Schmerzlandschaften – eine interkulturelle Annäherung

Das Projekt «Schmerzlandschaften – eine interkulturelle Annäherung» beschäftigt sich mit Schmerz als anthropologische Grunderfahrung.

Steckbrief

  • Beteiligte Departemente Soziale Arbeit
  • Institut(e) Institut Kindheit, Jugend und Familie
  • Förderorganisation Andere
  • Laufzeit (geplant) 01.01.2026 - 30.06.2028
  • Projektleitung Prof. Dr. Andrea Abraham
  • Projektmitarbeitende Pascal Mösli
  • Schlüsselwörter Schmerz; total pain; Kunst; Partizipation; Citizen science; Art-based research; Migration

Ausgangslage

Unser Projekt baut auf dem Total-Pain-Konzept auf, das Schmerz als ein vielschichtiges, ganzheitliches Erleben begreift. Körperliche, psychische, soziale, kulturelle und spirituelle Dimensionen des Schmerzes beeinflussen sich in diesem Verständnis wechselseitig. Schmerz wird hervorgerufen durch körperliche oder seelische Verletzungen und ist expliziter oder impliziter Bestandteil von Problemlagen bei Patient*innen (im Gesundheitswesen) bzw. Klient*innen (im Sozialwesen) mit Migrationserfahrung. Der Schmerz stellt vielfach ein Spannungsfeld in der Kommunikation und Begleitung der Personen dar.

Vorgehen

Schmerzbetroffene Menschen gestalten mit künstlerisch-narrativen Ansätzen ihre eigenen Schmerzlandschaften. Im Dialog über die Landschaften entstehen Erkenntnisse, welche die Grundlage für die Untersuchung darstellen. Die Ergebnisse bilden den den Kern eines Buches und werden durch Fach- und Kontextwissen gerahmt. Das Buch adressiert und unterstützt sowohl Betroffene als auch Fachpersonen im Gesundheits- und Sozialwesen in ihrer interkulturellen Kommunikation über Schmerz: • Ein doppelseitig gestaltetes Leporello nimmt die Perspektiven von Fachpersonen und Betroffenen gleichermassen auf. Es wird an öffentlichen Orten verteilt (z. B. in Gesundheitseinrichtungen, Arztpraxen, Sozialdiensten, Beratungsstellen), um niedrigschwellig Impulse zur Auseinandersetzung mit Schmerzvielfalt und interkultureller Sensibilität zu setzen. • Artikel in einschlägigen Fachzeitschriften sowie Beiträge auf nationalen und internationalen Kongressen tragen dazu bei, Fachpersonen nachhaltig für die kulturelle Vielfalt im Schmerzerleben zu sensibilisieren. • Eine Ausstellung macht die vielfältigen Geschichten und kulturell geprägten Konzepte von Schmerzerleben sichtbar. Sie lädt die Besucher*innen ein, das eigene Schmerzverständnis zu reflektieren und neu einzuordnen.

Ergebnisse

Unser Projekt zielt darauf ab, die kulturelle Vielfalt in der Wahrnehmung, Rahmung und Artikulation von Schmerz sichtbar zu machen. Dafür schaffen wir Räume, in denen • Menschen ihre schmerzbezogenen Erfahrungen, Ressourcen und Bewältigungskompetenzen teilen und ihre eigenen Schmerzlandschaften darstellen; • über die individuellen Schmerzlandschaften ein gemeinsamer Dialog entsteht, der Verbindungslinien sichtbar macht; • Erkenntnisse zusammengetragen werden für die Sensibilisierung der breiten Bevölkerung und insbesondere von Fachpersonen im Sozial- und Gesundheitswesen. Damit können sie Diversität im Schmerzerleben anerkennen, ihre blinden Flecken und Vorurteile kritisch reflektieren, sich ihrer eigenen Vulnerabilität bewusst werden und ihre Empathiefähigkeit stärken. Langfristig wollen wir damit die Begleitung und Lebensqualität von Menschen mit Migrationserfahrung in der Schweiz verbessern, deren Schmerzerfahrungen in Institutionen des Gesundheits- und Sozialwesens bislang oft übersehen oder missverstanden wurden.