. Der methodische Ansatz kombiniert deskriptive Statistiken, Verweildaueranalysen und soziodemografische Differenzierungen, um Risikogruppen und strukturelle Hürden zu identifizieren. Die Ergebnisse sollen eine empirische Grundlage für Armutsmonitoring und sozialpolitische Interventionen liefern.
Ergebnisse
Die Analysen zeigen, dass rund 110’000 Personen atypisch-prekär beschäftigt sind, insbesondere in Branchen wie Landwirtschaft oder Gastgewerbe und in privaten Haushalten. Atypische Beschäftigung insgesamt betrifft fast eine Million Menschen. Lose Arbeitsmarktanbindung umfasst etwa 200’000 Erwerbslose und 180’000 Personen in der stillen Reserve. Während Normalarbeitsverhältnisse sehr stabil sind, sind atypisch-prekäre Beschäftigungen durch hohe Übergänge geprägt: Der Wechsel in reguläre Arbeitsverhältnisse ist fast so häufig wie der Verbleib. Zeitlich zeigt sich ein Anstieg der Unterbeschäftigung bis 2020, während unentgeltliche Mehrarbeit rückläufig ist. Insgesamt bleibt der Anteil atypisch-prekärer Beschäftigung über die Zeit relativ konstant.
Ausblick
Die Studie wurde im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen zuhanden des nationalen Armutsmonitorings erstellt. Künftig können die Befunde regelmässig aktualisiert und in Verbindung mit weiteren Armutsindikatoren genutzt werden. Damit trägt das Projekt dazu bei, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, soziale Risiken sichtbar zu machen und evidenzbasierte Entscheidungen in Politik und Praxis zu unterstützen.