Energieverbund Mittelhäusern

Mittelhäusern, ein Dorfteil von Köniz (BE), soll in einem dreijährigen Pilotprojekt komplett mit erneuerbarer Energie versorgt werden – als nationales „Reallabor“, um die Energieversorgung der Zukunft zu demonstrieren.

Steckbrief

  • Beteiligte Departemente Technik und Informatik
  • Institut(e) Institut für Energie- und Mobilitätsforschung IEM
  • Forschungseinheit(en) IEM / Photovoltaiksysteme
  • Förderorganisation Andere
  • Laufzeit (geplant) 01.06.2025 - 31.12.2025
  • Projektleitung Matthias Hügi
  • Partner Wandu Energie AG

Ausgangslage

In Mittelhäusern gibt es zahlreiche gut geeignete Dächer für Photovoltaikanlagen, und die bestehende Netzstruktur ermöglicht die Umsetzung eines dezentralen Energieversorgungssystems. Gleichzeitig steht das Stromnetz vor Herausforderungen, da der zunehmende Ausbau von Solarenergie starke Schwankungen verursachen kann. Eine Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass das Dorf ausgezeichnete Voraussetzungen für ein solches Pilotprojekt mitbringt.

Vorgehen

Getragen wird das Projekt von mehreren Partnern. Die BKW Power Grid AG übernimmt als Netzbetreiberin die technische Entwicklung und den Betrieb des intelligenten Stromnetzes. Die Energy Unlimited AG ist für den Ausbau der Photovoltaik auf grossen Dachflächen zuständig, während die Berner Fachhochschule ein innovatives Energiemanagementsystem mit Echtzeit-Sensorik und -Steuerung entwickelt. Die Gesamtkoordination liegt bei der Wandu Energie AG. Ab 2026 soll zudem eine Lokale Elektrizitätsgemeinschaft entstehen, die es ermöglicht, lokal erzeugten Solarstrom direkt innerhalb der Gemeinde zu handeln. Der Projektstart ist im November 2025, die Laufzeit beträgt drei Jahre.

Ergebnisse

Ziel des Projekts ist eine möglichst umfassende Versorgung des Dorfes mit erneuerbarer Energie – nicht nur für Strom, sondern perspektivisch auch für Wärme, Mobilität und industrielle Prozesse. Durch den kombinierten Einsatz von Photovoltaik, Batteriespeichern und vernetztem Energiemanagement soll die regionale Produktion optimiert und der Verbrauch intelligent gesteuert werden. Dabei steht nicht die vollständige Autarkie im Vordergrund, sondern eine bedarfsgerechte, lokale Versorgung, die das übergeordnete Stromnetz entlastet. Die Lokale Elektrizitätsgemeinschaft soll dabei helfen, die Akzeptanz zu erhöhen und die Effizienz des Systems zu steigern.

Ausblick

Aus dem Projekt sollen wichtige Erkenntnisse für die Schweiz gewonnen werden. Wenn Mittelhäusern als solares Modelldorf erfolgreich funktioniert, könnten andere Gemeinden ähnliche Strukturen aufbauen und so den Umbau des Energiesystems vorantreiben. In einem möglichen Folgeprojekt könnte zusätzlich die Wärmeversorgung dekarbonisiert sowie die Elektromobilität stärker integriert werden. Die gewonnenen Daten und Erfahrungen aus dem Smart-Grid-Betrieb sollen zudem in die Weiterentwicklung der nationalen Netzinfrastruktur einfliessen. Gleichzeitig stärkt das Modell die regionale Wertschöpfung, da Investitionen, Energieerträge und Fachwissen direkt im Dorf und in der Region bleiben.

Dieses Projekt leistet einen Beitrag zu den folgenden SDGs

  • 7: Bezahlbare und saubere Energie
  • 9: Industrie, Innovation und Infrastruktur
  • 13: Massnahmen zum Klimaschutz