E-Books oder Papierbücher – was ist denn nun umweltfreundlicher?

22.05.2026 Eine neue Studie von Matthias Sahli, Jan Bieser et al. untersucht, ob die Digitalisierung der Buchbranche ihre Umweltbelastung verringert. Ob nun E-Books oder Papierbücher umweltfreundlicher sind, ist aber gar nicht so einfach zu beantworten.

Die Digitalisierung hat den Buchmarkt grundlegend verändert, was erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt hat. Viele verschiedene Ökobilanzierungen (LCAs) vergleichen die pro Einheit verursachten Treibhausgasemissionen beim Lesen von Papierbüchern und E-Books. Sie erfassen jedoch nicht die Netto-Treibhausgasauswirkungen der Digitalisierung, die auch von Veränderungen der Produktions- und Verbrauchsvolumina bei beiden Formaten abhängen.

Das Projektteam «ReVerDi» rund um Dr. Matthias Sahli und Prof. Dr. Jan Bieser – beide vom Institut Public Sector Transformation der Berner Fachhochschule – hat nun eine Studie publiziert, in der analysiert wird, ob die Digitalisierung den CO₂-Fussabdruck des Buchmarktes vergrössert oder verringert hat. Die Autor*innen kombinieren in der Studie Erkenntnisse aus Ökobilanzierungen mit wirtschaftlichen Erkenntnissen dazu, wie sich die Digitalisierung auf Angebot und Nachfrage von Büchern auswirkt.

Die Ergebnisse zeigen, dass E-Books die Emissionen bei Viellesern senken können, während Papierbücher klimafreundlicher sein können, wenn sie weit verbreitet genutzt werden. Während E-Books Vorteile wie Zugänglichkeit und Mobilität bieten, erweitern die durch die Digitalisierung bedingten Angebots- und Nachfrageeffekte den gesamten Buchmarkt, indem sie die Auffindbarkeit verbessern, Kosten und Preise senken sowie Veröffentlichung und Vertrieb beschleunigen.

Doch digitale Formate sind nicht automatisch umweltfreundlicher: Faktoren wie Energieverbrauch bei Produktion und Nutzung, Haltbarkeit der Geräte und Druckauflagen spielen eine grosse Rolle. Die Studie legt nahe, dass E-Books Emissionen nur dann reduzieren, wenn sie gedruckte Bücher in erheblichem Masse verdrängen; doch deuten die Erkenntnisse darauf hin, dass die Chance auf einen kompletten Austausch von Papierbüchern durch E-Books gering ist und die Emissionen daher steigen könnten. Dies zeigt, dass es zu einfach ist, E-Books als blosse Ersatzprodukte für Papierbücher zu betrachten. Vielmehr sind integrierte ökologische und ökonomische Perspektiven erforderlich, um die Nettoauswirkungen von digitalen Büchern auf die Nachhaltigkeit vollumfänglich bewerten zu können.

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